Roland Dürre
Sonntag, der 15. August 2010

Sloganismen

Es ist gar nicht so lange her, als es noch keine Autos gab. Kutschen zwängten sich durch die engen Gassen der Städte. Aber auch die Straßen über Land waren nur schmale Wege.

Die feinen Leute saßen in der Kutsche, der Kutscher auf dem Bock. Das gemeine Volk war zu Fuß auf den Straßen unterwegs. Manchmal waren die Straßen eng, oft verstopft von Menschen und Tieren.

Die feinen Herrschaften hatten es eilig. Sie konnten nicht warten, bis der Pöbel den Weg frei machte. Deshalb hatten die Kutscher auf ihrem Bock eine lange Peitsche. Die diente nicht vorrangig zum Anspornen der Pferde. Vielmehr bahnte der rüde Kutscher mit der Peitsche seinem Gefährt den Weg durch die Menge. Und so gab es öfters Striemen für menschliche und tierische Hindernisse, die sich dachten „Wer wird denn gleich in die Luft gehen?“ und sich nicht in die selbige auflösten.

Das Motto war damals in alter Gutsherrenart Vorsprung durch Peitsche. Und die Peitschen knallten laut ein fröhliches „Wir machen den Weg frei“.

In der spät-(oder bald post-)automobilen Zeit werden die (meist männlichen) Menschen anders verführt:

„Vorsprung durch Technik“ und „Jeder Kilometer ein sicheres Vergnügen“. Oder: „Freude am Fahren“ – „Aus Liebe zum Automobil“ – „Zu allen Zeiten seiner Zeit voraus“ – „Ein guter Stern auf allen Straßen“ – „Die Zukunft des Automobils“ – „Weiter denken“ – „Das Beste oder nichts“ – „Erfolg = Wissen hoch Leidenschaft“ – „Fahren in seiner schönsten Form“ – „Fährt auch in Kurven“ – „Fährt wie auf Schienen“ – „Autos zum Leben“ – „Besser ankommen“ – „Er läuft, und läuft, und läuft, und läuft ….“ – „Mit Sicherheit mehr Vergnügen“ – „Nichts ist unmöglich“ – „Nur mit Vernunft nicht zu erklären“ – „Optimale Kraftverteilung auf wechselndem Untergrund“ – „Pack den Tiger in den Tank!“ – „Qualität die bewegt“ – „Wir leben Autos“.

So verkauft man die teuren Autos erfolgreich an die Narren unserer „Geht nicht, gibt’s nicht“-Welt.

Meine Slogans für den Kraftfahrer lauten anders:

„Hoppla, jetzt komme ich“ – „Freie Fahrt für freie Bürger“ – „Ohne Rücksicht auf Verluste und die Umwelt“ – „Koste es, was es wolle!“ und „Weiter so, und wenn wir alle drauf gehen“.

Also, schauen Sie lieber auf etwas anderes als „Die Beine Ihres Autos“. Und denken Sie nicht schmutzig, wenn Sie noch irgendwo die ehemalige Lufthansa-Werbung finden sollten „Fliegen in der Luft, Vögeln gleich„. Es ist alles nur „Für das Beste im Mann“. Damit ist sein Geld gemeint, an das man ran will.

🙂 „Alles Müller oder was?“

Ich hoffe, dass Sie „Das grüne Band der Sympathie“ an IF-Blog bindet. Denn „Da werden Sie geholfen“. Und IF-Blog ist gratis, Sie wissen schon „Geiz ist geil“.

RMD

P.S.
Diese und mehr Slogans findet man über diesen Link in Wikiquote! Das Bild ist aus dem zentralen Medienarchiv Wikimedia Commons eingebunden. Es zeigt eine Nostalgie-Postkutsche auf dem Gotthardpass (2004), gespendet hat es Roland Zumbühl, Arlesheim. Ein großes Dankeschön an ihn!

P.S.1
Sloganismen ist ein Kunstwort. In der Schule haben wir gelernt, dass wir alles, was mit „…ismus“ endet, mit Vorsicht zu betrachten wäre. Da ich Slogans mit „Vorsicht betrachte“, habe ich Sloganismus daraus gemacht. Und dann den Plural gebildet – Sloganismen!

P.S.2
Und hier vielleicht auch noch der Slogan von InterFace!

Und früher hatten wir den verführerischen Slogan:

Productivity – designed for you!

Finde ich immer noch ganz gut!

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