Roland Dürre
Montag, der 1. August 2011

„SUVs im Suff“ oder „Suff im SUV“

Wie sich die Autos so im Laufe der Jahre entwickelt haben …

Wenn ich die Entwicklung von Autos seit meiner Kindheit vor meinem geistigen Auge vorbei gleiten lasse, dann sehe ich zuerst die Kleinwagen. In meiner Kindheit gab es ganz viele solche Modelle. Zweisitzer und knappe Viersitzer.

Ich erinnere mich an die Isetta (da steht eine sogar noch in meiner Garage), das Goggomobil, den Kabinenroller (Messerschmitt),  den Fiat 500, den Janus, den Lloyd 400, die kleinen BMWs und manche mehr. Ganz zierliche Fahrzeuge, die Sympathie ausgestrahlt haben.

Aber auch die größeren Kleinwagen wie die Ente oder der R4 hatten ihren Charme. Und strahlten vor allem Vernunft aus.

Von den Kleinwagen führte die Entwicklung weiter zum Käfer und den typischen Familien- und Vertreterlimousinen. Dann kamen die traumhaften „Frauenfahrzeuge“ mit den Weißwandreifen wie der VW Karmann Ghia oder die Isabella. Und für den sportlichen Herrn (oder Knaben) die sportlichen Zweisitzer wie Porsche oder MG.

Auch an die ersten Luxuslimousinen von Mercedes und BMW, aber auch an die DS von Citroen kann ich mich gut erinnern. Sie bestachen schon im Design durch gediegenen Luxus und erhabene Schönheit.

Als letzte Auto-Generation hat uns die Automobilia  den SUV (Sport-Utility-Vehicle) beschert. Der ist so groß und schwer wie früher ein Opel-Blitz (der LKW, mit dem im Herbst die Kohlen kamen).

Die SUVs haben eine besondere Aura. Sie strahlen nicht mehr den Charme von Luxus und Chrom der ehemaligen amerikanischen Straßenkreuzer oder unserer Oldtimer aus.

Nein, die Botschaft ihres Designs ist Aggression und Bedrohung pur. Nicht mehr die personifizierte sondern die „autofizierte“ Rücksichtslosigkeit. Auf extra breiten Rädern walzen sie alles nieder, was ihnen in den Weg kommt.

Masse und Kraft werden demonstriert. Gefahren werden sie wie schwere Geschosse. Denn die Insassen wissen ja, dass ihnen aufgrund höchster passiver und aktiver Sicherheit nichts mehr passieren kann.

So bewegen sich die Monsterkisten durch die kleinen Straßen unseres Viertels und strahlen vom Frontgrill bis zum Auspuff Ignoranz und Arroganz aus:

Hoppla, jetzt komme ich und vernichte alles, was mir im Weg steht! Schwergewichtig und stark. Denn ich bin mächtig und reich. Stecke voller Verschwendung und technischer Spielereien. Allem überlegen und unverletzlich.

Und der Fahrer freut sich:

Ich kann es mir leisten. Was interessiert mich die Natur und die Umwelt. Die Welt ist für mich und mein Auto gemacht. In meinem Auto bin ich sicher. Es folgt mir aufs Wort. Fußgänger und Radfahrer sind für mich eine Zumutung. Einschränken soll ich mich? Nein Danke!

Wenn ich auf den Partys Fahrern von solchen Wagen treffe, sind es meistens ältere Herren. Und wenn ich ihnen zuhöre, dann kann ich darauf wetten:

Früher oder später dreht sich das CocktailGespräch um das Thema Alkohol am Steuer. Und sie berichten von ihren Erlebnissen mit Alkohol-Kontrollen bei nächtlichen Heimfahrten und schimpfen über unsinnige Radarkontrollen. Ab und zu provoziere ich dann und fordere ein Tempolimit.

Weiß in solchen Situationen aber nicht, ob ich mich amüsieren oder heulen soll.

RMD

P.S.
Die ersten beiden Bilder habe ich auf einer Radfahrt von Budapest ans schwarze Meer aufgenommen, das dritte hat Rolo Zollner gemacht (ich fahre da mit unserer Isetta und meiner Tochter am Standesamt vor) und das letzte ist wieder ein eigenes Foto vom Auto in der Garage.

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