Eine weitere Bedingung für ein „ethisches Unternehmen“ ist, dass es nur Produkte und Dienstleistungen anbietet, die „ethisch“ zu vertreten sind.

waren3So ist es für mich trivial, dass ein Unternehmen, das Auftragsmorde anbietet oder Minen herstellt genauso wenig ein „ethisches Unternehmen“ sein kann wie eines, das mit Kinderpornographie handelt.

Bei Waffen allgemein ist das schon schwieriger. Zweifelsfrei dürfte die Herstellung von Sportwaffen „ethisch“ vertretbar, die Herstellung von Waffen für die Unterstützung der Exekutive eines demokratischen Staates sogar „ethisch“ geboten sein.

Aber wie ist es mit schädlichen Genussmitteln? Sicher ist die Herstellung von Tabakwaren für die Genussraucher  „ethisch vertretbar“. Sind es aber auch Tabakwaren, für die um neue Kundschaft (besonders jugendliche) geworben wird? Das ist in der heutigen Zeit sicher extrem grenzwertig. Was machen wir mit Alkohol und anderen Rauschmitteln.

waren1Es gibt hier noch schwierigere Beispiele. Wie bewerten wir die Innovation bei Computerspielen aller Art? Können wir die Entwicklung von Gen-Technologie oder die Embryonale Forschung bewerten?  Gerade im medizinischen Bereich sehen wir eine Reihe von grenzwertigen Entwicklungen.

Hier ist es auch für den neutralen Beobachter äußerst schwierig, durch einen klaren dialektischen Disput zu einem eindeutigen Ergebnis zu kommen. Man denke nur an die diversen Ethikkommissionen, die oft vor unlösbaren Aufgaben stehen.

Deswegen halte ich folgende Forderung an ein „ethisches Unternehmen“ für ausreichend:

Waren2Bei der Entscheidung über die Entwicklung oder Einführung neuer Produkte muss eine sittlich verantwortete Güterabwägung erfolgen, in der versucht wird, möglichst alle Gründe für und gegen das neue Produkt zu erfassen.

Besonders das ökonomische Interesse muss auf ein angemessenes Gewicht reduziert werden.

Und ein „ethisches Unternehmen“ muss bereit sein, notfalls auf ein Geschäft zu verzichten, auch wenn diese Entscheidung einem „unethischen Konkurrenten“ das Feld überlässt.

Langfristig wird sich eine solche Entscheidung lohnen, auch wenn sie kurzfristig zum Nachteil des Unternehmens zu gereichen scheint. Der Respekt der Kunden wird es ihm danken.

RMD

P.S.
Vielleicht noch ein Hinweis zu nützlicher, notwendiger und hinreichenden Bedingung: Die notwendige Bedingung sprachlich verstärkt bedeutet, dass eine Aussage „dann und nur dann“ gültig sein kann, wenn die Bedingung erfüllt ist. Das heißt aber nicht, dass die Aussage deswegen schon gültig ist. Es kann ja mehrere notwendige Bedingungen geben, wenn auch nur eine davon nicht erfüllt ist, ist die Aussage ungültig.

Wenn die notwendigen Bedingungen erschöpfend formuliert sind, dann kann die Summe aller notwendigen zur Formulierung einer hinreichenden Bedingung führen.

Es gibt Bedingungen, die ohne Zweifel dem Ziel dienen, aber nicht notwendig sind. Solche Bedingungen nenne ich „nützliche Bedingungen“.

Die Bilder sind übrigens auf der Rückfahrt von der Höhle des Diros (Itylo) aufgenommen. Das ist auch das schöne in Mani, dass es eigentlich kaum Kitschläden gibt. Und die Höhle des Diros wäre es wirklich wert, ins Wikipedia aufgenommen zu werden. Wer macht sich an die Arbeit?

1 Kommentar zu “Unternehmertagebuch #11 – Das ethische Unternehmen – 3. Notwendige Bedingungen für Produkt und Dienstleistungen”

  1. Edwin Ederle (Freitag, der 28. August 2009)

    Ich denke auch, dass es schwer möglich ist, eine „allgemein gültige“ ethische Richtlinie aufzustellen – weshalb sich ja auch Ethik-Kommissionen so schwer tun. So gibt es wahrscheinlich verschiedene persönliche „Ethiken“, nach denen für den einen schon unethisch ist, was für den anderen noch völlig in Ordnung ist.

    Was ich für entscheidend halte: hat man eine persönliche Ethik, an der man seine Entscheidungen prüft – oder nimmt man jedes Geschäft mit?

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