Roland Dürre
Dienstag, der 30. September 2014

Unternehmertagebuch #101 – Make or Buy!?

Diese Frage hat sich immer wieder in meinem Unternehmer-Leben gestellt. Und sie war nie leicht zu beantworten.

Oft braucht man etwas, um Dinge im Unternehmen besser zu organisieren. Das kann eine kleine Software-Lösung, ein neuer Prozess in der Infrastruktur, ein Werkzeug, das eine besonders pfiffige Dienstleistung erbringt oder eine besondere Marketing- oder Vertriebsaktion sein.

Oft sind dafür Software-Lösungen gefragt und die Entscheidung für uns als IT-Unternehmen stand an:

Machen wir es selber oder kaufen wir es ein? Make or Buy?

Das gilt nicht nur für Software. Auch Prozesse kann man selber festlegen oder sich beraten lassen. Man kann sich zum Beispiel für Vewaltungsaufgaben auch einfache Werkzeuge basteln, die verblüffend gut funktionieren.
🙂 Für unsere zweite Weihnachtsfeier 1985 in der Villa Stuck haben wir sogar die Kanapées unter Anleitung eines gelernten Kochs selber hergestellt und den Sekt beim Großmarkt gekauft. Und es war eine der schönsten Weihnachtsfeiern.

Fürs „selber machen“ spricht oft, dass es authentisch und bodenständig ist. Zusätzliches Know-How entsteht im Unternehmen. Positiv kann auch sein, dass ein selbst hergestelltes Werkzeug hilft, sich am Markt zu differenzieren. Und es kann deutlich billiger sein als das megafunktionale Produkt vom Markt, dessen viele Funktionen man gar nicht braucht. Die Wartung kann man selber machen, es fallen keine hohen Wartungskosten an.

Selbst machen kann aber auch negative Folgen haben. Das Ergebnis könnte aber auch amateurhaft sein. Es kann langfristig teurer werden, als wenn man einkauft. Auch der Einsatz freier Ressourcen („eh-da-Ressourcen“), die eigentlich für einen anderen Einsatz vorgesehen sind, ist gefährlich, denn eigene Entwicklungen können sich leicht verselbstständigen.

Neue und aufwendig zu implementierende Funktionen werden plötzlich nachgefragt und man gerät so in einen verhängnisvollen Zwang der Weiterentwicklung mit unter Umständen explodierenden Nachfolgekosten.

Wenn ich die benötigte Lösung oder Leistung dagegen einkaufe, bekomme ich vielleicht ein professionelleres System und das auch noch billiger? Ich kann mich auf mein Kerngeschäft konzentrieren, binde keine Ressourcen für die Zukunft und setze nicht auf eine vielleicht sehr proprietäre Insellösungen.

Man sieht, es gibt viele rationale Gründe für und gegen „Make“ und „Buy“. Da muss man vieles berücksichtigen und abwägen. Eine, vielleicht die wichtigste, Frage bei der Entscheidung „Make or Buy“ könnte sein:
Was nehmen die Menschen im Unternehmen besser an – das selber Gemachte oder das Gekaufte?

Denn was hilft mir das beste und professionellste Marketing der tollsten (und teuren) Agentur, wenn es die eigene Organisation nicht annimmt? Was nutzen die schönsten Leads aus einer Presale-Aktion mit externen Partnern, wenn der eigene Vertrieb sich für diese nicht interessiert? So im Sinne des „not invented here“-Syndroms.

Was hilft mir die beste Prozess-Software, wenn die einfache und selbst gestrickte von den Anwendern geliebt wird? Was bringt das beste gekaufte „social media“-System, wenn die Menschen das einfache intern aufgebaute Wiki bevorzugen?

So ergibt sich die einfache Schlussfolgerung:
Wenn ich etwas Neues mache, ist die Frage „Make or Buy“ gar nicht so relevant. Viel wichtiger ist, ob es akzeptiert wird. Und nach diesem Kriterium kann man dann entscheiden, ob man es selber macht oder nach außen gibt.

Wenn es um Software geht, könnte es aber auch einen Königsweg geben:
Eine Open Source – Lösung verwenden und an der Community mitwirken.

RMD

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

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