Roland Dürre
Freitag, der 29. Oktober 2010

Schuldner und Gläubiger

Heute lese und höre ich in den Nachrichten – und traue kaum meinen Augen und Ohren:

Erfolg für Merkel auf EU-Gipfel!
EU-Staaten wollen den Euro besser schützen!
Die Bundesregierung setzt sich für einen dauerhaften Krisenmechanismus ein, der uns vor neuen Wirtschafts-, Finanz- und Währungskrisen beschützen soll!
Die Hauptlast für die Rettung überschuldeter Mitgliedsländer soll künftig privaten Gläubigern wie Banken und Fonds aufgebürdet werden!

Dann denke ich, ich träume:

Was ist passiert, dass man von Erfolg reden könne?
Wie kann man den EURO noch mehr schützen als mit den vielen Milliarden, die man schon bereitgestellt hat?
Wer ist so naiv und glaubt, dass wir uns dauerhaft vor neuen Wirtschafts-, Finanz- und Währungskrisen schützen können?
War das (bis vor kurzem) nicht immer so, dass Gläubiger ihre Forderungen riskieren? Und die warten wohl nur auf ihre neue „Bürde“?

Da war wohl wieder Märchenstunde in Brüssel. Und diesmal wurde das Märchen Schutz für die gesamte Euro-Zone von den Geschwistern Merkel&Sarkozy erzählt.

Jetzt muss nur noch der Vertrag von Lissabon geändert werden – aber möglichst so, dass das Volk nicht abstimmen muss.

Und halt, auf dem nächsten EU-Gipfel im Dezember soll dann Ratspräsident Herman Van Rompuy Vorschläge machen, wie der beschlossene Krisenmechanismus denn überhaupt funktionieren soll.

So einfach ist das. Eigentlich lustig, wenn es nicht so traurig wäre.

RMD

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2 Kommentare zu “Schuldner und Gläubiger”

  1. Chris Wood (Freitag, der 29. Oktober 2010)

    Dear Roland, it’s not so simple. Certainly there is no certain protection from crises. I believe that population growth, with the factors listed in
    http://if-blog.de/cw/wie-wir-unsere-welt-zerstoren/#comments
    will lead to wars and general impoverishment.
    But it should be possible (if difficult) to protect much of Europe from American (etc.) financial gambling.
    Incidentally, the measures concerned are proposed for the whole European community, not just the €-zone. The UK, which is nearly as badly in debt as Germany, is objecting to having its financial affairs controlled by Brussels.

  2. rd (Freitag, der 29. Oktober 2010)

    Dear Chris!
    Wenn ich die Politik von BRD und EU so anschaue, dann fühle ich wie in einem angeschlagenen Flieger. Und vorne im Cockpit sitzen ein paar Lokomotivführer und diskutieren, wie man das bei der Bahn mal so gemacht hat.
    Außerdem erinnert mich das ganze so ein wenig an den Comecon. Aber wen wundert’s?

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