Roland Dürre
Samstag, der 18. Oktober 2014

Sommerzeit – eine Frage der Moral?

🙂 Wie in IF-Blog.de leicht zu sehen, beschäftige ich mich zurzeit gerne mit Moral.

Heute habe ich mir Gedanken über die Sommerzeit gemacht. Besser gesagt über den Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit. Auch als „use case“ für mein Thema „Entscheiden unter Moral“.

Kommenden Sonntag ist es ja wieder soweit. Dann wird es wieder schlagartig früher hell und natürlich auch früher dunkel. Und wie zweimal in jedem Jahr fühle mich wieder ein paar Tage so ein klein wenig daneben (dizzy), weil ich ein Mini-Jetlag habe, blöderweise aber ohne Ortswechsel.

Und ich habe mir die Frage gestellt, warum man sich so schwer tut, etwas für mich und viele andere offensichtlich Unsinniges abzuschaffen.

Zur Erinnerung:
Die erneute Einführung der Sommerzeit wurde in der Bundesrepublik 1978 beschlossen, trat jedoch erst 1980 in Kraft. „Erneut“, weil die Sommerzeit ein Erbe aus Krieg- und Nachkriegszeiten ist und sowohl im 1. wie im 2. Weltkrieg eingesetzt wurde. Wie immer findet man gute Informationen zum Thema dazu in Wikipedia.

Ende der 70iger Jahre hatte wir eine „gefühlte Energiekrise“. Es gab eine allgemeine Annahme, dass der Zeitwechsel Energie sparen würde. Und weil „Energie sparen“ gut und so „moralisch richtig“ ist, hat man entschieden, die Sommerzeit einzuführen.

Mittlerweile scheint klar zu sein, dass die Annahme „Sommerzeit spart Energie“ weder widerlegt noch bestätigt werden kann. Jetzt könnte „man“ sich entscheiden, die Sommerzeit wieder abzuschaffen.

Rational wäre die Sache eindeutig entscheidbar – denn die Umschaltung schafft Aufwand und verursacht Schaden. Zum Beispiel weil die Unfallhäufigkeit höher als im Durchschnitt sonst. Intuitiv (emotional) auch, denn wer mag schon wirklich den Stress mit der Zeitumstellung.

Jetzt haben wir aber noch die Moral, die ja nach meiner Annahme so oft die wesentliche Entscheidungsgrundlage ist. Und da sieht es schlecht aus für die Abschaffung des Zeitwechsels:

  • Man darf doch so etwas nicht alleine entscheiden“
    (wie der böse Putin, der ja die Sommerzeit abgeschafft hat)!
  • Wie sollen wir das denn den anderen in Europa erklären?
    (Dass wir diesen Blödsinn nicht mit machen.)
  • Vielleicht hat die Entscheidung ja auch Nachteile, an die wir nicht denken?
    (Am Schluss spart es doch Energie?)
  • Jetzt hatten wir doch so lange die Sommerzeit! Warum sollen wir es dann ändern?

Entscheidungsfeigheit, Zweifel und Angst haben mit Moral zu tun. Oft bremsen sie Entscheidungen und verhindern Reformen und Veränderung.

In der „Theorie der Entscheidungen“ heißt es, dass wenn zwei wesentliche Gründe für eine Entscheidung sprechen, es keinen großen Sinn mehr macht, die anderen eher nicht so relevanten Gründe noch groß abzuwägen. Das dürfte wohl auch für Kollektiv-Entscheidungen wie in diesem Fall gültig sein.

Ich würde übrigens die Sommerzeit lassen, weil sie einfach am besten zu dem Längengrad passt, auf dem wir leben. Und wenn die „alte“ Winterzeit käme, meinen Lebens-Rhythmus einfach eine Stunde vorverlegen.

RMD

1 Kommentar zu “Sommerzeit – eine Frage der Moral?”

  1. Chris Wood (Montag, der 20. Oktober 2014)

    Summertime is important in England, where it permits village evening cricket to continue into Autumn.
    The change to wintertime tends to coincide with the first match of the season in my chess league, thus making people get up much to earlyy on a Sunday.

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