Roland Dürre
Mittwoch, der 22. September 2010

Schweiz

Immer wenn ich in der Schweiz bin,

dann

denke ich mir:

Welch glückliches Land!

Tatsächlich hat die Schweiz eine Reihe von Besonderheiten:

  • einen langjährigen Frieden
    Seit mehr als 150 Jahren Frieden. Sogar die Wirren des zweiten Weltkrieg hat sie ziemlich schadlos überstanden.
  • eine vernünftige Größe
    Die Schweiz ist groß genug für eine Selbstständigkeit und klein genug, um noch vernünftig administriert werden zu können.
  • eine Multikultur mit verschiedenen Sprachen und Dialekten
    In der Schweiz gibt es nicht nur vier Sprachen, sondern auch viele Dialekte. Das heißt, dass die meisten Bewohner schon in der Kindheit bilingual aufwachsen und sich deshalb viel leichter mit Fremdsprachen tun.
  • eine eigene Währung
    Ist das nicht schön, eine eigene und zuverlässige Währung zu haben?
  • eine Hochschule und Bildung
    Hier ist die Schweiz führend. An der ETH in Zürich z.B. sind die pro Student aufgewandten Mittel ein Mehrfaches höher als an der TU München.
  • eine auf Direktdemokratie basierte politische Entscheidungsfindung.

Letzteres könnte die Ursache sein für die vielen Vorteile, die die Schweiz hat. Denn von den natürlichen Gegebenheiten ist die Schweiz alles andere andere als im Vorteil, sondern ein an Rohstoffen armes Binnenland, das zudem mit einer gebirgigen Lage belastet ist.

Mittlerweile ist die Schweiz das einzige Land Mitteleuropas, das auch an Menschen wächst. Es gibt starke Migrationsbewegungen aus vielen Ländern in die Schweiz, besonders auch aus Deutschland. Gerade auch Menschen mit einer hochwertigen Ausbildung zieht es in die Schweiz.

Uns Bayern bleibt als Trost, dass Bayern in Fläche, Bevölkerung und Bruttosozialprodukt so in etwa der Schweiz entspricht.

Was schließen wir daraus?

Dass ein echter Freistaat Bayern sehr wohl lebensfähig wäre und es Bayern – integriert in die EU aber ohne bundesdeutschen Overhead – noch viel besser gehen würde als so schon.

RMD

P.S.
Am 30. September beim RISE-Workshop bei IBM in Zürich bin ich dann wieder in der Schweiz …

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8 Kommentare zu “Schweiz”

  1. hans-peter kühn (Mittwoch, der 22. September 2010)

    Die Schweiz hat auch noch andere Besonderheiten:

    * Sie ist der Banksafe für korrumpierte Regime, Kriegsverbrecher, Diktatoren, Mafiabosse und ähnliches Gesindel

    * Ihre Einwohner sind spiessbürgerliche, humorlose Langweiler

    * Kulturell hat sie nicht mehr als zwei nenneswerte Schriftsteller, eine Handvoll Maler, von denen höchstens zwei international bekannt sind und 0 Komponisten hervorgebracht

    * Volksabstimmungen verleihen Ignoranten und Erzkonservativen die Macht

    Die Schweiz sollte in die EU zwangsintegriert werden, sämtliche Gelder sollten zur Sanierung der EU Finanzen eingesetzt werden. Auf dieser Basis könnten wir endlich auch ordentliche Verhältnisse anstreben. So wie in der Schweiz…!?!

  2. Chris Wood (Mittwoch, der 22. September 2010)

    When I married Zuzana in 1982, she told me Switzerland had a high reputation in Czechoslovakia, while Germany had a low one. She moved to Munich and found life for her and our two daughters good here. A friend of hers married a nice Swiss man and moved to Winterthur, which she then disliked. I don’t understand, Roland, your negative view of Germany. Nowhere is perfect.

  3. fhl (Mittwoch, der 22. September 2010)

    Und noch eine paar Besonderheiten:

    – ich brauche mein Fahrrad in der Schweiz normalerweise nicht abzusperren;
    – wenn ich einen Mietvertrag unterzeichne, brauche ich ihn nicht lesen, weil ich weiss, dass ich nicht betrogen werde;
    – wenn ich einen Arbeitsvertrag unterzeichne, weiss ich, dass ich mein Geld auch in endlicher Zeit bekommen werde (wie bei IF, nicht aber wie bei Siemens als Externer … 😉 )
    – dass die Unternehmen gewillt sind, nach Leistung zu bezahlen und nicht den billigsten Anbieter nehmen (ja, man kann „Under-Performer“ dort auch wieder los werden ohne jahrelang Prozesse zu führen!);
    – und schliesslich: wenn ich Raclette-Käse kaufe, ist es nicht die Frage: gibt es einen oder nicht?“ sondern: „ja was für einen wollen Sie bitte?“ 🙂

  4. rd (Mittwoch, der 22. September 2010)

    Was ich so in der Schweiz erlebe:

    Die Züge und öffentlichen Verkehrsmittel sind sauber und überraschend pünktlich, auf den Autobahnen wird vernünftig gefahren, das Essen (nicht nur der Käse) ist von ganz anderer Qualität als ich es in Deutschland bekomme, zumindest die seriösen Zeitungen sind klasse, die Menschen freundlich. Sie sprechen fast immer mehrere Sprachen und sind erstaunlich gebildet, und ich erlebe oft noch einen richtig guten Service.

    Am meisten beeindrucken mich die Schweizer Unternehmer, die ich in der Schweiz treffe. Ich bin immer beeindruckt von dem hohen ethischen Anspruch meiner Gesprächspartner und auf welchem hohem Niveau zum Beispiel die gemeinsamen Workshops in St. Gallen statt finden.

    In der Schweiz erlebe ich ein beeindruckendes Verständnis von unternehmerischer Verantwortung und bewusstem sozialen Engagement. Und das wird tatsächlich gelebt, wie ich bei meinen regelmäßigen Besuchen in verschiedensten Schweizer Unternehmen immer wieder erfahre.

    Ich bin dann immer überrascht, wie viele mittelständische Unternehmen ihren Mitarbeiten einen eigenen Kindergarten anbieten und über eine Kantine mit eigener Küche und Köchin (!) verfügen.

    Und ich bin auch überrascht, wie häufig ich erlebe, dass Unternehmen von sich aus Halbtagesstellen für ihre Mitarbeiter schaffen und eine Elternschaft unterstützen. Und wie die Angehörigen der Mitarbeiter in das Geschehen der Unternehmen integriert werden.

    Und dass es in der Schweiz keinen besonderen und assymetrischen Kündigungsschutz gibt und vor allem die Schweizer gar keinen wollen (sie könnten das im Gegensatz zu uns ganz leicht mit einer Volksabstimmung erreichen), beeindruckt mich auch.

    Zu Deutschland:
    Bayern ist alles andere als ein valides Muster für den größten Teil Deutschlands. Im Gegenteil, Bayern ist wie vielleicht auch Baden-Württemberg völlig a-typisch für Deutschland. Das gilt nicht nur für die Qualität der Schulbildung, die Höhe der Arbeitslosigkeit oder die Sicherheit und Sauberkeit in den Städten.

    Bayern kann man mental, materiell und auch von der Lebensqualität eher mit dem kleineren Österreich oder eben mit der Schweiz vergleichen als mit so manchen deutschen Bundesländern.

    Aber wieso sparen denn die dummen Bayern jetzt wieder, wenn sich andere Länder und der Bund lustig verschulden wie NRW? Von Berlin hier zu reden, wäre in der Tat polemisch.

    Es bleibt die Sorge, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis auch Bayern von Bund und EU erdrückt wird. Österreich hat es da ein bisschen besser, die müssen nur für die EU zahlen.

    @Chris:
    Ich kenne da ein paar Straßen und Plätze in Deutschland, da würde ich Zuzanna und Dich gerne mal durchführen (wegen mir muss es gar nicht nachts sondern darf auch mittags um 12 sein), und ich bin mir jetzt schon ziemlich sicher wie Zuzanna reagieren würde 🙂

    RMD

  5. hans-peter kühn (Donnerstag, der 23. September 2010)

    Bei den anti Vietnamkrieg Demonstrationen 1968 in Berlin riefen uns die Bürger zu: „Na denn geht doch „rüber“…“

    Das empfehle ich Euch wärmstens!!!

  6. rd (Donnerstag, der 23. September 2010)

    @Hans-Peter:
    Dieses Argument fand ich schon damals weder logisch passend und auch nicht besonders intelligent :-). Den Zusammenhang zwischen der DDR und Amerikas Krieg in Vietnam habe ich nie so ganz begriffen.

    Aber in der Tat:
    Ich habe mir schon öfters überlegt, meinen Wohnsitz nach Österreich oder in die Schweiz zu verlegen. Bleibe aber in Bayern, weil ich hier mein soziales Umfeld habe, auf dass ich nicht verzichten möchte und folge deshalb nicht dem Trend und prominenten Vorbildern … Auch wenn mich das ein ganz schönes Stück Geld kosten dürfte …

    Und ganz egoistisch:
    Bayern und München dürften von der Lebensqualität wie auch Baden-Württemberg und Stuttgart durchaus vergleichbar sein mit dem Niveau in Österreich und der Schweiz. Bei manchen Bundesländern bin ich mir da nicht so sicher.

    Habe übrigens auch viel Zeit in Frankreich verbracht und weiß da auch einige Viertel, wo ich nicht leben möchte … 😉

  7. six (Donnerstag, der 23. September 2010)

    Die Schweiz ist ein sauberes, durchstrukturiertes, erzkonservatives, autistisches Land – das Letztere bezieht sich auf die Enthaltsamkeit bei internationalen Verpflichtungen, auch als Schweizer Neutralität bekannt geworden. Das hat klare Vorteile für das selbstversorgungsfähige Bürgertum. Es gibt kein besseres Land für diese Gruppe. Allerdings ist sie beim Bildungsgenuss auf Importe von originären Werken aus dem Ausland angewiesen, das durch wesentlich zerissenere Entwicklungen zur Kreativität gezwungen wurde, zum Beispiel aus dem (heute) auch ziemlich kleinen Österreich. Wohl geordnet leben oder sich dem Risiko einer tendenziell eruptiven Gesellschaft auszusetzen – es ist eine sehr persönliche Entscheidung. Ich lebe gern in Deutschland, einem Mittelding aus Schweiz und USA.

  8. kuhn hans-peter (Donnerstag, der 23. September 2010)

    Detlev hat die Sache auf den Punkt gebracht.

    Der Schweiz-Artikel von Roland bekommt von mir 5 Sterne. Nicht wegen des Inhalts oder der brillianten Redaktion, sondern weil 8 Kommentare von erheblicher Länge provoziert hat.

    Das ist ein ausserordentliches Ergebnis!!!

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