Roland Dürre
Dienstag, der 21. September 2010

Sex und Drogen sind gefährlich

Wer soll das gesagt haben?

Sex und Drogen sind gefährlich.

Das ist nicht nur inhaltlich sondern auch sprachlich ein „gefährlicher“, weil undurchschaubar komplexer Satz. Begrifflich sind Sexualität (Sex ist doch wohl die Abkürzung von Sexualität?) und Drogen weit auseinander. Sexualität umfasst vieles, was sich zwischen Menschen abspielt. Drogen sind „technisch-chemische“ Hilfsmittel, die kausal dem Erzeugen von Rausch, Hochgefühl, Emotionen und dem Generieren von Illusionen oder Halluzinationen dienen.

Wenn man beide Begriffe gemeinsam in einem Satz mit einem Attribut wie „gefährlich“ versieht, dann wird das Attribut von den Hörern im Kontext zu den Begriffen interpretiert. Und Urmenschliches wird kaum auf dieselbe Art und Weise gefährlich (oder schön oder aufregend oder was auch immer) sein wie Alkohol, Nikotin, Marihuana, Koks, Heroin oder Psychedelika wie LSD.

Auch auf der Suche nach den möglichen gemeinsamen direkten Gefahr von Sex und Drogen werde ich zuerst mal nicht so richtig fündig. Klar infizieren sich Menschen mit Aids beim Sex und beim Drogenkonsum. Wobei da auch schon wieder der Geschlechtsverkehr und nicht Sexualität gemeint ist.

Wollte der Papst (ja der soll diesen Satz in Großbritannien gesagt haben) vielleicht die direkten gefährlichen Folgen von Geschlechtsverkehr und Drogen aufzeigen? Vor AIDS und Schwangerschaft warnen.

Natürlich nicht. Der Papst wollte sicher nicht auf die banale Gefährlichkeit von Sex und Drogen hinweisen wie Krankheitsübertragungen oder die Möglichkeit einer unerwünschten Schwangerschaft. Ich vermute, er hat eher „die gesellschaftlichen Gefahren“ von Sex und Drogen gemeint. Die weiß ich nicht. Ich habe zwar Angst vor Drogen, meine aber dass eine lustfreie Gesellschaft eher anfällig ist für z.B. Faschismus.

Aber es macht keinen Sinn, um so einen Satz herum zu rätseln. Der Satz klingt unüberlegt und passt gar nicht zu so einem gebildeten Menschen wie dem Papst.

Gleichzeit hat der Papst sich in Großbritannien bei den Opfern von sexuellem Missbrauch durch Systemagenten der katholischen Kirche entschuldigt. Das hat ihm viel Respekt eingebracht.

Andererseits fällt mir da besagter Satz wieder ein. Ich verstehe ihn als Kurz-Metapher für die von der katholischen Kirche gepredigte Sexualmoral, die uns, den Menschen die Lust an der Lust verwehren oder uns genau vorschreiben will, unter welchen Voraussetzungen wir Lust empfinden dürfen? Diese oft zwanghafte Sexuallehre ergänzt durch ein krudes Zölibat dürfte mit eine Ursache des sexuellen Missbrauchs sein.

Vermutlich sind die Täter, für die der Papst sich entschuldigt hat, selbst Opfer dieser Sexualmoral und ihrer systemischen Anwendung, die ja im Zölibat eine extreme Form findet. Und dann wäre es besser, wenn sich der Papst nicht nur entschuldigt, sondern beginnt dieses System ändern.

RMD

P.S.
Von Drogen kann man nicht schwanger werden.
🙂 (Es sein denn, es wären „Hoffmannstropfen“ – man lese die „Radio Eriwan“-Witze nach).
Also noch ein Beispiel, dass Sex und Drogen

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