Roland Dürre
Freitag, der 5. September 2008

RMD Urlaubstagebuch 2008 #16 Preise und Münzen

Porto Ageranos – 4. September

Das Leben in Griechenland hat sich im Vergleich zum letzten Jahr deutlich verteuert. Trotzdem kommt es uns gegenüber Deutschland billig vor. Was kann man daraus schließen?

Interessant auch die Preise für Medikamente. So kostet die Packung Imodium mit 6 Tabletten 1 EURO (Wir hatten aktuell Bedarf, über dieses Thema jedoch schweigt der Tagebuch-Schreiber). Ich habe keine Ahnung, was das Medikament in Deutschland kostet. Gewirkt hat es auf jeden Fall sehr gut. Der Beipackzettel war allerdings ausschließlich in Griechisch, vielleicht um florierende Exportgeschäfte zu verhindern.

Bis vor einem Jahr war Griechenland frei von Kupfermünzen. Das fand ich großartig. In den Geschäften wurde einfach auf- oder abgerundet. Ein ordentlicher Grieche hatte ein dickes Bündel mit EURO-Scheinen in der Tasche (jeder Olivenbaum in Griechenland wird angeblich anständig von der EU subventioniert). Münzen und erst recht Kupfergeld hat er verabscheut. Wenn ich passend zahlen wollte, wurden mir meine Cents mit einer Mischung aus Unverständnis und Verachtung zurückgegeben. So etwas nahm ein anständiger Grieche nicht an. Leider hat sich dies geändert. Wahrscheinlich hat Griechenland eine Rüge von der EU bekommen und musste ganz viele Cents in Umlauf bringen.

Jetzt hat man auch hier das Problem mit den Ein-, Zwei- und Fünf-Cent-Stücken. Wenn die Maresa sich ein Eis für 1,70 EURO kauft, dann bekomme ich von ihr für das mitgegebene 2-EURO-Stück in der Regel zwei 10-Cent- und fünf 2-Cent-Stücke zurück. Ich habe dann versucht ihr beim nächsten Eis 20 Cent als 2-Stücke mitzugeben. Hat das Kind natürlich abgelehnt: „Das mögen die im Geschäft aber gar nicht“.

Im Super-Markt geht ein strahlendes Lächeln über das Gesicht des Mädchens an der Kasse, wenn die Summe 19,91 EURO macht und sie mir 9 Cent raus geben kann. Aber wehe, wenn ich ihr zum 20-EURO-Schein einen Cent dazulege. Bei ihr brauche ich mich dann nicht mehr sehen zu lassen.

Auf der Hinfahrt hat das Pils auf der LEFKA ORI (0,4 Liter, ordentlich eingeschenkt und wohl temperiert) 3,70 EURO gekostet. Ich hoffe, dass es auf der Rückfahrt noch genauso viel kostet. Bin mir ziemlich sicher, dass der Pilspreis auf meiner nächsten Fahrt nach Griechenland dann in Richtung 5,- EURO gehen wird. 5 EURO dürfte eh der zukünftige Einheitspreis im Euroland sein. Das kostet dann ein Getränk oder eine belegte Semmel oder der Eintritt für ein Kind unter 14 ins Stadion. In meiner frühen Kindheit waren das 50 Pfennige, zu Gymnasiums-Zeiten wurde eine Mark daraus.

Jetzt stelle ich mir vor, dass ich auf der Heimfahrt – wieder mit der LEFKA ORI – das Bier in 2-Cent Münzen bezahlen möchte. Das wären dann 185 Münzen, 35 ordentlich gestapelte Türme mit je 5 2-Cent-Stücken. Der sonst immer freundliche Steward würde dann den Kapitän holen und mich in das Schiffsgefängnis (alle größeren Schiffe haben einen Arrestraum für randalierende Passagiere oder meuternde Matrosen) werfen lassen.

Auch in Deutschland hilft mir das Kupfer nicht weiter. Selbst beim Toilettengang (einem sollte man meinen echtem Niedrigpreis-Vergnügen) kann ich es nicht einsetzen: Bei „McClean“ (allein der Name bringt mich auf die Barrikaden) am Hauptbahnhof kostet einmal mal „Klein Austreten“ 70 Cent (das heißt bald 1 EURO), aber da helfen mir 35 2-Cent-Stücke auch nicht weiter (geschweige denn 70 1-Cent-Münzen. Und wenn ich der freundlichen Toilettenfrau aus dem ehemaligen Jugoslawien im PEP (Perlacher Einkaufs Passagen) Kupfermünzen auf den Teller lege, ernte ich auch nur mitleidige Blicke.

Also horte ich das Kupfer und schleppe es mit nach Deutschland. Ab und zu trete ich dann „physisch“ den Weg zur Bank an und tausche ein Kilo Kupfer in erstaunlich wenig echtes Geld um (übrigens noch gebührenfrei!). Dann sehe ich mal wieder das Innere der Sparkasse (sonst mache ich alles Online oder per Telefon). Die Damen dort sind sehr freundlich, aber glücklich sind sie über diese Art von Kunden nicht. Das verstehe ich gut, das Wechseln von Kupfer in Nickel bringt bestimmt keinen Boni für die Zielvereinbarung. Ich kann es aber nicht ändern, jeder Job hat seine Schattenseiten.

Es bleibt ja die Hoffnung, dass die EU demnächst einsichtig wird und die Kupfermünzen abschafft. Halt – ein kleines Dorf gibt es noch, wo 5-Cent-Stücke nützlich sind: Unterhaching! Im dortigen Freibad muss man ein 5 Cent-Stück in eine kleine Box einwerfen, um sich die Haare föhnen zu können.

Ja, wie man sieht, der Urlaub geht zu Ende, die Gedanken schweifen bereits wieder in die Heimat.

RMD

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