Mein Beitrag auch zur UN-Klimakonferenz.

Ein Freund hat mir vor kurzem folgende „Spaßfrage“ gestellt:

Seerose-Nymphaea_micrantha_MS_6263Stell Dir vor, Du hast einen Teich.

Und Du magst Seerosen.

So pflanzt Du Seerosen in Deinen Teich.

Du hast aber nicht gewusst, dass deine Seerosen-Sorte sich stark vermehrt und jedes Jahr doppelt so viel Fläche auf dem Wasser wie im Jahr davor braucht.

Nach zehn Jahren ist der Teich voll.

Jetzt kommt die Frage:

Wann war die Hälfte der Seeoberfläche des Teichs bedeckt?

Die Antwort ist einfach – ein Jahr bevor der Teich zugewachsen war, war die Hälfte des Sees mit den Pflanzen bedeckt, denn:
🙂 (2 hoch n) dividiert durch 2 ist die Hälfte von (2 hoch n).

Aber wem hier nicht sofort sein Schulwissen aus dem Fach Mathematik einfällt und wer dies dann nicht anwendet, der wird vom Ergebnis überrascht sein.

Eine andere Faustregel sagt:

Wenn man einen Betrag als Kapital anlegt und dafür 7 % jährlich an Zins bekommt, dann verdoppelt sich das Kapital in ungefähr 10 Jahren.

Das liegt daran, dass man dann z.B. die 1.000 Euro jedes Jahr mit 1,07 multiplizieren darf. Und 1,07 hoch 10 geht eben gegen 2.

Ich möchte damit nur klar machen, dass auch eine sanfte Steigerung von nur 7 % pro Einheit innerhalb von 10 Einheiten zur Verdoppelung des Ausgangswertes führt. Wir haben dann also auf die größere Einheit betrachtet die Zweierpotenz (also jede Zeiteinheit eine Verdoppelung).

Weiter geht es.

Als Programmierer merkt man sich gerne, dass 2 hoch 10 so in etwa 1.000 ist (genau sind es 1.024).

Das ist spannend, denn 1.024 heißt, dass es ein Jahr vorher 512 Einheiten waren. Und davor 256. Und das obwohl es ganz langsam begonnen hat. Mit einer Einheit von eins waren es nach dem ersten Schritt schon (scheinbar nur) 2, dann 4, 8, 16, 32 usw. Und plötzlich geht es brutal ab. Und nach 10 Schritten sind wir bei über 1.000. Und haben doch ganz klein angefangen – mit 1.

So ist das mit Wachstum. Ob es der Verbrauch an Ressourcen ist wie von Boden und Wasser oder der Ausstoß an schädlichem Elementen wie Kohlendioxid, radioaktivem Material oder Plastikmüll. Früher oder später kracht es. Und so weit wir sind, könnte es jetzt durchaus früher heißen. Mit die Chance aufs „undo“ scheint es realistisch gesehen nicht zu geben.

Wenn ich also rechnerisch von nur 7 % Wachstum pro Jahr ausgehe, wie z.B. beim Ausstoß von Kohlendioxid, dann bedeutet das, dass sich der Ausstoß pro Jahrzehnt verdoppelt. Wenn ich dann in der Größenordnung eines Jahrhundert denke, z.B. von 1901 – 2000 oder von 2001 bis 2100 (oder auch von 1950 – 2050), dann wird klar dass es irgendwie früher oder später krachen muss.

Diese ganz einfache Rechnung müsste doch auch all den Wachstums-Predigern, die in ihrem menschlichen Omnipotenz-Wahn gebetsmühlenartig ihren Fetisch Wachstum anbeten, Angst und Bange machen.

Es könnte aber auch sein, dass diese Damen und Herren sehr wohl wissen, dass Wachstum überhaupt keine Lösung ist. Sie aber leichtfertig in der Öffentlichkeit das goldene Lamm namens „Wachstum“ beschwören, weil es hilft keine Wahrheiten aussprechen zu müssen? Gegen ihr besseres Wissen und auch Gewissen? Weil man halt eh nichts ändern kann?

Ganz gleich ob so oder so, ich verstehe sehr gut, dass die meisten Menschen – besonders die jungen – immer verdrossener werden, wenn es um Politik und unsere Staatssystematik geht.

RMD

P.S.
Ich habe mich bemüht, die Rechnung so einfach wie möglich zu machen.

P.S.1
Das Bild ist aus Wikipedia und ein Eigenes Werk von Marco Schmidt. Es zeigt: Nymphaea micrantha in a pond between Tindangou and the border to Benin, Burkina Faso.

1 Kommentar zu “Seerosen, die Grenzen des menschlichen Denkens und die Mär vom „Wachstum“.”

  1. Chris Wood (Sonntag, der 14. Dezember 2014)

    I realised Long ago that the lust for growth was likely to cause a disaster. But only recently have I noticed the constant unthinking propaganda for growth in all the media. For instance, rising share prices are always greeted, although this is often just a sign of Inflation.

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