Roland Dürre
Samstag, der 12. Mai 2012

Sinn und Zweck von Marketing

Hier ein paar Überlegungen an einem grauen und nassen Samstag Morgen zum Thema Marketing. Anlass war, dass mich aus Russland ein interessanter Bericht zum Thema Bier & Marketing erreicht hat:

Die Regierung von Russland kämpft seit geraumer Zeit gegen den enorm hohen Alkoholkonsum der russischen Bürger. Deshalb wurde die Werbung für Alkohol verboten. Unter dieses Verbot fielen die harten Schnäpse wie Wodka, aber nicht nieder prozentuale Getränke wie Wein und Bier.

Vor fast zwei Jahren wurde beschlossen, auch Bier als „Alkohol“ einzuordnen. Damit durfte Bier nicht mehr in den Medien und im öffentlichen Raum beworben werden.

Seitdem steigen in Russland die erfolgreichen Neugründungen von mittelständischen Brauereien, die Großbrauereien, die den Markt beherrschen, dagegen verlieren laufend und wesentlich Marktanteile.

Das könnte ein Beleg für meine These sein, dass Marketing eine Waffe ist, die die „Großen“ erfolgreich anwenden können, um ihre Vormachtstellung zu festigen und kleine Konkurrenten vom Markt zu verdrängen oder so zu schwächen, dass sie diese aufkaufen können.

Und ich fühle mich in meinen Gedanken bestärkt, dass Marketing ein Thema ist, über das man auch mal kritischer nachdenken müsste.

Marketing ist wohl kein von Gott gegebenes Element unserer Wirtschaft. Vielleicht ist es nur ein notwendiges Übel eines überhitzten Spätkapitalismus? Einer Wirtschaftsordnung, die sich ihrer sozialen Verantwortung für Mensch und Gesellschaft entledigt hat?

Kann es sein, dass wir erst durch Marketing zu einem Konsumverhalten manipuliert werden, welches mit Freiheit nichts mehr zu tun hat? Und schafft gar erst das Marketing diese unsere Konsumgesellschaft, die ungehemmt einer modernen Variante des „Cargo-Kults“ zu frönen scheint?

Da gibt es viele Kleinigkeiten, die mich verwundern. Zum Beispiel, dass die öffentlichen Rundfunkanstalten massiv mit unseren Gebühren in verschiedenen Medien werben. Oder die Anzeigen, die die Ministerien der Bundesregierung schalten, um für die Güte ihrer Arbeit zu werben.

Ich schau schon lange keine Sendungen im Fernsehen mehr, die durch Werbeeinblendungen unterbrochen werden. Und im Internet verwende ich adblock (und empfehle es gerne weiter).

Mich ärgert aber viel mehr, dass private Anbieter sich am Markt mit viel Geld bekämpfen. Bis zur Hälfte ihres gesamten Umsatzes und gelegentlich sogar noch mehr setzen sie  für Vertrieb und Marketing ein. Nicht für die Herstellung oder Entwicklung ihres Produktes, sondern nur dafür, dass sie es überhaupt verkaufen können!

Als Beispiel sind Telekom- aber auch Pharmazie-Unternehmen anzuführen. Die wesentlichen Kosten in diesen Branchen sind oft die Ausgaben für Vertrieb und Marketing. Das heißt, von dem Geld, dass die (wir) Konsumenten beim Erwerb eines Produktes oder einer Dienstleistung ausgeben, wird die Hälfte dafür eingesetzt, uns zum Kauf genau dieses Produktes zu manipulieren …

🙂 Außer bei der Tabakindustrie. Da ist es anders, da soll der Profit 40 % vom Umsatz betragen!

RMD

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