Roland Dürre
Donnerstag, der 16. September 2010

S21 – eine Kanzlerin engagiert sich.

Hier geht es nicht um eine neue oder alte S-Bahnlinie in München sondern um den Stuttgarter Hbf. Denn heute in der Süddeutschen lese ich als fette Schlagzeile auf der ersten Seite:

„Merkel kämpft für neuen Bahnhof in Stuttgart“

Was bringt sie dazu? Niemand will den Bahnhof, außer ein paar Investoren, die sich ein (vermeintlich) lukratives Immobiliengeschäft nicht entgehen lassen wollen. S21 ist ein Großprojekt, das nicht mehr in die Zeit passt, nie rentabel sein wird und vor allem nicht der Zukunft nach Auslaufen der individuellen Mobilität genügt.

Eigentlich ein Skandal. Vor allem kostet es aber all denen Wählerstimmen, die sich dafür engagieren.

So gibt es nur eine Erklärung:

Die Lobbyisten haben es geschafft, die Kanzlerin für ihre Zwecke einzubinden.

Das wäre in der Tat bemerkenswert. Lässt es doch zwei Schlüsse zu:

  • Mittlerweile sticht Lobbyismus den Wunsch nach Machterhalt.

oder

  • Für den Machterhalt braucht man keine Wähler mehr sondern nur noch mächtige Interessengruppen als Verbündete.

Beides ist schlimm. Aber auch andere politische Entscheidungen und vor allem die Art des Zustandekommens deuten darauf hin, dass es wirklich so ist (siehe die Verlängerung der Atom-Laufzeiten ohne Beteiligung von den verantwortlichen Ministerien und dem Bundesrat oder die Mehrwertsteuer für Hotels usw.).

By the way:

Auch wenn Großprojekte und -investitionen im Fiasko enden, gibt es immer ein paar, die dabei so richtig gut verdienen. Das sind die Initiatoren, Organisatoren und Finanzdienstleister. Und natürlich die, die für „kleine Gefälligkeiten“ belohnt worden sind.

RMD

2 Kommentare zu “S21 – eine Kanzlerin engagiert sich.”

  1. jozy (Donnerstag, der 16. September 2010)

    was? „niemand will den Bahnhof“? Das ist doch gar nicht wahr. Ich beispielsweise will Stuttgart 21. Und mitnichten bin ich alleine, gibt ja anscheinend mittlerweile auch einige tausend, die sich für S21 engagieren. Was mir aber egal ist.

    „Auslaufen der individuellen Mobilität“? Das ist nicht Ihr ernst, oder? Das Gegenteil wird von allen seriösen Wissenschaftlern prognostiziert. Aber gut, wenn Sie meinen…

  2. rd (Donnerstag, der 16. September 2010)

    Hi Jozy, Ihre Argumente für den Bahnhof würden mich interessieren. Und das mit der Mobilität, da würden mich die Namen der „seriösen Wissenschaftler“ interessieren.

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