Roland Dürre
Sonntag, der 12. Juni 2011

Sonntag Morgen

Ein kühler Morgen noch früh am Sonntag. Ich radele zum Bäcker in Putzbrunn und genieße den Tag und den Weg.

Ein junger Mann sitzt auf einer Bank in der Nähe des S-Bahnhofs Ottobrunn. Ungewöhnlich um diese Zeit.

Wirkt nicht unsympathisch. Ordentlich und sauber gekleidet. Vielleicht ist es auch eine Frau, nicht sofort eindeutig erkennbar.

Tatsächlich, auf dem zweiten Blick sehe ich, dass es eine junge Frau ist. Sie bindet sich gerade die Schuhe, ein nicht alkoholisches Getränk steht neben ihr auf der Bank.

Mit meinem Sitzrad fahre ich langsam und in deutlichem Anstand an ihr vorbei.

Entschuldigung!

ruft sie mir zu. Ich bin bestürzt. Warum nur? Sie kann doch nichts dafür, dass ich an ihr vorbei fahre.

Auf der Rückfahrt vom Bäcker sitzt sie immer noch da. Sie sieht mich und sagt nur einen einzigen Satz, diesen aber ganz laut:

Was für ein wunderschönes Rad!

Ich weiß nicht, was ich tun soll – und fahre weiter. Vorbei am trostlosen S-Bahnhof in Ottobrunn nach Riemerling nach Hause. Und muss noch lange über diese seltsame Begegnung nachdenken.

RMD

 

6 Kommentare zu “Sonntag Morgen”

  1. hans-peter kuhn (Sonntag, der 12. Juni 2011)

    Ich meine, dass du der Dame doch etwas näher getreten bist als du zugeben willst, denn wie kannst Du Dir aus der Ferne sicher sein, dass ein nicht alkoholisches Getränk neben ihr stand???

  2. rd (Sonntag, der 12. Juni 2011)

    Keine Sorge, das war eine typische Flasche vom Aldi.

  3. KH (Sonntag, der 12. Juni 2011)

    KH: Roland, sag ist der Fehler in der Zeile..“Mit meinem Sitzrad fahre ich langsam und in deutlichem Anstand an ihr vorbei.“ vielleicht gar eine dieser berüchtigten Freudschen Fehlleistung…?

  4. rd (Sonntag, der 12. Juni 2011)

    Honi soit qui mal y pense [ɔniˈswa kimaliˈpɑ̃s] (Altfranzösisch; wörtlich: „Beschämt sei, wer schlecht darüber denkt.“), heutzutage Honni soit qui mal y pense von französisch honnir, ‚(ver-) höhnen‘, ‚verachten‘, ‚verabscheuen‘ (ersteres ist etymologisch verwandt). (Aus Wikipedia)

  5. hans-peter kuhn (Montag, der 13. Juni 2011)

    Ich mache mir doch Sorgen, denn wie die Kutte nicht den Mönch macht, sagt auch die Flasche nichts über den Inhalt.

  6. Chris Wood (Montag, der 13. Juni 2011)

    Feigling! Warum nicht anhalten, und mit ihr reden? Wahrscheinlich brauchte sie nur Geld für Zigaretten. Eine Chance verpasst mehr über Menschen zu lernen.

    The French quote is the Queen’s motto.

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