Roland Dürre
Mittwoch, der 27. Juni 2012

Strafzettel

Gestern passiert – Life Balance hin und her, ab und zu bin auch ich ein wenig im Stress.

Termin mit einem Freund um 12:00. Um 13:00 muss ich weiter. Bin ein wenig spät dran. Muss dringend telefonieren. Einfach Bescheid geben. Die Stelle ist günstig, kein Verkehr, freie Sicht. Langsamer Radeln, Telefon raus, kurz anrufen. Ein 18-Sekunden-Gespräch. Wieder in die Pedale treten und „Gas geben“.

Dreihundert Meter weiter hält mich ein BMW an – Polizei. Drei Polizisten im BMW. Der vom Beifahrersitz steigt aus. Ich schaue ihn fragend an. Bin mir keiner Schuld bewusst. Richtige Fahrrichtung, alles bestens.

„Zu Ihnen wollen wir“ sagt er. Er stellt sich nicht vor. „Gerne“ sage ich. Ich mag die Unterhachinger Polizei. „Was gibt’s?“ – „Sie haben auf dem Rad telefoniert!“

Jetzt fällt es mir wieder ein. Hab ja vorhin kurz telefoniert. Darf man auf dem Fahrrad ja nicht. Und ich habe nicht aufgepasst ob Polizei in der Nähe ist. Pech. War halt in Eile.

Der Polizist sagt weiter: „Ich möchte Sie verwarnen“. Ich sage dem Polizisten: „OK! Ist akzeptiert! Aber machen Sie bitte schnell, ich habe es eilig.“ Er erklärt mir, dass die Verwarnung notwendig sei. Es wären in letzter Zeit soviel Radfahrer tödlich verunglückt. Die Logik verstehe ich nicht.

Ich sage aber trotzdem: „Ja, ich verstehe“. Habe es ja eilig. Lese immer wieder von Unfällen, die für Radfahrer tödlich enden. Die machen mich betroffen. Habe aber noch nie gelesen, dass ein Radler beim Telefonieren mit dem Handy verunglückt ist.

Der Polizist erklärt mir, dass man mit einer Hand auch nicht bremsen könne. Das ist zwar Unsinn. So langsam wie ich gefahren bin, reicht die rechte Hand für die Hinterradbremse an meinem Roadster von Utopia locker für einen kräftigen Stopp. Ich habe es aber eilig und nicke nur.

Der Polizist will meinen Personalausweis. Ich hole ihn raus und übergebe ihn. Dann fragt er mich: „Welche Postleitzahl hat Hohenbrunn“. Ich werde ein wenig stutzig. Was soll das? Ist das eine Fangfrage? Will er mich testen oder foppen? Ich habe es eilig und sage ihm die 5 Ziffern.

Er verschwindet im Auto. Ich warte fast 10 Minuten. Dann bekomme ich die Verwarnung. Der Polizist meint großzügig: „In den nächsten 10 Tagen bezahlen und alles ist in Ordnung“. Ich nicke. Fast entschuldigt er sich noch bei mir. Ich erkläre ihm, dass sein Verhalten absolut korrekt war und fahre weiter. Ich habe es ja eilig.

War das Ganze nötig? Wem hilft das? Werde ich mein Verhalten ändern? Meine Verwarnung werde ich widerspruchslos bezahlen. Wer eine böse Tat tut, muss dazu stehen. Außerdem kann ich 25 EURO verschmerzen. Dann denke ich mir, dass es Leute gibt, denen 25 EURO so richtig weh tun. Gut – das Leben ist ungerecht.

Wie ich weiter radele, sehe ich viele Autofahrer mit dem Handy in der Hand am Steuer. Ein paar fallen mir auf, weil sie nebenher noch rauchen. Auf den 15 km zum Ziel an der Dachauer Str. kommen mir auch viele Radler auf der falschen Seite entgegen. Einige davon telefonieren. Einer toppt den Rest, er fährt beim Telefonieren freihändig und auf der falschen Seite.

🙂 Ja, das Leben ist ungerecht.

Muss das aber wirklich so sein? Ist die Polizei wirklich dazu da, uns zu erziehen? So wie das unsere Eltern auch versucht und nicht geschafft haben?

Polizei und die Polizisten sind bei mir positiv besetzt. Trotzdem fühle ich mich gezwungen bei manchen Handlungen einen Automatismus des „Nicht von der Polizei erwischen lassen“ einüben zu müssen. Nur um Geld und Zeit zu sparen. Weil ich meine, dass ich weiß was sich gehört und mich auch wenn vernünftig daran halte.

Das nennt man übrigens Epikie ( Aristoteles) und bedeutet „man handle so, wie es ein vernünftiger Gesetzgeber erwarten würde“.

Gestern war mein Pechtag. Habe am Nachmittag dann mein Handy beim Kunden liegen gelassen. So konnte ich zumindest beim Zurückfahren nicht beim Telefonieren erwischt werden. Und abends beim Fußball stelle ich fest, dass ich zwei rechte Schuhe dabei habe …

 War aber trotzdem ein wunderschöner Tag gestern!

RMD

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3 Kommentare zu “Strafzettel”

  1. Chris Wood (Mittwoch, der 27. Juni 2012)

    Hi Roland, the policemen was right. If one brakes strongly with only one hand on the handlebars, one is likely to fall off.
    I think the police do not control kids on bikes enough. For instance, the kids hardly ever give hand signals. At night, about half of them have lights. Luckily (or consequently) drivers mostly take good care.

  2. Jens Hoffmann (Mittwoch, der 27. Juni 2012)

    Ich wundere mich, dass unser Staat meint, überall erzieherisch tätig werden zu müssen, nur nicht da, wo er es wirksam könnte und sollte. Nichtraucherzonen aller Orten, Handyverbot auf dem Fahrrad, Helmpflicht für Radfahrer, bald wahrscheinlich Zwangsvegetarismus und Colaverbot, Begehrlichkeiten hat der Staat viele. Aber da ist er nicht allein. Der deutsche Michel lebt seinen Erziehungsdrang gerne an seinen Mitmenschen aus und wünscht sich die staatlich garantierte Vollversicherung. Das ändert sich aber sofort, wenn es um die Erziehung in der Schule geht. Hier sollen keine Werte mehr vermittelt werden, keine Unterscheidungsfähigkeit, keine Ethik diskutiert werden. Dort, wo man mündige, sprich selbständig denkende und entscheidende Bürger erziehen könnte, da predigt man „kulturelle Neutralität“ und singt das hohe Lied der ökonomischen Verwertbarkeit der sog. Bildung.

  3. rd (Mittwoch, der 27. Juni 2012)

    @Chris Wenn ich mit einem Fahrrad mit guten Bremsen und Big Apple Bereifung bei unter 10 km/h mit einer Hand bremse, dann weiß wirklich nicht, wie ich umfallen soll.

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