Roland Dürre
Sonntag, der 3. April 2011

Südsee – Kinder

Eine Reflexion von meiner Südsee-Reise (Nachlese)

Alle unsere Mitreisende waren sich einer Meinung:

Am meisten hätten sie auf unseren Inselausflügen die immer fröhlichen und so netten Kinder beeindruckt.

Waren die Erwachsenen schon immer sehr freundlich und zufrieden, so schienen die Kinder das Leben gewordene Glück. Und so waren sie das meist gesuchte Ziele der permanent klickenden Digitalkameras unserer Reisebegleiter.

Ich habe die Kinder auch so wahrgenommen. Es war einfach toll, die freundlichen, selbstbewussten und sichtbar glücklichen kleinen Geschöpfe zu erleben.

Dabei hatten die „armen“ Kinder gar nichts – kein Spielzeug, keine Puppen, keine Lego-Bausteine oder ähnliches. Auch keinen Fernseher. Und wie manche Mitreisende in einer Mischung von purem Unverständnis bis leichtem Entsetzen festgestellt hatten: „Die haben nicht mal Schuhe“. Und Geld hatten sie bestimmt auch nicht. Dafür viele Kokosnüsse – und eine richtig gute Laune.

Das ist wohl der Punkt:

Zum Glücklichsein braucht man zumindest als Kind wohl nur wenig:

  • Eine Umgebung, in der man nie frieren muss und sich im Wasser und auf Land immer nach Herzenslust austoben kann.
  • Die Liebe der anderen Menschen (als Kind die der Eltern und Verwandten).
  • und ein paar liebe Spielgefährten.
  • Vielleicht noch später eine Schule, in der man Neues lernt und in die hineinzugehen es auch wirklich Spaß macht.

Aber ist das nicht schon ganz schön viel?

Auf den von uns besuchten Südseeinseln gab es auch keine Bedrohung durch wilde Tieren oder giftige Schlangen.

Die Eltern können auf das permanente Überlebenstraining gegen den Verkehrstod verzichten, da es keine Autos gibt, bzw. die sehr wenig vorhandenen nur in Schrittgeschwindigkeit fahren.

Bleiben das Meer und die Kokospalme als die einzigen Unfallfeinde.

Dass es immer nur Fisch, selten ein Stück Schwein und sonst nur einige wenige Gemüse- und Fruchtsorten zum Essen gibt, stört anscheinend auch nicht.

Ja, dann muss man doch glücklich sein?

Ich habe in meiner Familie im rauen (leider nach der Rechtschreibreform ohne „h“ – das tut immer noch weh) süddeutschen Hochland (> 500 Höhenmeter) sieben Kinder heranwachsen erleben dürfen. Und war sehr glücklich dabei. Und glaube auch, dass unsere Kinder in unserer Familie recht unbeschwert aufwachsen konnten.

Aber ganz so einfach wie ich das auf den Südseeinseln erlebt habe, war das in unserer Zivilisation mit ihrer Kunst- und Kulturwelt nicht. Und den ganzen Tag haben unsere Kinder auch nicht so intensiv Freude ausgestrahlt, wie die von der Südseeinsel.

Ein Grund zum Nachdenken?

RMD

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