Roland Dürre
Freitag, der 9. April 2010

Spätrömische Dekadenz

Wie ich heute so durch Korsika radele, kommen mir im schönsten wilden Westen ungefähr 20 Quads entgegen.

Im Rudel, alle Fahrer und die eine Fahrerin sind maskiert. Ein Riesenlärm und ein Riesengestank. Und alle haben scheinbar eine Riesengaudi.

Da kam mir dann als Assoziation „Spätrömische Dekadenz“ in den Kopf. Weiß zwar nicht, was das ist, aber es hat irgendwie gepasst.

Komisch.

Das Wort hat doch vor kurzem auch ein deutscher Minister benutzt. Hat aber wohl keine Quadfahrer gemeint.

Oder geht es eh nur um Panem et circenses?

Jetzt könnte ich mir aber vorstellen, dass die Quadfahrer eher die FPD als die Grünen oder Linken wählen. Quad-Fahren hat doch so ewas von Freiheit?

Oder sind die Quadfahrer eher bei der jungen Union? Aber vielleicht denken Quadfahrer eh nicht viel über spätrömische Dekadenz nach.

Irgendetwas stimmt da nicht. Aber als Radfahrer versteht man vieles in dieser Welt nicht. Ist halt so.

Trotzdem, der Begriff „Römische Dekadenz“ hat was, der gefällt mir.

RMD


1 Kommentar zu “Spätrömische Dekadenz”

  1. Hans Bonfigt (Sonntag, der 11. April 2010)

    Wenn ein im wortwörtlichen Sinne degeneriertes Abziehbild eines Politikers mit seinem Lustknaben im Namen der Bundesrepublik durch die Welt reist, dann ist das ganz sicher ein akuter Auswuchs spätrömischer Dekadenz.
    Aber die „Quads“ und die, die draufsitzen ?
    Hier paart sich eher technischer Analphabetismus mit der mangelnden Fähigkeit, lustvoll zu genießen. Beim modernen „Tech-Freak“ pervertiert Lust zum „Kick“, Freude zu „Fun“ und Erlebnis zu „Action“.

    Das „Quad“ kombiniert in perfekter Weise die Nachteile eines zweipurigen Fahrzeuges mit denen eines einspurigen: In einer Kurve kann man das peinliche Spielzeug einerseits nicht in Richtung Kurvenmittelpunkt bewegen, um die Zentrifugalkraft zu kompensieren, andererseits ist die Spurweite lächerlich gering, der Schwerpunkt dafür ungewöhnlich hoch – beste Chancen also, sich bei auch nur geringfügig überhöhter Geschwindigkeit effektiv zu entleiben. Darwin freut sich, wenn sich solche Helden freiwillig aus dem Genpool entfernen. Schade, daß nicht auch „iPhones“ und „SUV“s Nebenwirkungen mit ähnlich hoher Letalität zeigen.
    Daß diese elenden Vehikel überhaupt für den Straßenverkehr zugelassen wurden, ist wohl der EU-Diktatur geschuldet.

    Warum junge Leute sich mit diesen erbärmlichen Spielzeugen zufriedengeben, dafür finde ich eigentlich nur eine Erklärung: Sie stellen ja auch keinerlei Ansprüche mehr an sich selbst – warum sollten sie von ihrem Fortbewegungsmittel etwas anderes erwarten ?

    Ohne Krach und Dauerberieselung können sie nicht leben, selbst in der Seilbahn auf die Zugspitze schrammelt ein grottenschlechtes Beschallungssystem Disco-Schund von kaum mehr zu unterbietender Dumpfheit.
    Der moderne Kommunikationsprolet muß dauernd berieselt werden oder selbst ununterbrochen schwätzen, dmit keiner merkt, daß er weder etwas zu sagen hat noch etwas aufnehmen kann.

    Ich glaube ja nicht, daß „früher alles besser“ war, aber eines weiß ich ganz sicher: Ich hätte mich auch mit 16 geschämt, mich auf einem solchen Idiotenhobel vor jedem intelligenten Menschen zum Affen zu machen.

    Daß heutzutage jedwede Hemmschwellen gefallen sind, ist allerdings eine direkte Folge unserer in der Tat spätrömischen Dekadenz – ja, genau der, an der wir gerade kaputtgehen.

Kommentar verfassen

*