Alle Reden von Digitalisierung. Auch ich 😉

DOAG22016-K-A-Banner-180x180_speakerIch halte sogar Vorträge darüber. Weil ich den Eindruck habe, dass die Verwirrung da sehr groß und das Thema eigentlich nichts Neues ist.

Unter anderem werde ich Thomas Kofler vom Zentrum-Digitalisierung.Bayern auf der DOAG-Konferenz in Nürnberg ergänzen und dort sprechen.

Ich bin aber auch unterwegs für große und kleine Unternehmen, soziale Clubs wie Lions oder vor kurzem für Gut Hohenfried in Berchtesgaden ….

Für mich ist schon der Begriff der Digitalisierung unglücklich. Begriffe, die ich im gemeinten Kontext für relevant halte, sind „Kommunikation“, „Vernetzung“ und „Information“.

Informationsaustausch heißt durch Denken Information zu erzeugen und diese durch Aussprechen des Gedachten weiterzugeben oder auszutauschen. Also ganz analog mit Sprache. Sprache kann man verschriften – dann wird es „digital“. Das ist trivial. Relevant ist, wie schnell und intensiv die Verbreitung und der Austausch von Information statt finden. Und schon sind wir bei Technologie und ihrer Entwicklung.

Betrachten wir mal die Entwicklung des Menschen in seiner jüngeren Vergangenheit:

Nach langem Anlauf haben die „Menschenartigen“ vor zirka 2 Millionen Jahren den aufrechten Gang geschafft. Dies war die Voraussetzung für die Wandlung der „Menschenartigen“ zum „Homo Sapiens“ bis vor ungefähr 200 000 Jahre. Damals noch als Jäger und Sammler hatten die Menschen ihre kreativste Phase und begannen vor zirka 125.000 Jahren, Afrika zu verlassen. Vor 60.000 Jahren nahm Homo Sapiens dann so richtig Fahrt auf und entwickelte bis vor 10.000 Jahren Sprache.

Das gesprochene Wort ist flüchtig. Man konnte das von einem Menschen Gesagte nur einmal hören. So wurden Geschichten ausgebildet und mündlich weitergegeben. Redundanzen wurden eingebaut, um Verfälschungen bei der Weitergabe soweit möglich zu reduzieren. Es gab Versuche, die Botschaften in Zeichnungen zusammen fassen, dies aber nur mit eingeschränktem Erfolg. So war es nur logisch dass ein paar Jahrtausende nach der Erfindung der Sprache auch schon die „Verschriftung“ kam. Und so entstanden vor ungefähr 7.000 Jahren Schriften.

Im alten Ägypten wurden die Geschichten in Tempeln in Sandstein gemeißelt und zusätzlich eingefärbt. Mit Hilfe einer Symbolsprache, die aus Bildzeichen besteht. Dann kamen leichtere Materialien auf wie Papyros und Papier. Und Technologien wie die Druckerpresse und den Drucksatz. Und später wurde – wie alle Technologien – auch die Informationstechnik elektrifiziert. Zuerst mit Kupfer (Kabel) und drahtlos (Funk).

Auch die Codierung wurde verbessert, wie z.B. hin zu einfachen Alphabeten mit wenig Buchstaben und Zahlen. Auch „Algorithmen“ und „Technologien“ zur Abbildung von Sprache und Information aller Art ins „Digitale“ entwickelten sich immer weiter. Dass alle Zeichen binär (nur durch Einsen und Nullen) dargestellt werden können, ist einfach aufzuzeigen. Diese Erkenntnis hat Konrad Zuse als wohl erster gehabt; es war eine wichtige Voraussetzung für die Entwickler des Computers, denn Computer arbeiten halt am einfachsten nur mit Nullen und Einsen. Auch das war eine ganz normale technische Entwicklung.

Schriftzeichen und so Verschriftlichung von Information wurden übrigens zuerst für „kaufmännische Zwecke“ genutzt. So scheint mir die „Wirtschaft die Mutter aller Dinge und Erfindungen“ zu sein und nicht der „Vater  Krieg“. Der ist nur eine besondere Art von „Wirtschaft“ – und zwar eine besonders zu verabscheuende.

Verschriftung macht Wissen über Zeit und Raum verfügbar und erzeugt Vernetzung. Die raren Bücher eines Galileo Galilei gingen durch Europa und brachten die Gedanken eines Keplers mit denen Galileos zusammen. Fortschritt und Technologie entstanden in Städten. Denn da trafen sich die verschiedenen Disziplinen. Später begannen die Städte sich zu vernetzen und die Dinge beschleunigten sich. Und dann vernetzte sich die ganze Welt. Zuerst durch Briefe, Bücher und Zeitschriften. Später durch „elektrische“ Unterstützung werden Zeitungen und Bücher werden von der „IT-Technologie“ abgelöst wie Petroleumlampen und das Talglicht durch Strom und Glühbirne.

Die Vernetzung von Informationen brachte uns die sogenannte „industrielle Revolution“. Und die „Digitalisierung“ ist nur die Fortsetzung dieser Entwicklung. Beides, die Geschwindigkeit der Vernetzung und die Menge an Wissen sind angestiegen und steigen weiter an, so beschleunigt sich dieser Prozess immer mehr. Das ganze ist Teil des Anthrozopän (das Zeitalter des Menschen), von dem man auch nicht so recht weiß, wann man eigentlich seinen Beginn festlegen soll und natürlich erst recht nicht, wo es uns hinführen wird und was anschließend kommen wird.

Eine Satellitenaufnahme der Erde gibt anhand der sichtbar gemachten Lichtverschmutzung einen Eindruck der Größenordnung menschlichen Einflusses auf die Umwelt

Satellitenaufnahme der Erde mit sichtbar gemachter Lichtverschmutzung.
So groß ist der menschliche Einflusses auf unseren Planeten (Bild aus Wikipedia).

Mir wäre es lieber, wenn wir die aktuelle Phase der Menschheit mit den Begriffen von Vernetzung und Information verbinden würden. Digitalisierung ist eine schwache Metapher für das, was sich gerade entwickelt. Aber Digitalisierung ist „in“ und Begriffe wie „Informationszeitalter“ sind „out“. Und jeder will vorne dabei sein, damit er nicht „abgehängt“ wird. In Bayern gibt es so ein Zentrum-Digitalisierung.Bayern (ZD.B), andere Bundesländer kopieren das schon.

Und man kann beliebig viele Pamphlete zur Digitalisierung lesen (in denen meist nur Unsinn drinsteht) und viele Veranstaltungen besuchen. Beides ist in der Regel umsonst. Vor kurzem war ich auf den TechDays in der Tonhalle in München- Es war ein richtiges Festival der Spekulationen und dürfte die vorhandene Verwirrung eher noch vergrößert haben.

In der deutschen Wikipedia kann ich zum Thema Digitalisierung den Artikel Digitale Transformation empfehlen. Er fasst den Stand sachlich zusammen Es finden sich dort auch noch eine Reihe von Beiträgen wie Computerisierung, Informationszeitalter oder gar Digitale Revolution, die alle „nice to have“ sind aber eigentlich keiner braucht. Ein denglisches „digital business transformation“ gibt es da auch – hoffentlich wird da bald ein vernünftiges „Digitalisierung in Behörden und Wirtschaft“ oder ähnlich daraus.

Lasst uns die „Digitalisierung“ einfach als Weiterentwicklung der „Industrialisierung“ und Teil der Evolution des Lebens auf unserem Planeten im Anthrozopän betrachten. Zu dem es übrigens im deutschen Museum zurzeit eine Sonderausstellung mit ein paar durchaus sehenswerten Exponaten gibt. Da sollte man aber darauf achten, einen Führer zu kriegen, der seine Gruppe nicht nur mit Halbwissen und persönlichen Meinungen drangsaliert.

RMD

P.S.
Dann noch ein wenig Reklame auch für die DOAG-Konferenz! Ist wohl eine der besseren IT-Veranstaltungen in Deutschland veranstaltet von der wohl größten und wichtigsten IT-Anwender-Gruppe in Deutschland. Und auch ein Hinweis auf meinen Vortrag auf der DOAG2015.
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1 Kommentar zu “Reformation, Revolution, Transformation, Zukunft – egal, Hauptsache digital”

  1. Chris Wood (Donnerstag, der 21. Juli 2016)

    “Information” is an English word, (with no plural, and derived from French), so perhaps I can quibble about its meaning. Thinking is not required. Information can be generated by a machine or apparatus, and can then be exchanged and used, without thought. Consider collecting weather information, and the information collected by google.
    “Digitalisation” should be the conversion of analogue data to digital form. This has the advantage that the data can be copied and transmitted, (with probability as high as desired), with zero loss of detail. The word has, (at least in Germany), also come to be used for extension of the networks appropriate for digital information.

    Despite my comments on earlier postings, Roland continues to exaggerate the importance of upright stance in human evolution. Perhaps he is influenced by his military service time, but more likely by a book from the last century. Just 70 years ago, nobody believed that Homo sapiens came from Africa. It was thought to be descended from Homo erectus, probably in Asia. Ardipithecus, 7 million years ago, was fully bipedal, according to Wikipedia. (OK, Roland, Homo erectus probably ran faster). Our last ancestor common to the apes may well have been more bipedal than chimps. Gibbons and Orangutans are more bipedal than chimps. Upright stance was unimportant compared with brain development, and even was a problem for brain development. Narrow hips and large head make birth difficult. Thus human babies at birth have relatively small brains compared to adults. The delaying of brain development was important in human evolution.

    Roland also speeds up the rate of other aspects of human development. Thus speech came about 50,000 years ago.
    Yes, hieroglyphics look like little pictures, but were largely alphabetic. Gradually they were simplified. Our letter “a” started as a simplified bull’s head, (Greek alpha). Do not confuse hieroglyphics with the non-alphabetic Chinese pictograms.

    The hunter/gatherer time was not the most creative phase of human development. A few ideas, such as religion, use of fire, spears and simple stone tools, took thousands of centuries. The most creative phase is now, because there are more of us, and particularly more who can read and write. Now is also the most destructive phase, particularly regarding biodiversity!

    Konrad Zuse was a good inventor, whose significance tends to be greatly exaggerated by Germans, for example compared with Babbage. Gottfried Leibniz in 1697 introduced the binary number system. Francis Bacon in 1605 had already discussed binary representation of letters as a step in encryption.

    I wish to mention that modern man, outside Africa, is a hybrid of African Homo sapiens with Neanderthal humans. In each person, the Neanderthals contributed only a few percent of the genes, but overall about 30% of the Neanderthal genome is still “in use”! It is remarkable that the two races of humans developed brains of similar size in parallel.

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