Roland Dürre
Donnerstag, der 2. Juli 2015

Unternehmertagebuch #110 – Manus Agere.

Vor kurzem hatte ich ein Erlebnis, bei dem ich einmal mehr verstanden habe, warum mir die Begriff „Manager und Managen“ nicht so gefallen. Ganz gleich, ob sie mit 2.0, 3.0 oder 5.0 verknüpft sind. Habe ich doch schon allein deswegen an diesem Begriff gezweifelt, weil es so viele Übersetzungen für „to manage“ aus dem Englischen ins Deutsche gibt, die mich lehren, dass der Begriff für „alles und nichts“ verwendet werden kann.

Im Rahmen der Webwoche war ich bei einer Veranstaltung von Techdivision in München, die von meinem Freund Sacha Storz organisiert wurde (Sacha ist kein Schreibfehler 🙂 ). Das Thema war Management 3.0 – dazu gibt es ja bekanntlich auch viel bekannte, ja sogar berühmte Literatur.

In der Diskussion hat Gerrit Mauch – dessen Beiträge ich sehr geschätzt habe – erwähnt, was er mit dem Begriff „managen“ verbindet. Er meinte, dass die Stammbedeutung des Begriffs möglicher Weise vom lateinischen „manus agere“ (‚an der Hand führen‘) käme und wesentlich für die Tätigkeit des Erziehens und Dressierens von Pferden verwendet wurde.

Aus der Pferdeschule ist also im Lauf der Zeit das moderne „Managen“ geworden.

Wenn ich diesen Gedanken folge, dann war das BGM der Römer die gesundheitliche Fürsorge für die Pferde. Denn das waren wichtige und so wertvolle Nutztiere

Und Menschen so zu sehen, das ist für mich eben die falsche Denke, die irgendwie gar nicht mehr in unsere Zeit passt. Zumindest sollten die entwickelten Gesellschaften sich nicht auf einem solchen Menschenbild basieren. Und wir wollen ja eine entwickelte Gesellschaft sein …

RMD

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

5 Kommentare zu “Unternehmertagebuch #110 – Manus Agere.”

  1. Hans Bonfigt (Freitag, der 3. Juli 2015)

    Als alter Lateiner kann ich gar nicht anders:

    entweder „manu agere“ -> mit der Hand führen

    oder „manum agere“ -> die Hand führen,

    aber niemals „manus agere“.

    Überhaupt: Bei den jungen Leuten kommen vor lauter Neologismen die einfachen Grundlagen zu kurz:

    So las ich jetzt von einer „if – Blueprint“, und dieser Begriff bezeichne einen universell gültigen „masterplan“.
    Auch ein heruntergekommener SPD-Umfaller schwafelt von einer „Blaupause“, die das BVerfG erstellt habe, um ein neues Reichssicherheitshauptamt zu legitimieren.

    Unterdessen ist eine Blaupause nichts weiter als eine Kopie, typischerweise von einer sogenannten „Mutterpause“.

    Also: Billiger Abklatsch für jedermann, in schlechter Qualität mit dem sprichwörtlichen Blaustich anstatt eines genialen Masterplans.

    Bei Sickmar Gabriel ist man ja nix anderes gewohnt, aber ein neues „IT-Unternehmen“ könnte bei Leuten, die schon ‚mal mit den Händen GEARBEITET haben (wozu in anständigen Berufen gerne das Erstellen von Ozalid – Kopieen auf der Lichtpausmaschine zählt), mit solcherlei Fehlbegrifflichkeiten auf die Nase fallen.
    Auf der anderen Seite: Ist das Ausrollen der verquasten Mickysoft-Produktpalette nicht genau das – billigen Abklatsch massenweise unters Volk zu bringen?

    Wie auch immer:
    Ich empfehle in aller Freundschaft eine geistige Anleihe bei Herrn Gauß, der in seinem Siegel die Botschaft ‚pauca sed matura‘ führte.

  2. Wolf Geldmacher (Freitag, der 3. Juli 2015)

    Manager kommt nicht aus dem Lateinischen, sondern aus dem Englischen:

    Man-ager := Jemand, der andere Menschen alt aussehen lässt.

    😉 Schönes Wochenende noch 😉

  3. Roland (Freitag, der 3. Juli 2015)

    Lieber Hans

    das
    manus agere ‚an der Hand führen‘
    hbe ich direkt aus Wikipedia übernommen (ich selber kann kein Latein …)
    Hier de Link:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Management

  4. Hans Bonfigt (Sonntag, der 5. Juli 2015)

    Hallo Roland,

    die Wikipedia wird m.E. kontinuierlich besser, aber ist und bleibt ein Produkt der ‚Schwarmintelligenz‘. Da ist höchste Vorsicht geboten.

    Aber: Wie haben Sie es geschafft, im schönen Bayern Abitur zu machen ohne Latein ?!?

    Den Bau des von Ihnen gut beschriebenen Schulcontainers in Höhenkirchen-Siegertsbrunn habe ich ja noch hautnah miterlebt, weil regelmäßig auf dem Nachhauseweg mit Fahrrad oder S-Bahn vorbeigefahren — ein gruseliges Produkt inkompetenter Ausschreibungshengste.

    Aber positiv am bayerischen Schulsystem hat mich immer überrascht, daß viele Schüler in der S-Bahn sich ernsthaft über Unterrichtsthemen unterhielten, besonders in bezug auf Latein und Mathematik.

    Das freut mich immer; in Nordrhein-Westfalen beschmieren und bespucken sie alles, in Berlin pöbeln sie andere Fahrgäste an und in der Ostzone berauben sie ältere und gebrechliche Personen.
    Da war für mich das schöne Bayern ein Ort der großen Freude.

    Gruß aus dem Regenloch Osnabrück !

  5. rd (Sonntag, der 5. Juli 2015)

    Hi Hans – Abitur in Bayern – ganz einfach:
    Wirtschaftlich-wissenschaftliches Gymnasium Jakob Fugger zu Augsburg. Fächer Mathematik, moderne Fremdsprachen, Buchführung und BWL und den normalen Rest (Biologie, Chemie, Erdkunde, Geschichte, Kunst, Musik, Physik, Soziallehre, Sport, natürlich Religion …).

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