Roland Dürre
Samstag, der 6. Juni 2009

Reise-Reflexion über Jugoslawien (Yugoslavia)

Kroatien und Serbien liegen hinter uns, bis Constanta werden wir nur noch in Rumänien weiterfahren. Es ist Halbzeit, die ersten 7 Tage und fast der erste sind vorbei. Hinter uns liegen ca 900 km, vor uns sollten es deutlich weniger sein.

Wir haben Serbien und Kroatien im wahrsten Sinne des Wortes „erfahren“. Das waren mal Teile von Jugoslawien. Für uns Kinder des kalten Krieges war Jugoslawien irgendwie etwas ganz besonderes.

Jugoslawien war – obwohl zweifelsfrei irgendwie ein Teil der Wirtschaftssysteme des Osten – offiziell neutral. Sie hatten tolle Sportler  und mit Tito einen schwer einzuschätzenden aber doch irgendwie ausgefallenen Führer. Fluch oder Segen für das Land? Peter Scholl-Latour hatte früh vorhergesagt, dass nach dem Tod von Tito Jugoslawien zeitnah zerfallen würde.
Unser Verhältnis zu Jugoslawien in unserer Jugend war ambivalent. Es haben das Land aber gefühlsmäßig als „besser“ als den normalen „Ostblock“ bewertet. Albanien dagegen zum Beispiel war uns völlig fremd und unbekannt und kam uns eher finster und zurückgeblieben vor.

Ich selbst habe eigenartige Erinnerungen an Jugoslawien. Das erste Mal ist mir Jugoslawien aufgefallen, weil eine mir bekannte junge Frau für eine Abtreibung dorthin gefahren ist.

In Deutschland war damals die „Mein Bauch gehört mir“-Zeit. Abtreibung war (noch) verboten, in Magazinen „outeten“ sich Prominente. Junge Frauen reisten für eine Abtreibung nach England oder Jugoslawien, wobei England die deutlich teuere Alternative war. Man nannte das „Abtreibungstourismus“. Jugoslawien war damals ein progressives Vorbild für viele Frauenrechtlerinnen.

Ich selbst war 1973 auf dem Weg nach Griechenland das erste Mal in Jugoslawien. Da fiel für mich viel vom Lack ab. Von den Zuständen auf den Campingplätzen und der Versorgungslage war ich entsetzt und habe versucht, möglichst schnell nach Griechenland zu kommen. Dort war dann alles ganz anders, ich kam mir vor wie im Paradies.

Das Erlebnis war ähnlich meinem ersten Besuch nach vielen Jahren der DDR 1989 vor der Wiedervereinigung. In den 60iger Jahren haben wir der offiziellen Propaganda der BRD zur „Sowjet-Zone“ immer misstraut und gedacht, dass es da auch positive Seiten geben müsse. Den Niedergang, den ich Anfang 1989 in der DDR erlebt habe, hätte ich nicht für möglich gehalten.

Mir scheint, dass der „Kommunismus“ in vielen Ländern des Ostblock sein (negatives) Werk vollbracht hat. Jetzt in den Nachfolgestaaten von Jugoslawien, Serbien und Kroatien war ich überrascht, wieviel Positives ich dort erlebt habe. Da ist einiges passiert. Und Serbien gehört nach dem was ich erlebt habe, durchaus in die EU.

Und heute bin ich durch das EU-Mitglied Bulgarien geradelt und verbringe ich meine erste Nacht im EU-Mitglied Rumänien. Ist schon eine spannende Entwicklung.

RMD

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