Roland Dürre
Samstag, der 11. April 2009

Schlangen vor der Bäckerei in Deutschland!

Heute morgen war ich wie fast jeden Samstag beim Lieblingsbäcker in Taufkirchen. bild0060

Jeden Samstag stehe ich dann dort in einer langen Warteschlange, beobachte die vielen anderen Zeitgenossen und warte geduldig, dass ich dran komme. Hinter der Theke „wutzelt“ es nur so. Einige Verkäuferinnen versorgen die Käufer eifrig mit Backwerk, Vater und Sohn stehen hinter der Kasse und steuern den Verkaufsprozess.

Der Grund ist ganz einfach. Die Bäckerei Götz in Taufkirchen ist die einzige mir im Münchner Südosten bekannte Adresse , wo die Brezeln und sonstigen Backwaren noch im eigenen Betrieb hergestellt werden.

Und der Erfolg gibt dem Unternehmen zumindest am Samstag recht. Obwohl die Backwaren deutlich mehr kosten als bei den zahlreichen „Backshops“ in und um Unterhaching und Ottobrunn, rennen die Kunden der Bäckerei nur so den Laden ein.

bild0061Ich schreibe übrigens absichtlich „mehr kosten“ und „nicht teurer“, weil die Qualität einer wirklich frisch gebackenen Brezel halt nicht mit einer tief gefrorenen aus Polen verglichen werden kann. Insofern sind die scheinbar so teuren Brezeln vielleicht sogar preiswerter als das normalerweise angebotene „convenient food“ beim „Backshop“ (übrigens was für ein wundervolles deutsches Wort).

Als Kind war ich übrigens Ende der Fünfziger mit meinen Eltern öfters in der damaligen Zone SBZ (Sowjetische Besatzungszone) in Brandenburg. Und da kann ich mich noch an ähnlich lange Schlangen vor dem Bäcker erinnern.

DDR-Verhältnisse in der neuen BRD? Gott sei Dank noch nicht, dort war es wirklich die Unterversorgung. An der Warteschlange in Taufkirchen ist das „Geiz ist geil“-Syndrom schuld. Es hat es den industriellen Backshops ermöglicht, die Bäcker zu verdrängen. Und die wenig überlebenden Bäcker profitieren halt davon. Und die Bürger, die Qualität bei Nahrungsmitteln fordern, müssen halt in die Warteschlange. Bereit mehr zu zahlen, sind sie sowieso.

A propos DDR: Ende der 60iger Jahre wurden wir von der Schulleitung unseres Gymnasiums abgemahnt und als „Vaterlandsverräter“ ausgegrenzt, weil wir die „Zone“ in unserer Schülerzeitung provokativ als DDR bezeichnet und das Wort „sogenannte“ weggelassen hatten, was gute Bürgerpflicht gewesen wäre. Heute hoffe ich nicht, dass wir zu DDR-Verhältnissen in unserer BRD bekommen. Ab und zu habe ich da meine Sorgen.

RMD

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