Roland Dürre
Freitag, der 6. Mai 2016

Trinkgeld

Zurzeit bin ich wieder auf Reisen. Mit dem Fahrrad in Italien.  Am Sonntag vor knapp einer Woche sind wir am Morgen in Orvieto aus dem Nachtzug München Rom mit dem netten Namen LUPUS ausgestiegen. Von dort haben wir das schöne Rom auf dem Wege zu einem Kongress im Süd-Osten Roms in drei Tagen umrundet. Die erste Station war Viterbo, die Nacht darauf haben wir in Tragliatella geschlafen.

castelcardinaleDer Kongress war in einem wunderschönen Tagungshotel Castel Cardinale hoch über dem Albaner See gegenüber von Castel Gandolfo. Jetzt machen wir noch zwei Tage Urlaub mit Freunden und dann soll uns eine weitere Rundfahrt wieder zurück ins schöne Rom führen, von wo uns dann am Mittwoch Abend wieder der Nachtzug zurück nach München bringen soll.

Da stellt sich wieder typische Frage:
Bekommt der Schlafwagenschaffner ein Trinkgeld?

Wenn ich ins „Ausland“ fahre, muss ich dann Trinkgeld geben? Wer kennt sie schon, die Trinkgeld-Sitten in Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien, Polen, Tschechien, Slowakei, Rumänien, Albanien, Bulgarien, oder gar Nordafrika, der Türkei und den vielen anderen Ländern?

Gibt es in den Ländern Unterschiede, wenn ich z.B: Essen gehe oder in einem Privatquartier übernachte? Oft ich da unsicher: Was ist üblich, verletze ich vielleicht gar den Stolz eines Menschen wenn ich was gebe, obwohl ich es ja nur gutgemeint habe. Oder ist es schäbig, wenn ich nichts gebe?

Es gibt ja Länder, in denen das „Trinkgeld geben“ ein Muss ist. Dazu gehören die USA, in denen es ja ein „direkter“ Gehaltsbestandteil ist und man ohne Trinkgeld den Laden ja gar nicht verlassen kann. Da ist dann eh alles klar. Aber auch in Deutschland bin ich unsicher. Wie kann es sein, dass dort das Trinkgeld kein Muss ist, aber in Gastronomie-Betrieben trotzdem pauschal versteuert werden muss?

Jetzt radele ich durch Italien. Dort ist soviel ich weiß das „Trinkgeld geben“ eher unüblich. So habe ich auch kein Problem.

Wie soll ich das aber mit dem Schlafwagenschaffner im Zug von Deutschland nach Italien machen?

Meine Lösung war: Ich gebe ihm ein Trinkgeld, dass ein klein wenig mehr als nur symbolisch. Auf der Hinfahrt waren das 5 € für uns beide (also unser Abteil). Und habe ihm kommuniziert, dass er das als Ausdruck meiner Wertschätzung für seine Arbeit sehen soll. Anschließend habe ich erfahren, dass Schlafwagenschaffner früher eigentlich immer Trinkgeld bekommen haben, dies aber immer mehr aus der Mode gekommen wäre.

Ich meine, dass „Trinkgeld geben“ genau dann Sinn macht, wenn es a) zu den Regeln des Landes passt und das „Geschenk“ zudem auch noch klar als Wertschätzung kommuniziert wird. Und bin ganz froh über solch kleine und unscheinbare Gedanken-Ergebnisse, die mir das Leben noch ein wenig freudvoller machen.

RMD

2 Kommentare zu “Trinkgeld”

  1. Parkhotel Hannover (Dienstag, der 8. November 2016)

    Hallo Roland,

    zur Frage ob der Schlafwagenschaffner Trinkgeld bekommen muss kann ich leider nicht viel sagen. Dennoch kann ich dir im Punkt, dass man Trinkgeld geben sollte wenn es zu der Kultur des jeweiligen Landes passt und dem Arbeiter seine Wertschätzung zeigen möchte, nur zustimmen.
    Bei uns im Hotel jedoch wird kein Trinkgeld gegeben. Auch wenn Trinkgeld in Hotels nicht üblich ist, wurde es uns schon öfters angeboten. Dieses lehnen wir aber ab, da die Gäste ja schon für die Unterkunft bezahlt haben.

    Viele Grüße

  2. rd (Dienstag, der 8. November 2016)

    Das finde ich schade. Ich meine mittlerweile – der Artikel ist ja schon älter – dass Trinkgeld vor allem eine Wertschätzung für die Arbeit des Partners sein sollte und es so durchaus auch „moralische“ Rechtfertigung gibt. Bei Hotels und Gaststätten halte ich viel von Teamkasse fürs Trinkgeld.

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