Roland Dürre
Samstag, der 15. Juni 2013

Rentenkonzept …

Am 20. Juni 2013 werde ich dreiundsechzig Jahre alt. 1969 habe ich Abitur gemacht. 18 Monate meines Lebens habe ich an den Staat abgetreten. Zwangsweise, man nannte das Wehrdienst. Nach diesem Zwangsdienst habe ich studiert und das Geld für mein Studium selber verdient. Es waren immer (mindestens) zwei Jobs parallel. Trotz allem war das eine gute Zeit, ich kann mich nicht beklagen.

Dann ging das „Arbeitsleben“ los. Nach ein paar Jahren Anlaufzeit habe ich fast zwanzig Jahre den Höchstbetrag in die Rentenversicherung „ein bezahlt“. Wie ich dann nach der Umwandlung der InterFace Connection GmbH in eine AG vom Geschäftsführer zum Vorstand mutierte, habe ich weiter solidarisch den Grundbetrag zur Rentenversicherung geleistet.

Ich habe 7 Kinder groß gezogen. Sechs davon haben Abitur, eins wird das hoffentlich noch machen. Meine Kinder haben diverse Studienabschlüsse, bisher ist auch ein „Doktor-Titel“ dabei.

Vor ein paar Tagen habe ich meinen Rentenbescheid bekommen (vom 10. Juni 2013):

rente005Ich bekäme also 1.185,58 € Rente, dies ab dem 1. 11. 2015. Davon geht dann noch die Krankenversicherung weg und versteuern muss ich diesen Betrag auch noch. Wie viel von dann übrig bleibt, weiß ich nicht. Üppig wird es nicht sein.

Interessant dabei ist, dass meine Frau, die Barbara, die eigentlich immer entweder Kinder bekommen oder gearbeitet hat, deutlich weniger bekommt als ich. Sie liegt so bei 2/3 meiner Rente.

Wir jammern nicht. Wir haben im Leben viel Glück gehabt und konnten sogar ein kleines Vermögen aufbauen. Wie es ausschaut, kann ich mir auch im Alter ein gutes Leben im schönen Südosten Münchens leisten.

Aber ich denke mal an andere Menschen. Die ihr Leben lang vielleicht nur ein wenig mehr als den Grundbetrag einzahlen konnten. Lücken in ihrer Arbeitsvitae hatten.

Und sicher dann weniger als ich (und meine Frau!) bekommen werden. Und die so kein und zwar null Vermögen aufbauen konnten, das ihnen im Alter hilft.

Ich denke auch an die Inflation, die ich täglich fühle. An die Staatsschulden, die trotz aller Beteuerungen und Luftnummern wie „Schuldenbremse“ laufend und real (!) steigen. Ich denke an die  riskanten Staats-Bürgschaften und ich denke an die vielen Singles und was so ein Alterheim im Monat kostet. Genauso denke ich aber auch an die stetige Steigerung des Anteils von Kohlendioxidgehalt in der Luft, die ja eigentlich nicht das Thema Rente aber doch das Thema Zukunft betrifft.

Wie soll das funktionieren? Oder: findet den Fehler! Ich glaube allerdings, dass es da mehrere gibt.

RMD

P.S.
Mein Vater war Beamter bei der Deutschen Bundesbahn. Er hat nur 2 Semester studiert und war dann 6 Jahre an fast allen Fronten des Nazi-Reichs. Ohne abgeschlossenes Studium hat er sich emsig hoch gearbeitet, seine Laufbahn war trotzdem limitiert.

Meine Mutter ist Witwe, bekommt aber als Frau eines Beamten trotzdem so in etwa das Doppelte an Altersversorgung (Pension und eine kleine Rente) wie ich bekommen werde. Trotzdem schmelzen ihre wenigen Ersparnisse jeden Monat nur so dahin, denn die Ausgaben für Altersheim und „Gesundheit“ (private Zuzahlungen zu einem exorbitanten und kaum beeinflussbaren Gesundheitssystem) sind höher sind als ihr Einkommen.

Be Sociable, Share!

5 Kommentare zu “Rentenkonzept …”

  1. rd (Samstag, der 15. Juni 2013)

    Es lohnt sich, den original abgebildeten Rentenbescheid mal genau zu lesen. Es ist erstaunlich, was die alles zu wissen meinen. Z.B. dass die Löhne steigen werden. Ich meine, dass in vielen Bereichen das gar nicht so ist.

  2. Hsns Bonfigt (Samstag, der 15. Juni 2013)

    Hallo Roland!
    Dann geht es Ihnen ja jetzt wie damals den Herstatt-Kleinsparern, da gab es ein lustiges Lied von „Klaus dem Geiger“:

    Ich bin der Pleitegeier
    von Müller, Lehmann, Meier,
    die ham‘ mich vollgestopft
    für ihre spät’re Sicherheit –
    Doch mein Boß
    und sein Troß
    saßen auf ’nem hohen Roß,
    und das Roß, das fraß –
    Euer schönes Moos…

    Das ist der Herstatt-Blues,
    das ist der Herstatt-Blues,
    man öffne den Tresor –
    und was kommt da hervor?
    Der Pleitegeier,
    mit ’nem ganzen Sack voll Eier
    und dem Schnabel voller Schmus,
    da krächzt er seinen Blues,
    den Her-statt, Her-statt, Her-statt – Blues,
    den I-van – Herstatt – Blues…

  3. rd (Sonntag, der 16. Juni 2013)

    Wunderbar …

  4. six (Sonntag, der 16. Juni 2013)

    Tja, Roland, dann werden wir fast dieselbe Rente bekommen, obwohl Du erfolgreicher warst als ich. Habe aber eine Freundin, die deutlich mehr zu erwarten hat. Klammere mich wie eine Zecke an sie. Unsere zukünftigen Sessions in den wunderbaren Münchner Biergärten werden also andere Sponsoren als der Staat finanzieren.

  5. Chris Wood (Montag, der 17. Juni 2013)

    OK, Roland does not want to grumble. He and I should not. We have earned well and live in a comfortable prosperous country. Our computer occupations have probably helped bring prosperity and spread knowledge, so we can feel we were not parasites.
    But in truth, Roland is grumbling a bit. Things may be getting less comfortable. The main problem is the exhaustion of resources by the increasing human population. The European population is not increasing, but uses much more resources per head than the average.
    There are three possible extreme solutions to the problem:
    1. The developed countries maintain their hegemony, and let the rest starve.
    2. The developed countries drastically reduce their consumption, while helping the rest to limit population, (e.g. by helping women to run their own lives).
    3. The developed countries muddle along, not helping the rest, leading to war and chaos.

    At present, scenario 3 is in operation, but there is still time to switch to 1 or 2. Now I turn to the less dramatic matter of German pensions.

    Globalisation and mechanisation have resulted in a dearth of unskilled jobs in Europe. Of course work can be found, but only at wages that are here unacceptable, and which are not profitable enough to support the pensions that Roland and I want, (together with our wives).
    Roland and Barbara with their seven children have contributed to the depletion of resources. The children can expect to get good jobs and help support the pensioners, but will even one of them do anything to improve the global resource problem, (or to preserve hegemony)?
    Germany resists taking in poor foreigners. This fits the policy of doing little to educate or integrate them. Some other European countries take in relatively more, or do more about education, but are not structured to provide jobs for all. Of course, none of the desirable measures come for free, and nobody wants to accept short term disadvantages.

    I don’t believe the German national debt is really a problem for coming generations. For a start, it is too small. It could be worked off in ten years with very little austerity. At present Germany is doing well, borrowing at low interest rates. Of course the interest rates will have to increase, and countries like Greece have much higher rates. Anyway, a lot of the money is borrowed from pension funds and life insurances, which are often forced by law to borrow at low rates! This money then is used by Roland’s mother and other old people to avoid becoming too much of a burden on the state! So everything goes in circles.
    Borrowing by the state at low interest, coupled with inflation is a form of disguised tax. The state naturally tries various tricks to keep people not too dissatisfied; after all we have a democracy! In particular it looks after civil servants and politicians; the pants are nearer than the trousers.
    I think I am old enough to say that it seems silly to spend huge sums keeping old people alive in misery, or when demented. At least the state should not fight like mad against assisted suicide. The money could be better spent on happiness and/or sustainability.

    Roland worries about people who will get worse pensions. But it sounds as if he is thinking about Germans. What about the other millions who have no chance of getting any pension?

Kommentar verfassen

*