Roland Dürre
Samstag, der 5. Januar 2019

RADIKAL.

Aufs Wohl der radikalen Ketzer!

In der Diskussion in den Kommentaren zum Artikel von Hans Bonfigt hat der Begriff „radikal“ eine wichtige Rolle gespielt. Das hat mich dazu gebracht, mal über das Wort RADIKAL nachzudenken. Weil mir das „radikal sein“ irgendwie als sehr wichtig erscheint.

Laut de.Wiktionary.org/wiki/ sind sinnverwandte Wörter entweder
[1] hart, rücksichtslos, unerbittlich, unnachgiebig
oder
[2] deutlich, gründlich, merkbar, merklich, umfassend

In Wikipedia selber habe ich keine nutzbare Definition von „radikal“ gefunden. Politikwissenschaftlich gibt es dort den Verweis auf Radikalismus, soziologisch wird auf Radikalität als Eigenschaft des Wandels verwiesen, siehe Sozialer Wandel.

Es gibt also zumindest in der deutschen Wikipedia aktuell keine Definition des so oft genutzten Wortes „radikal“. Das zeigt schon, wie schwer die Diskussion dieses Begriffs ist. Das erscheint mir fast logisch, weil wir Menschen uns ja besonders gern über Dinge streiten, von denen wir gar nicht wissen was sie bedeuten. Einfach, weil wir dazu neigen, gerade Begriffe, die wir nicht verstehen oder definieren können, besonders stark emotional besetzen.

Jetzt spekuliere ich mal, was radikal so heißen könnte. Oder wie ich es verstehe. Dazu habe ich ein paar Tage des Nachdenkens gebraucht. Dann kam ich darauf, dass mir „radikal“ besonders im Bezug aufs „Denken“wichtig ist. Also das „radikale Denken“, was der Hans Bonfigt nach meinem Verständnis immer wieder mal macht.

Ich meine, das „radikal denken“ bedeutet, dass die Gedanken sich ohne Rücksicht und Ablenkung von „moralischen“ Feldern geradeaus entwickeln dürfen, also nicht beeinflußt werden vom „das denkt man aber nicht“.

Und ich denke mir, dass „radikales Denken“ schnell zu Ketzertum fühlt. Mir sind Ketzer sympathisch, wenn sie in der Lage sind auch ihre eigenen Gewissheiten in Frage zu stellen.

Jetzt versuch ich mal ein paar Gedanken-Ergebnisse zu beschreiben, die durch radikales Denken so entstehen können.

  • Religionen und Gott wurden von Menschen erfunden. Wie können Menschen etwas, das sie selber erfunden haben, zur absoluten Wahrheit machen wollen?
  • Wem nützt der Krieg am meisten? Der Rüstungsindustrie. Also braucht die Rüstungsindustrie den Krieg. Und wenn es keinen gibt, wird sie dafür sorgen, dass es einen gibt.
  • Ich muss zuerst an mich selber denken. Denn nur wenn ich mich selbst liebe, kann ich andere Menschen lieben. Märtyrertum ist sozial also schädlich und sollte unterlassen  – und auf keinen Fall verehrt – werden.
  • Menschen sind nicht böse. Wenn dann sind es ihre Handlungen. So sollte man nicht die Menschen sondern ihre Handlungen verurteilen.
    (So hat Rupert Lay mal formuliert, dass Hitler an sich kein schlechter Mensch war, weil er wahrscheinlich meistens seinem Gewissen gefolgt ist. Das sien Gewissen sicherlich ein uns sehr fremdes, vielleicht für uns alle pathalogisches Gewissen war.  Allerdings hat er diese Aussage auf einem Festvortrag für prominente Gäste einer großen Bank in Deutschland gemacht. Und er ist dann der Legende nach vom Vorstandsvorsitzenden persönlich unterbrochen und aus dem Raum geführt worden. Weil er ein Tabu gebrochen hat – man darf so etwas nicht denken geschweige denn sagen).

Aber bevor ich mich völlig unbeliebt mache und von der Schreibe-Bühne geführt werde, höre ich hier und jetzt besser auf.

RMD

3 Kommentare zu “RADIKAL.”

  1. Hans Bonfigt (Samstag, der 5. Januar 2019)

    Hallo Roland,

    in der Schule habe ich gelernt: „Radikal“ bedeutet im Wortsinn „an die Wurzel gehend“. In Bezug auf Handlungen: Grundlegende Veränderungen anstatt Übertünchen an der Oberfläche.

    Beispiel Asylmißbrauch:
    Ich würde zur Wurzel zurückgehen, zum Grundgesetz: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende PFLICHT“.
    Also: Kindergeld ersatzlos streichen, Eltern in die Pflicht nehmen. Selbstverständlich müssen Familien gefördert werden, aber das kann über den Steuerfreibetrag passieren.

    Abschiebung ? Zurück zur Wurzel ! Wer sagt, daß wir dahin abschieben müssen, wo jemand herkommt ? Den ganzen GOMAN-Clan in ein Flugzeug und ab geht es auf die Kerguelen !

    Die „Radix“, die Wurzel vieler unserer Probleme im Sozialsystem liegt in dessen Attraktivität für kriminelle Asoziale. Radikale Lösungen versuchen nicht Wirkungen zu verhindern oder, wie es die „Grünen“ tun, zu vertuschen, sondern die Ursachen zu eliminieren.

  2. rd (Sonntag, der 6. Januar 2019)

    Ich meine, dass grobe Verallgemeinerungen (Zitat – Wirkungen zu vertuschen wie es die „wasauchimmer“ tun) und plausibel erscheinende Vereinfachungen (Zitat – die Wurzel vieler unserer Probleme im Sozialsystem liegt in dessen Attraktivität für kriminelle Asoziale) nicht hilfreich sind beim Erkunden der Ursachen. Sondern das Gegenteil bewirken.
    Deswegen sollte das denkende Individuumjede Art von Verallgemeinerung – besonders wenn sie (ab-)wertet, genauso aber auch wenn sie (auf-)wertet „radikal“ hinterfragen! Und dies muss für alle Verallgemeinerungen gelten, sowohl für die der „Guten“ (das sind die in der Regel die dem denkenden Indivium Sympathischen) wie auch für die der „Bösen“ (das sind die in der Regel die dem denkenden Indivium Unsympathischen). So denke zumindest ich.

  3. Hans Bonfigt (Dienstag, der 8. Januar 2019)

    Hallo Roland!
    Ich wiederum glaube, daß wir uns, im Bestreben, alles „gerecht“ zu machen, schon längst übernommen haben.
    Gerechtigkeit gibt es aber nicht!

    Daher lieber Einfachheit vor Gerechtigkeit!

    Wie Sie sehen können:
    Die EU schafft nicht einmal die Rücknahme einer lächerlichen „Sommerzeit“.
    Wer aber noch nicht einmal die einfachsten Hausaufgaben erledigen kann, der soll eine Lösung für die Unterdrückung in der „Dritten Welt“ und die Fluchtproblematik anbieten können? Da lachen doch die Hühner.

    Jeder kehre vor seiner Tür. Und da gibt es genug zu tun.

    Für uns alle.

Kommentar verfassen

*