Roland Dürre
Mittwoch, der 27. Januar 2010

Unternehmertagebuch – #39 „Das Risiko des Unternehmers …“

GondelNebel2Ab und zu, manchmal sogar in öffentlichen Vorträgen, erzählen Unternehmer, wie riskant ihr Leben wäre.

Die Haftungsbeschränkungen würden immer mehr gelockert und das Risiko, in Regress genommen zu werden, würde für Manager permanent steigen.

Besonders für Unternehmer würde das Risiko der persönlichen Insolvenz immer mehr zunehmen.

Die Medien machen da auch mit und bombardieren uns mit Schreckensnachrichten. Meistens sind die bei genauem Hinsehen falsch oder stellen sich als unseriös Berichte heraus. Trotzdem machen sie Angst.

Ich mag dieses „Angst machen“ nicht. Die Zukunft an sich – nicht nur für Unternehmer – ist schon nebulös genug und Angst ist der schlechteste Berater. So wird die Emanzipation weg von einer durch Angst dominierten Welt erschwert. Das bekommen auch junge Gründer mit. Gerade sie werden von solchen Aussagen nicht unbedingt ermutigt.

Es gibt ganze Industrien, die mit der Angst beste Geschäfte machen. Damit meine ich nicht nur die Versicherungen, die den totalen Rundumschutz anbieten, obwohl der in vielen Fällen gar nichts hilft. Angst wird auch von anderen Industrien gerne als Verkaufsargument genutzt.

Zurück zu Insolvenz und Haftung. Zwar kenne ich eine Reihe von Menschen, die privat Insolvenz anmelden mussten. In der Regel waren die Ursachen aber das Unterschätzen der Steuerlast z.B. als Freiberufler, eine grobe Fahrlässigkeit beim Umgang mit ganz normalen Regeln, sehr fragwürdige Geschäftsideen, verfehlte Spekulationen oder einfach die total mangelhafte Fähigkeit, mit Geld umzugehen, sprich weniger Geld auszugeben als man einnimmt.

Das immer lauter werdende generelle Klagelied von Unternehmern (oder Möchte-Gern-Unternehmern) halte ich für unangebracht. Viele Menschen sind durch die Gründung eines Unternehmens reich geworden, und nur ganz, ganz wenige Unternehmer dürften aufgrund ihres Unternehmens verarmt sein. Und die dürften in der Regel gegen wesentliche Grundregeln verstoßen haben, die ein anständiger und gesetzestreuer Bürger kennen sollte.

Gründer sollten sich sehr wohl darauf vorbereiten, dass es auch als Unternehmer Risiken gibt (wie immer im Leben). Aber das sind normale Risiken, auf die man sich vorbereiten kann, so wie ein Verkehrsteilnehmer Vorsicht walten lassen sollte.

Und passieren kann immer etwas. So sterben in den amerikanischen Todeszellen immer wieder Menschen, bei denen sich im Nachhinein heraus stellt, dass sie zu unrecht verurteilt worden sind. Und in deutschen Gefängnissen dürften auch eine ganze Reihe von völlig Unschuldigen sitzen. Man sieht also, Pech kann man immer haben. Da muss man nicht extra Unternehmer werden.

Früher waren Personengesellschaft mit unbeschränkter Haftung die mehrheitlich von Unternehmern genutzte Rechtsform. Aber wir beschweren uns, dass heute die Haftung aufgeweicht wird. Eigentlich schließt sich nur der Kreis.

Auch heute funktionieren Unternehmen am besten, bei denen zumindest einer der aktiven Kapitaleinleger voll haftet. Und dies nicht nur im Beratungsbereich. Die Erklärung ist ganz einfach. Die unbeschränkte Haftung von Unternehmern in Personengesellschaften erhöht die Achtsamkeit und Disziplin.

Vielleicht noch eine lustige Anekdote zum Thema Angst vor Insolvenz. Bei meinem Vortrag an der Bundeswehrhochschule zum Thema Unternehmertum waren die Zuhörer überwiegend Soldaten. In der Diskussion war die Mehrheit der Meinung, dass Unternehmer zu werden sehr mutig und zu riskant wäre.

🙂 Da habe mir dann gedacht, dass Soldat werden viel mehr Mut verlangt. Als Soldat kann ich mein Leben verlieren. Dann doch lieber das Risiko der Insolvenz.

RMD

P.S.
Weitere Beiträge aus meinem Unternehmertagebuch findet man in meiner Drehscheibe!

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