Heute Nacht im Zelt wurde ich neun mal geweckt. Zwischen 3 und 4 in der früh. Durch eine Reihe von SMS, die mich eigentlich am Samstag Nachmittag hätten erreichen sollen. Und das ging so:

Am Samstag hat Haching in Rostock gespielt und 7 : 2 verloren. Auch wenn ich eine Niederlage erwartet hatte, war das doch bitter. Meine Tochter Sabine macht gerade an der Ostsee Urlaub und hat die Gelegenheit zu einem Ausflug nach Rostock genutzt. Und war so Augenzeugin dieses Dramas. Und da ich am Samstag Nachmittag ab 15:00 lokaler Zeit mit dem Rad in Griechenland unterwegs war, habe ich sie gebeten, mir per SMS alle Tore zu berichten.

Die Radtour war toll. Es ging von Porto Ageranos in Richtung Aeropolis, dann nach Westen über Germa und Karea nach Ithilio und dann zurück auf die Verbindungsstrasse Aeropolis Gythio und heim zu unserem Zelt. Gut 42 km mit fast 1.000 Höhenmetern, wiedermal eine wunderschöne Tour.

Auf der Fahrt kam aber keine SMS von meiner Tochter. Obwohl ich überall besten Empfang hatte. Nicht so schlimm dachte ich, nach dem Motto „no news, good news“. Als Fan ist man immer völlig irrational hoffnungsfroh.

In der Nacht kamen dann die SMS. Zu jedem Tor eine. Mit richtigem Zeitstempel, aber zum Teil in falscher Reihenfolge.

Ich gehe mal davon aus, dass eine SMS von Deutschland nach Griechenland keine fünf Minuten brauchen darf. Wenn sie dann nach mehr als 12 Stunden kommt, ist das nicht in Ordnung.

Gibt es eigentlich eine Art „Service Level Agreement“, in dem beschrieben ist, wie lange eine SMS brauchen darf? Was ist, wenn die SMS von Relevanz gewesen wäre, zum Beispiel ein Passwort für den Zugriff auf ein dringend gebrauchtes Dokument enthalten hätte? Mit „Fernmelde-Qualität“ hat das nichts mehr zu tun.

Kann ich mich irgendwo beschweren – oder mein Geld zurück kriegen? Oder werde ich von den großen Konzernen systematisch dazu  erzogen, dass Zuverlässigkeit wie auch alles andere nicht mehr so wichtig ist, solange ich nur brav mein Geld abdrücke?

Insgesamt finde ich das ärgerlich.  Immer mehr bekomme ich den Eindruck, dass sich heute große Konzerne alles leisten können. Das scheint für den öffentlichen Verkehr genauso zu gelten wie für die Hersteller von Luxuslimousinen. Und der Kommunikationsanbieter ist genauso dreist wie der Stromlieferant.

Und ich bin der dumme. Außer bei KiK (Klamottenbillighändler). Da gilt: Der „Kunde ist König“, wie der Name KIK ja schon sagt. Zumindest angeblich. Dafür sind dann dort die Mitarbeiter und/oder die Lieferanten die dummen.

Mir scheint, dass heute zu jedem Geschäft immer mindestens ein Dummer gehört, der übers Ohr gehauen wird.
Und das hat mit Wirtschaftsethik oder ehrlicher Kaufmannschaft nichts mehr zu tun. Höchstens mit Profitgier.

RMD

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3 Kommentare zu “„Über SMSen und sonstige Tragödien“ oder „Schönes neues (Kommunikations-)Zeitalter“”

  1. Enno (Sonntag, der 29. August 2010)

    Es kann doch schließlich jeder selber entscheiden, ob er die Angebote von Mobilfunkanbietern nutzen will. Das selbe gilt für die meisten „Dummen“ Kunden.
    Nur für Mitarbeiter möglicherweise nicht, denn die Alternativen sind möglicherweise noch schlimmer.

  2. rd (Sonntag, der 29. August 2010)

    Hi Enno, ich ärgere mich deswegen, weil ich (wie wohl auch die meisten anderen Mobilfunknutzer) mich darauf verlassen habe, dass eine SMS prompt zugestellt wird, wenn das Gerät des Empfängers im Netz ist.

    Zumindest erwecken die Anbieter diesen Eindruck.

    Wenn ich mich jetzt beschweren würde, dass die 9 E-Mails um mehr als 12 Stunden zu spät kamen, so ist dies wahrscheinlich eine völlig sinnlose Aktivität, die für mich nur Aufwand bedeutet. Also lasse ich es sein.

  3. Enno (Freitag, der 3. September 2010)

    jo.

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