Ich rechne mal wieder. Die Zahlen mache ich zum leichteren Rechnen rund. So gehe ich davon aus, dass die BRD 90 Millionen Bürger hat. Sie hat wohl weniger.

Weiter nehme ich an, dass die Verschuldung unserer „öffentlichen Hände“ über das Jahr 2010 um 180 Milliarden € gestiegen ist.

SchuldenuhrVor der Rechnung noch ein paar Anmerkungen:

Die Annahme von 180 Milliarden ist geschätzt. Im Internet findet man Zahlen über einen Zuwachs an Schulden zwischen 80 Milliarden (Bund) und 325 Milliarden (alle öffentlichen Haushalte in Deutschland). Die Zahlen differieren stark, besonders auch abhängig vom Zeitpunkt der Veröffentlichung. Auch die Kosten (Schulden) für Banken- und EURO-Rettung konnte ich nicht präzise recherchieren.

Die Zahlen für „ausgelagerte Schulden“ durch Privatisierung konnte ich nicht belastbar finden, sicher ist nur, dass sie in den als Schulden bezeichneten Beträgen nicht enthalten sind. Obwohl man Kosten, die z.B. an eine private Gesellschaft für eine Autobahn oder ein Gefängnisgebäude über lange Zeiträume verpflichtend zu bezahlen sind, nach meiner Meinung mit Verschuldung zumindest vom Effekt her gleichzusetzen muss. Ist so, wie wenn ich ein Auto lease.

Wenn ich die Gesamtverschuldung betrachte, die in Richtung von 2 Billionen geht (siehe die eingebettete Schuldenuhr), dann klingt der Zuwachs von 180 Milliarden in einem Jahr durchaus realistisch, sind es doch keine 10 % – also prozentual ein eher vernachlässigbares Wachstum. Aber selbst wenn die Basisannahme falsch wäre und der Schuldenzuwachs nur die Hälfte meiner Annahme betragen würde, wäre es auch noch schlimm.

Aber zurück zur Rechnung:

Die Annahme macht das Rechnen leicht: Die einfache Division durch 90 ergibt:

Auf 1 Million Bürger kamen in 2010 2 Milliarden € zusätzliche Schulden.

Wir rechnen weiter:

Pro Kopf sind das 2.000 € neue Schulden.

Naja, werden Sie sagen, soviel Geld sind doch 2.000 € nicht. Peanuts. Beträgt doch der Aufpreis fürs Automatikgetriebe für einen kleinen Tiguan (Spar-SUV von VW) schon das dreifache!

Da protestiere ich als Radfahrer natürlich und rechne weiter:

Mittags gehe ich gerne ins Althaching zum Mittagessen. Da gibt es ein Mittagessen für 5,90 €. Vor einem Jahr kostete es noch 5,00 €, dann wurde der Preis gut begründet auf 5,50 € erhöht und jetzt sind wir bei den besagten 5,90 € (mit Schamzehnerl zur Sechsvermeidung) angelangt – soviel nur zur Inflation in diesem Lande.

Das heißt aber, dass ich immer noch mittags inklusive eines Getränks und (kleinerem) Trinkgeld mit 10 € auskomme.

Jetzt zum letzten Schritt dieser doch ganz einfachen Rechnung:

Die 2.000 € Schulden treffen ja jeden von uns, ob Säugling oder Greis, ob Schüler, Werktätigen, Rentner oder Arbeitslosen. Wenn ich also für meine Familie – ich habe ja sieben Kinder und eine Frau – so wie unsere Regierung pro Kopf im Jahr 2000 € Schulden machen würde, könnte ich jeden Arbeitstag (200 Mal im Jahr) mit meiner Familie zu Neunt ins Althaching zum Essen gehen!

Wenn ich dieses gemeinsame Mittagessen aus meinem Einkommen finanzieren wollte, müsste ich an über 35.000 € von meinem Jahresgehalt für diesen Zweck aufwenden. Denn mein Gehalt muss ich ja versteuern und sozial versichern, den Kredit bekomme ich ja (höchstens minus einem kleinen Disagio) komplett ausgezahlt.

Deswegen ganz alternativlos meine Empfehlung an alle Leser:

Hört auf Arbeiten, lasst Euch vom Staat alimentieren und vor allem: macht Schulden!

Ihr müsst nur einen dummen finden, der Euch Kredit gibt.

Aber wenn der Freistaat für die BayernLB bürgt, dann muss er auch für Euch und mich bürgen. Moralisch und auch im Sinne der Gleichstellung! Wir sind nämlich im höchsten Maße systemrelevant! Denn ohne uns gäbe es kein System.

Und meine Kinder sind auch systemrelevant. Denn ohne die würde „Deutschland sich abschaffen“!

Das hat sogar der olle Thilo erkannt. Und der hat ja seine Karriere wohl wesentlich seinem auffälligen Namen (könnte doch fast aus Harry Potter sein) zu verdanken. Zumindest macht er auf mich nicht nur aufgrund seiner genetischen Einlassungen wirklich keinen allzu hellen Eindruck …

Aber vielleicht ist es ja ganz gut, wenn sich Deutschland abschafft. Dann würde sich ja Bayern auch abschaffen, und die BayernLB auch verschwinden. Und jetzt verstehe ich die wahre Genialität des Bankers!

RMD

P.S.
Auflösung: Der Tilo ist natürlich der Sarrazin.

P.S.1
Vor kurzem hatten wir in IF-Blog eine interessante Diskussion über die Umsatzzuwächse im Gastgewerbe. Dazu eine neue Erkenntnis von mir:
🙂 Wenn man solche Preiserhöhungen durchsetzen kann, ist der Umsatz leicht zu steigern.

1 Kommentar zu “Spaß am Rechnen, alternativlosen Schuldenmachen und systemrelevanten Abschaffen”

  1. rd (Donnerstag, der 13. Januar 2011)

    Es lohnt sich, die Schuldenuhr z.B. morgens und abends regelmäßig anzuschauen. Erstaunlich, wie viel Schulden jeder von uns dann jeden Tag mehr hat …

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