Roland Dürre
Sonntag, der 22. April 2012

So ändern sich die Zeiten …

An diesem regnerischen Sonntag Vormittag musste ich daran denken, wie der Sonntag in meiner Kindheit so war ..

Ende der 50iger Jahre, kurz bevor es in die 60iger ging, war der Sonntag bei uns zu Hause ein Festtag. Und bei den meisten meiner Klassenkameraden in der Volksschule (heute Grundschule) war es ähnlich. Nach dem Gang in die Kirche gab es mittags ein richtig aufwändiges und von der Mutter – vom Vater unterstützt – selbst gekochtes Essen.

Das bestand immer aus drei Gängen. Als Vorspeise gab es eine richtig gute Suppe. Selbst gemacht. Mit Knödeln oder anderen guten Einlagen. Dann kam der Hauptgang. Das war der Sonntagsbraten. Werktags war Gesottenes oder Gebratenes unvorstellbar, genauso wie eine Leberwurst, Wiener Würstchen oder der Brathering die seltene Ausnahme waren.

Zum Sonntagsbraten gab es dann immer Beilagen. Meistens irgend eine Variation von Kartoffeln und Gemüse. Alles frisch und selbst gemacht, nichts Gefrorenes oder gar aus der Dose. Und dann kam natürlich der besondere Nachttisch.

So war der Sonntag immer mit dem Ritual eines echten Festmahles verbunden. Es wurde im Wohnzimmer gespeist – das werktags nie genutzt wurde. Das schöne Geschirr und Besteck durfte benutzt werden, der Tisch wurde festlich gedeckt.

Sonntäglichen Freizeitstress gab es damals noch nicht. Nach dem Essen hat die Familie gespielt. Am Anfang ich mit meinem Vater alleine, während sich meine Mutter mit meiner kleinen (fünf Jahre jüngeren) Schwester beschäftigte. Wie meine Schwester dann langsam spielfähig wurde, alle zusammen.

Ja, wir waren so eine richtige bürgerliche Familie. Wohl als Ein-Kind-Familie geplant, wo dann noch ein Nachzügler passiert ist.

Damals gab es auch noch keine Inflation von Gesellschaftsspielen. So beschränkten wir uns zu viert auf Mensch ärgere Dich und Halma, später auch Kartenspielen wie Rommé und Mau-Mau. Der Kontakt zu „modernen Spielen“ wie Monopoly kam erst viel später – als Notlösung im verregneten Österreich-Urlaub.

Auch jenseits des Sonntags war damals Vieles anders. Meine Eltern gingen früh ins Bett und lasen dann noch ein wenig. Es gab ja auch keinen Grund, länger auf zu bleiben. Denn Fernseher hatten wir keinen, so gab es auch keinen Zwang, am medialen Leben teil zu nehmen. Dafür waren die Nachrichtensendungen im Rundfunk heilig, die aber auch am Sonntag nur ganz wenige Male angehört wurden. Da musste man aber ruhig sein.

Am Morgen wurden wir so auch ohne Wecker früh wach …

Aber dann kam der Fortschritt. Der Fernseher wurde zum Zentrum im Wohnzimmer, das dann auch werktags benutzt wurde. Man ging später ins Bett und war morgens müde. Die Gefriertruhe ermöglichte es, Essen vor zu kochen. Das wurde dann nur noch aufgetaut. Spätesten mit der Mikrowelle war dann jede Kultur kaputt.

Und mit dem Auto kam der Freizeitstress. Dann war endgültig Schluss mit der sonntäglichen Idylle – und auch dem Zwang zum sonntäglichen Kirchgang.

Das alles waren irgendwie unvorstellbare Zeiten, gerade wenn ich daran denke wie es heute bei uns zu Hause zu geht. Glaube aber nicht, dass meine alte Welt einem Kind von heute noch gefallen würde.

RMD

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