Wir haben die Reise gewissenhaft geplant. Vieles wurde vorbereitet und recherchiert. Die vorab erworbenen Informationen waren nützlich und zum Teil notwendig.

Aber: Viele gute Ratschläge des Reiseführers und Daten der erworbenen Karten waren wertlos oder gar falsch. Es sind ähnliche Erfahrungen, wie ich sie mit Schule und Elternhaus gemacht habe. Vieles wird einem da mitgegeben, alles gut gemeint, aber oft dogmatisch und unnütz.

Die besten Informationen hatten wir von anderen Menschen, die die Reise schon mal gemacht hatten. Freie und private im Internet gefundene Informationen haben sich als am nächsten an der Wirklichkeit erwiesen. Und einiges an Erfahrungen mussten wir selbst machen, die wir jetzt auch gerne weitergeben.

Und Vorsicht vor ungefragten Ratschlägen! Die sind die fragwürdigsten. Ich mag sie gar nicht mehr. Selten sind sie nützlich, oft falsch und kontraproduktiv.

So will einen der Polizist an der Hauptkreuzung unbedingt in ein Privatquartier führen, das sich dann als Katastrophe herausstellt. Weil er meint, dass man dort besser schläft als im Hotel und es viel billiger wäre. Und man geht dann doch reumütig ins Hotel und hat eine Stunde sinnvoll verloren.

Oder ein Einheimischer schwört, dass ein kleiner Weg eben nicht dahin führt, wo er laut Karte hinführen soll und will einen zurück auf die große Strasse schicken will. Der Weg war letztendlich doch richtig und vorteilhaft.

Aber auch die eigenen Prioritäten ändern sich im Lauf der Reise. Dinge, die vor der Fahrt ganz wesentlich erscheinen, spielen auf der Reise überhaupt keine Rolle mehr. Es ist wie im Leben, man entdeckt in jedem Lebensabschnitt etwas Neues. Und was einem Jahre zuvor ganz wichtig war, wird völlig unwichtig.

Wir haben auch Ängste mitgebracht. Die haben sich als ziemlich unnötig erwiesen. Aufgrund der Wettervorhersage hatten wir Angst vor Regen. In der Wärme hat er gar nichts ausgemacht, im Gegenteil. Dann haben wir Blitz, Donner und Hagel erlebt – und echte Furcht empfunden.

Die laut unserem Führer viel befahrene Strasse ist menschenleer. Die Fähre, die stündlich verkehren soll, fährt nur bei Bedarf. Das beste Quartier findet man an einem Ort, in dem man nicht übernachten soll, weil die Quartiere besonders schlecht und überteuert sein sollen.

Wegstrecken die als besonders langweilig beschrieben werden, üben eine gewaltige Faszination aus. Zigeuner, mit denen man jeden Kontakt meiden soll, erweisen sich als hilfreich und liebenswürdig. Übers Ohr gehauen wird man von vertrauensvoll auftretenden und Deutsch sprechenden Menschen. Ist uns aber auch nur einmal und nicht wesentlich passiert.

Wie das Leben kann man so eine Radtour nur begrenzt planen. Jeden Morgen treten andere Herausforderungen auf und es muss neu entschieden werden. Und immer wieder kommt es anders, als man denkt. Improvisation ist angesagt. Und letzten Endes fährt man eine ganz andere Route als vorher geplant.

Das einzige was sicher ist: Wenn man sich ein realistisches Ziel vornimmt, dann kann man es auch schaffen. Denn der Weg ist das Ziel. Beim Radeln auf jeden Fall. Auch im Leben?

RMD

1 Kommentar zu “So eine Reise ist wie das Leben (Reflektionen zur Donau-Radtour)”

  1. edwin (Donnerstag, der 18. Juni 2009)

    „Denn der Weg ist das Ziel. Beim Radeln auf jeden Fall. Auch im Leben?“

    Im Leben noch viel mehr!!! Denn wenn man des Ende des Wegs erreicht hat, steht man vor dem Tod. So freue ich mich lieber auf den langen Weg!

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