Roland Dürre
Sonntag, der 1. Juni 2014

Überwachungs-Saat/-Staat

Die Saat der Überwachung geht auf und wir bekommen einen Überwachungsstaat. So soll der Bundestag diese Tage wieder mal eine Drittel Milliarde an EURO bereitstellen. Für den BND, damit der besser die „social media“-Welt (Facebook, Twitter …) überwachen kann. Hier dazu aktuelle News: ZDF, Spiegel und Netzpolitik.org.

Dazu habe ich vieles zu sagen.

Schon vor Jahren stand ich mit dem Fahrrad in Berlin an der Baustelle des größten deutschen Bauwerks, das hierzulande jemals für die Administration geschaffen wurde. Es war die neue Heimat in der neuen Regierungshauptstadt für die „Menschen aus Pullach“. Und dieses gigantische Gebäude erschien mir damals schon als eine gigantische Metapher für die Überwachung von uns Menschen. Und mir wurde klar, dass da etwas läuft, das gar nicht gut ist.

Warum wehren wir uns nicht?

Nur um es klar zu machen: Am Anfang gab es die Sprache – da haben Menschen miteinander gesprochen. Damals schon galt belauschen als höchst unfein. Später in der Geschichte der Menschheit wurde die Schrift und Papyrus erfunden. Kommunikation fand so auch jenseits des Gesprächs statt, die Schrift hat es ermöglicht.

So waren Briefe und Postkarten ein treffliches Mittel, Informationen über Raum und Zeit auszutauschen. Die Post hat das dann vollbracht. Später kam das Telefon dazu. Social Media ist nur die Fortsetzung all dieser Kommunikationsformen auf Basis von neuer Technologie.

Gehen wir zurück in die Zeit von Postkarte und Brief. Das waren gleichberechtigte Medien. Nur war die Postkarte nicht nur vom Porto her viel billiger. Dafür hatte sie auch viel weniger Raum für den Inhalt der Kommunikation.

Da man damals noch sehr sparsam war, hat man – immer wenn möglich – die viel billigeren Postkarten benutzt. Ein kleiner Nachteil der Postkarte war, dass jeder, der sie in die Finger bekam auch lesen konnte. Wir hatten aber Vertrauen zum System Post wie zu unserem Briefboten. Es gab ja das Postgeheimnis. Und wer misstrauisch war, hat halt in den saueren Apfel des höheren Portos und der Kosten für den Umschlag (auch der war damals nicht so ein billiger Wegwerfartikel wie heute) gebissen.

Jetzt stelle man sich vor, dass damals in den 50igern oder 60igern die Administration in der BRD auf die Idee gekommen wäre, Menschen einzustellen und mit ihnen eine Organisation aufzubauen, die alle Postkarten lesen würden. Und dann natürlich auch notwendigerweise – denn die Menschen wären dann ja auf die teueren Briefe ausgewichen – auch alle Briefe. Die dann an zentraler Stelle geöffnet (wie öfters an den Postgrenzen von BRD/DDR), gelesen und kopiert und dann wieder weitergesendet worden wären!
(Meine Eltern haben mir immer versichert, dass das was wohl an der Schnittstelle zur DDR üblich war, genau den Unterschied zur BRD ausmachen würde, hier wäre so etwas unmöglich!)

Ich sage Euch eins:

Deutschland hätte gebrannt. In den 50igern Jahren weil die Erinnerung an und das Entsetzen über das Nazi-Regime noch tief in den deutschen Menschen verwurzelt war, in den 60igern, weil wir die Freiheit wollten.

Und heute:

Wie ist es möglich? Wir leben in einer Demokratie und sollten jeden Tag dafür dankbar sein! Aber die Mehrheit wählt Politiker, die es der Administration erlauben, uns zu überwachen. Was schnell zur Abschaffung der Demokratie führen kann!

Ab und zu wird mir Angst und Bange!

RMD

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