Roland Dürre
Mittwoch, der 12. August 2009

Schäferstündchen und Massenimpfung

SchafeVor kurzem habe ich in Bayern 2 eine schöne Sendung über Schafe gehört. Dabei habe ich gelernt, dass Schafe trotz intensiver Domestizierung immer noch sehr sensible und kognitiv starke Lebewesen sind.

Die helle Farbe ihres Fells ist eine Folge der Domestizierung. Helle Wolle ist leichter zu verarbeiten und zu färben als dunkle. Generell führt Domestizierung zur Aufhellung der Haut oder des Fells der Tiere.

Ich habe auch etwas über „Schwarze Schafe“ gelernt. Ab und zu kommt noch das Urschaf ein wenig durch. Dann entsteht ein schwarzes Schaf. Das hat es nicht einfach im Leben.

In Deutschland haben Schafe meistens ein ganz helles Fell, in Afrika müssen sie immer noch einen schwarzen Fleck in ihrem Fell haben. Nur dann können sie einen Wirkstoff produzieren, der sie gegen die starke Sonneneinstrahlung schützt. Ganz weiße Schafe müssen in Afrika früh sterben …

Die abgebildeten Schafe habe ich auf einer Radtour in Tunesien fotografiert. Die Schafe auf dem Bild haben alle einen schwarzen Fleck. Kurz nach dem Foto ist übrigens ein Pick-up mit Arbeitern in die Schafherde gerast.

In besagter Sendung habe ich auch erfahren, wie der Begriff „Schäferstündchen“ entstanden ist. Die Schafe übertrugen über Jahrhunderte eine Krankheit an Menschen, die Männer unfruchtbar machte. Schäfer waren deshalb meistens unfruchtbar und wurden so zu beliebten Liebhabern, denn die „Schäferstündchen“ blieben in der Regel ohne Folgen.

Schäfer hatten übrigens eine besondere Rolle in der Gesellschaft (ähnlich wie Hexen). Sie wurden für spezielle Zwecke eingesetzt wie als „Abdecker“ und galten als kräuterkundig und in der Kunst der Heilung von Krankheiten bewandert. Man hatte Angst vor ihnen, wegen einem möglichen bösen Zaubers.

So eine Geschichte gibt es auch zu Kühen und Melkerinnen. Kühe übertrugen eine für den Menschen harmlose Variante von Windpocken. Wer die hatte, wurde immun gegen die harten Windpocken. Die Melkerinnen behielten so oft ihre reine Gesichtshaut und waren begehrt auf den Heiratsmärkten – hatten doch ihre Konkurrentinen oft ein von Pocken vernarbtes Gesicht. So wurde auch den Impfstoff gegen Pocken entwickelt.

Natürlich denkt man bei solchen Geschichte gleich wieder an unsere „Schweinegrippe“.

Und da war letzte Woche wieder große Aufregung im Blätterwald und in der deutschen Politik. Die Krankenkassen wollten wegen der Kosten der bevorstehenden Massenimpfung die Beiträge erhöhen. Für mich interessant, dass die „bevorstehende Massenimpfung“ erst über den Streit über die Kosten laut an die Öffentlichkeit kam.

Mir ist es ziemlich gleich, ob die gesetzlichen Krankenkassen oder der Staat die Kosten bezahlt. Letzten Endes wird so eine Impfung immer aus den von uns geleisteten Zwangsabgaben bestritten, ganz gleich ob sie Steuern oder Sozialabgaben heißen.

Viel mehr interessiert mich „die Massenimpfung“ an sich. Ob diese angesichts der aktuellen Bedrohungslage schon angesagt ist? Das ist eine spannende Frage, die man nicht leichtfertig ohne sittlich verantwortete Güterabwägung entscheiden sollte.

Und es werfen sich eine Reihe von Fragen auf:

Wird moralischer Druck auf die Menschen ausgeübt, sich impfen zu lassen? Oder wird es einen Impfzwang geben, vielleicht mit einer Bußgeldandrohung bei Nicht-Impfung? Soll man sich dann zweimal Impfen lassen (gegen normale und gegen Schweinegrippe)? Oder ist die Impfung gegen Schweinegrippe eine verfrühte – vielleicht sogar völlig unnötig Maßnahme, bestimmt von übertriebenem Sicherheitsdenken?

Das Beispiel der Pockenimpfung zeigt, wie sinnvoll es sein kann, eine gesetzliche Impfung durchzuführen. Diese Krankheit hat eine Sterblichkeit von 10 % – 90 %. Aber man kann sicher auch zu früh und zu viel impfen. Deshalb muss eine Entscheidung zu einer Zwangs- und Massenimpfung wohl abgewogen werden.

Ob das bei der Schweinegrippeimpfung ausreichend erfolgt ist, wage ich zu bezweifeln. Vor kurzem war es ja noch die Vogelgrippe, die die große Bedrochung war. Vielleicht kommt die Bedrohung morgen vom Schaf, man stelle sich vor, eine ganz neue Art von Bedrohung: weltweite Unfruchtbarkeit! Oder die ausgestorbenen Pockenviren entschlüpfen aus einem Labor, sei es für zivile oder militärische Zwecke. Und wir haben wieder ganz andere Probleme.

Und dann könnte man zynisch anmerken, ob wir bei soviel Angst vor Krankheit und Tod nicht erst mal die anderen Krankheiten dieser Welt bekämpfen sollten. Wieviel Menschen sterben immer noch weltweit im Straßenverkehr? Wieviel durch Fettleibigkeit verursacht durch falsche Ernährung und mangelnde Bewegung oder durch den Genuss von Tabak.

Wie viele verhungern täglich oder sterben wegen schlechtem Wasser? Wie viele Frauen sterben im Kindsbett oder nach Beschneidungen? Wie viele Menschen fallen nach wie vor in Kriegen (oder kriegsähnlichen Auseinandersetzungen)?

Oder ganz einfach: Wie viele Menschen erkälten sich heftig, weil sie im Auto, Hotel oder bei der Arbeit einer Klimaanlage zum Opfer fallen?

Ich bewundere aber auf jeden Fall und ganz ehrlich die exzellente Lobbyarbeit der Pharmazie! Nach Tamiflu hat sie jetzt das nächste Erfolgsprodukt vermarktet. Und das weltweit! Man kann nur ein Kompliment machen: Das ist eine globale Klasse-Vertriebsarbeit auf höchstem Niveau. Chapeau!

RMD

1 Kommentar zu “Schäferstündchen und Massenimpfung”

  1. Chris Wood (Mittwoch, der 12. August 2009)

    “ sehr sensible und kognitiv starke Lebewesen“? What does that mean? They are clever compared to most insects and flowers, but fairly stupid compared to cats, dogs, crows, parrots and even cows.
    You grumble too much; flu jabs will not be compulsory. If there is a big epidemic of this new flu, there is then an increased danger that a really dangerous mutation occurs. Existing flu jabs may well then give some protection against the mutant. So we should welcome cautious preparations. „Spanish“ flu killed many millions.
    It is wonderful that smallpox has been eliminated. With polio, the chance has probably been lost, due to sceptics who regarded the campaign as an American, western, capitalist, or Christian trick.
    I was one of the last people in England to get a smallpox jab. A student at my university died apparently from smallpox, so we all got injections. Feeling OK, I played football a day later, and was rather ill for a day or two. Later it turned out that the student had died not with smallpox, but with a severe reaction to a smallpox immunization!

Kommentar verfassen

*