Roland Dürre
Sonntag, der 6. September 2009

Unternehmertagebuch #27 – Die eigene Gründung – Start

Hier meine eigene Gründungserfahrung in vier Beiträgen: Motivation, Partnersuche, Planung und Start:

TechnikWir gründeten dann zu zweit, der Wolf und ich. Als passiver Partner war Dr. Peter Schnupp dabei. Peter war einer der drei Softlab-Gründer. Er hatte in der Branche einen exzellenten Ruf. Für ihn war das Investment bei uns eine Art „seed capital“, für uns war er Freund und Berater. Die InterFace Computer GmbH mit ihrem Geschäftsführer Claus M. Müller war unser strategischer Partner.

Die Satzung war ganz einfach, genauso einfach wie das Geschäftsmodell. Das unternehmerische Thema sollte mein fachlicher Schwerpunkt „Datenfernübertragung“ (data communication) werden. Deshalb nannten wir das Unternehmen „InterFace Connection“.

Dem Wolf war das Thema „UNIX“ wichtig. Und gemeinsam hatten wir das mittelfristige Ziel, ein Produkt zu entwickeln. Ansonsten wollten wir zuerst Mal die Umsätze absichern, ausreichend Geld verdienen und mit ein paar Mitarbeitern eine vernünftige Grösse erreichen.

TechnikDie Gründung erfolgte nach Weihnachten, die Aufnahme des Geschäftsbetriebs wurde zum 1. April geplant. Die Zeit bis dahin habe ich gut genutzt. Ich konnte eine kaufmännische Assistentin für uns gewinnen (die Heidi). Sie hatte den Mut, zu einem ungesicherten 2-Mann-Start-up zu kommen und eine neue Firma mit aufzubauen.

Und vor allem habe ich Aufträge für den Wolf und mich gesucht. Mein Ehrgeiz war, gleich vom 1. April an voll zu kontieren. Das ging (vermeintlich) erstaunlich leicht. Nicht so leicht war die Suche nach Mitarbeitern, niemand hatte so recht Lust, für eine Firma, die es noch gar nicht gab, zu arbeiten.

Nebenher habe ich aufgeschrieben, wie ein komfortables Textsystems auf UNIX aussehen müsste (das war dann der spätere HIT).

Bis dann der 15. März 1984 kam. Noch zwei Wochen bis zum 1. April. Und die sicher geglaubten Aufträge für Wolf und mich waren ganz plötzlich beide weg.

RMD

P.S.
Es hat dann doch nach vielen Telefonaten doch noch geklappt. Einer meiner Freunde (Rudi) hatte einen Tipp für mich. Sein Unternehmen war in einem Projekt nicht lieferfähig, so dass ich die Position zum 1. April haben konnte. Und der Wolf konnte Mitte April bei Siemens in der SINIX-Entwicklung als UNIX-Guru einsteigen. Er war dann dort einer der zentralen Know-How-Träger. Das ist er auch geblieben, so lange er bei uns in München war.

Und alles hat gut funktioniert. Wir beide hatten einen sagenhaften Stundensatz und kontierten wie „die Blöden“. Da unsere Gehälter niedrig waren (das Fixum war bescheiden, dafür gab es eine sehr schöne Erfolgsbeteiligung), hatten wir irre Überschüsse, konnten fertige Informatiker und Studenten einstellen, nebenher HIT entwickeln und wurden für unsere Verhältnisse so richtig erfolgreich!

Allerdings hat die Firma sich ganz anders entwickelt als gedacht (das scheint übrigens immer so zu sein). Unser strategisches Thema „Datenfernübertragung“ spielte bald keine Rolle mehr, dafür übernahmen UNIX und CLOU/HIT die zentrale Bedeutung.

P.P.S.
Die Bilder sind übrigens vom Süden des Peleponnes (Ostküste), aufgenommen bei der Passüberquerung von Ost nach West (natürlich auch mit dem Fahrrad).

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