Roland Dürre
Dienstag, der 19. April 2011

Sparen

Seit der nuklearen Katastrophe in Japan wird viel über die Atomenergie diskutiert.

Viele reden vom Ausstieg.

Das finde ich gut.

Es wird viel debattiert: 3 Milliarden im Jahr soll uns das kosten? Ob wir uns den Verzicht auf Kernkraft leisten können, inwieweit wir dann noch unsere Klimaziele erreichen können, ob wir Atomstrom importieren dürfen, wie wir regenerative Energien schnell aufbauen können, dass wir unsere nicht mehr so ganz aktuellen (Strom-)Netze dringend erneuern müssen, ob wir CO2 in die Erde pressen können …

Diese Diskussion kann ich nur zum Teil nachvollziehen.

Andere sagen, dass Strom unbedingt billig bleiben müsse. Für die Verbraucher wie auch für die Industrie. Nur so könnten wir unsere Arbeitsplätze erhalten.

Das verstehe ich nicht. Der Zwang zur Innovation schafft doch meistens mehr neue Arbeitsplätze als er alte vernichtet.

Gleichzeitig steigt in der Asse der radioaktive Saft. Die „Endlagerung“ ist ungelöster denn je. Wahrscheinlich bleibt am Schluss wirklich nur „Verdünnen und ab ins Meer“. Ist das nicht alles grauenhaft.

Und noch eines verstehe ich nicht:

Keiner redet vom Energie-Sparen!

Denn eine echte Wende ohne Sparen wird kaum möglich sein. Dabei kann man gerade bei Strom und Energie mit ganz einfachen Mitteln sehr viel sparen. Im großen wie im kleinen.

 

Ich fange beim Strom an:

Wie viel Geräte hängen in Deutschland Tag und Nacht im Standby-Modus am Netz? Wie viele Lampen brennen tagsüber, sei es in öffentlichen oder privaten Räumen.

Wie viel Ampeln laufen sinnlos rund um die Uhr? Brauchen wir die totale Klimatisierung des öffentlichen und bald auch privaten Bereichs wirklich? Bringen die superschnellen Züge wirklich den großen Zeitvorteil oder wäre uns nicht mehr mit einer besseren Anbindung der Fläche gedient? Müssen soviel Bildschirme an den Wänden hängen und uns mit schwachsinniger Information belasten? Brauchen wir die ganze Leuchtreklame?

In der IT könnte man mit einfachen Maßnahmen richtig viel Energie sparen. Da schreibe ich ja öfters drüber. Ich glaube, dass uns da mit wenig Nachdenken sehr schnell noch viel mehr einfällt.

Aber auch beim Öl könnte man ganz einfach viel erreichen:

Warum gibt es immer noch kein Tempolimit? Könnte man nicht mit Fahrgemeinschaften im Individualverkehr die Anzahl der gefahrenen Kilometer wesentlich reduzieren? Ist die Dienstwagenregelung als gigantische Subvention (komplette steuerliche betriebliche Absetzbarkeit der KFZ-Kosten bei „Dienstwagen“) wirklich noch zeitgemäß? Wie viel könnte durch vermehrtes Nutzen der öffentlichen Verkehrsmittel in Ballungsgebieten oder ganz einfach durch mehr Radfahren gespart werden.

Im Winter erscheinen mir (sicher weil ich viel an der frischen Luft bin) die meisten Räume schlichtweg überheizt. Und müssen wir uns wirklich bis dreimal und öfter täglich warm duschen?

Die Arbeitsplätze betreffend könnte man auch viel hinterfragen:

Wem nutzt denn die immer mehr zunehmende Verpackungsorgie? Doch nur der Industrie bei der Erhöhung der Effizienz ihrer Prozesse und dem Konsumenten in seiner Trägheit? Schafft eine Industrie, die Einwegverpackungen in Massen produziert und dafür Rohstoffe wie Aluminium, spezielle Legierungen und natürlich massenhaft Erdöl und/oder „nachwachsende Rohstoffe“ verbraucht, Arbeitsplätze?

Brauchen wir wirklich die vielen Getränke in Dosen, ob Bier, Softdrinks, Wasser oder die Mini-Milchprodukte in kleinsten Plastikflaschen? Werden Arbeitsplätze geschaffen, wenn wir Lebensmittel von fernen Kontinenten nach Deutschland eingefliegen? Aber allein deren Transport in der Luft braucht ein mehrfaches mehr Kerosin, als das Gewicht der transportierten Lebensmittel beträgt?

Das heißt, eigentlich brauchen wir eine richtige und alle Bereiche umfassende Energiewende! Und das sollte man klar aussprechen. Und wir alle müssten uns an der eigenen Nase packen und unser Verhalten schrittweise ändern.

Und vielleicht noch wichtiger:

Wir müssen endlich den Glaubenssatz

Wachstum löst alle Probleme!

nicht mehr als Basis jedes wirtschaftlichen Denken und Handelns zu nehmen, sondern ihn ganz schnell mit einem dicken roten Stift durchstreichen und vergessen.

RMD

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2 Kommentare zu “Sparen”

  1. Hans Bonfigt (Dienstag, der 19. April 2011)

    Was den meisten nicht bewußt ist:

    Wir prassen schamlos im Alltäglichen. Soeben bekomme ich eine moderne Email, der Verfasser sandte mir die beiden Buchstaben „OK“. Das war der Informationsinhalt. Dafür hat dieser verdammte Kommunikationsprolet unter Zuhilfenahme von Mickysoft Outspuck sage und schreibe 862.542 Zeichen benötigt. Und sonst geht es noch ?

    Erstmal hat er die Ursprungsmail einfach hinten angehängt, dazu kam eine peinliche Sicknatur mit vielen Bildchen, HTML und ähnlichem Schwachsinn. Ein Flashfilmchen fehlte unverständlicherweise.

    Es geht aber noch weiter:

    Das peinliche Machwerk enthielt jede Menge Hyperlinks, wäre der Adressat ein technischer Analphabet gleichen Kalibers und würde infolgedessen ebenfalls Outspuck benutzen, dann würden diese Hyperlinks vom Mailprogramm geladen und abgerufen. Das habe ich zum Spaß einmal getan: Nochmal 460 KB, macht schon 1,3 MB.

    Dieses Volumen wird nicht nur empfänger- und zum großen Teil auch senderseitig durch irgendwelche lächerlichen „Firewalls“ und „Windows Defender“ gequetscht, sondern muß vom Sender zum Empfänger in pralinengroßen Häppchen über respektable Umwege und jede Menge Relaisstationen transportiert werden.

    Dabei wird an *jeder Weggabelung* für *jedes Häppchen* immer wieder neu entschieden, welchen Weg es nehmen soll, das ist etwa so, als würde man 250 Seiten an ein- und dengleichen Absender in 250 Umschläge stecken, frankieren und aufgeben. An jedem Knotenpunkt nimmt ein Beamter den Umschlag in die Hand und entscheidet, an welchen nächsten Knotenpunkt er den Umschlag schicken wird. Bei 20 Knotenpunkten sind das nicht weniger als 5.000 Verwaltungsakte. Der heutige Bürokrat ist bekanntlich der IT“-Halbgescheite und dessen willfähriger Erfüllungsgehilfe ist der Router.

    Für zwei gottverdammte Buchstaben verquast der WINdige Idiot also 1.300.000 Zeichen und ungefähr 20.000 Routingentscheidungen. Und das kostet Strom, Strom, und nochmals Strom. Denn die verdammten Switche, Router und DSLAMS verbrauchen – auch im Leerlauf – reichlich Energie.

    Wenn eine 16jährige Hartz-IV – Aspirantin im Erholungsurlaub auf Ibiza „Justin Bieber“ live hören will, dann muß das natürlich via Internet und per Unicast geschehen.

    Wenn Sie mich fragen: DAS KANN GAR NICHT TEUER GENUG SEIN, aber was macht die EU: Sie möchte diese lobotomierten Volltrottel *schützen* und zwingt die Mobilfunkprovider, die Gebühren zu deckeln.

    Was macht die unerträgliche „Bundeskanzlerin“ ?
    Auf der einen Seite wird Energieknappheit heraufbeschworen, auf der anderen Seite „Breitbandausbau“ zur „Chefsache“ gemacht, 50 MBit/s pro Haushalt sind im Gespräch. Das wird den Energiebedarf für den Datentransport derart explodieren lassen, daß allein der Betrieb der Netz- und Überwachungsinfrastruktur auf längere Sicht umweltschädlicher sein wird als alle Nuklearkatastrophen zusammen.

    Mitmachzwang inklusive: Wer nicht einen superstarken PC mit turbogekühlter Graphik- und Netzwerk(!)karte sein Eigen nennt, hat überhaupt keine Chance mehr, sich eine durchschnittliche Internetseite anzugucken.

    Und dann nennt sich das ganze auch noch

    „barrierefrei“ !!!

    Gruß HB,
    kennen Sie noch das Supertramp-Album
    „Crisis ? What Crisis ?“

  2. rd (Mittwoch, der 20. April 2011)

    So scharf das klingt, ich fürchte, dass der Hans da recht hat. Also – jeder Outlook-Nutzer ein Umweltsünder !?

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