Roland Dürre
Freitag, der 9. Juli 2010

Ritter, Dene, Voss

Das ist der Titel eines Theaterstücks, das Thomas Bernhard 1984 (dem Startjahr der InterFace AG) geschrieben hat.

Für den mysteriösen Titel gibt es eine einfache Erklärung: Er hat mit dem Stück gar nichts zu tun. Thomas Bernhard hat im Titel in seiner ihm eigenen Art und Weise drei Schauspieler geehrt, die in den 80iger Jahren bei Claus Peymann in Bochum engagiert waren: Ilse Ritter, Kirsten Dene und Gert Voss – und so auch mich vor ein großes Rätsel gestellt.

Es ist ein großartiges 3-Personen-Stück, exzellent in Szene gesetzt von Antoine Uitdehaag im charmanten Cuvilliés Theater in der Residenz. Ludwig (Stefan Hunstein) hat eine ältere (Ulrike Willenbacher) und eine jüngere Schwester (Barbara Melzl). Und es ist eine Familiengeschichte, es wird gezankt, geliebt, gesorgt, gestritten, gekämpft, geachtet und verachtet.

Das Stück dringt tief in das Unterbewusste ein. Eigentlich müsste auf den Theaterkarten eine Warnung stehen wie:

Vorsicht, die intensive Wahrnehmung des Stückes besonders in den vorderen Reihen erhöht die Wahrscheinlichkeit von nächtlichen Alpträumen.

Ludwig schwankt zwischen Genie und Wahnsinn, seine Schwestern versuchen dem Problem mit völlig unterschiedlichen Strategien Herr zu werden. So nimmt das Drama seinen Lauf …

Mich hat besonders die herausragend gespielte schizoide Persönlichkeitsstörung des Ludwigs beeindruckt. Wohl dem, der ähnliches nicht schon selbst an sich erlebt hat! Aber nicht weniger erschreckend und köstlich zu gleich, wie die Schwestern damit umgehen.

Und nach dem Stück auf dem Heimweg war ich mir gar nicht mehr sicher, ob ich nicht auch ein wenig von mir selbst gesehen habe.

Die nächste Vorstellung findet am Samstag, den 17. Juli 2010, 19:30 Uhr im Cuvilliés Theater statt!

Unbedingt hingehen!

RMD

P.S.
Die Fotos sind wie immer bei meinen Theaterbesprechungen dem Pressebereich des Residenztheaters entnommen.

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