Roland Dürre
Samstag, der 22. August 2009

Unternehmertagebuch #5 – der USP Fall 5: InterFace AG

USP1Jetzt komme ich zum letzten meiner kleinen Auswahl an USP-Beispielen – zum eigenen: dem USP der InterFace AG. Zum Verständnis vorab ein paar Infos zur InterFace AG, die bis 1989 InterFace Connection GmbH hieß.

Die Metaphern unseres Erfolges in den 80iger und der ersten Hälfte der 90-Jahre waren UNIX und CLOU/HIT.

Und unser Textsystem auf UNIX namens HIT gemeinsam mit der genialen 4GL CLOU zum Zwecke der Erstellung von Dokumenten war einzigartig und sensationell erfolgreich.

Wir waren die ersten, die eine „embedded SQL-Schnittstelle“ anbieten konnten, die es erlaubte, während des Ablaufs der Bausteine dynamische Abfragen an Datenbanken zu stellen und sogar auch die Ergebnisse gleich zurück zu schreiben. SQL wurde damals gerade erst neu erfunden und Hans Strack-Zimmermann (der Enterpreneur von SINIX innerhalb der Siemens AG) hatte es unseren amerikanischen Freunden von RDS (Relational Database Systems – später Informix) gerade erst die SQL-Schnittstelle in ihr Produkt Informix verordnet.

USP2Das war schon etwas besonderes, und wir waren mächtig stolz auf unseren besonderen Erfolg mit HIT/CLOU. Wir wussten damals aber nicht, was ein USP ist.  Auch nicht, was eine
„elevator speech“ ist.  Das wäre aber auch nur hinderlich gewesen.

Unser Businessplan war nur ein einfacher Haushaltsplan mit dem bescheidenen Ziel, immer mehr Geld einzunehmen als auszugeben. Wir haben keine Prognose über die Stückzahlen der nächsten 3 Jahren gemacht oder uns überlegt, wie viel Investitionen das Produkt HIT/CLOU in diesem Zeitraum braucht.

USP3Schlimmer noch, wenn wir über diese Dinge nachgedacht hätten, dann hätten wir nie angefangen.

Mit meinem heutigen Wissen (?) hätte ich der InterFace Connection 1984 drastisch abgeraten, so etwas Verrücktes zu tun, wie ein Produkt zu entwickeln …

Anderseits kenne ich die Geschichte von vielen Unternehmen recht gut und oft aus erster Hand. Auch eine SAP wäre nicht gegründet worden, wenn die Gründer von SAP zu früh an USP und Businessplan gedacht hätten.

USP4Vielmehr haben die drei in der Anfangszeit für ein Pharma-Unternehmen, bei dem ein guter Freund von mir Geschäftsführer war, eine Art ERP-Software entwickelt.

Und sie hatten einen besonderen Deal ausgemacht: Für einen attraktiven Preis durften sie nachts in ihrer Freizeit die damals unglaublich teure Rechenzeit umsonst nutzen und ihre Ideen implementieren. So wurde das erste Fundament für den Erfolg von SAP gelegt … Und klingt doch fast schon nach moderner „collaboration“.

Aber zurück zum USP der InterFace AG. Wir haben uns vom Produkthersteller zum Dienstleister entwickelt. Gerne hätten wir ein USP, das uns am Markt unverletzlich und nicht austauschbar macht. Und uns hilft, nicht als „David“ von den „Goliaths“ dieser Welt erpresst zu werden.

USP5Wir sind stolz auf die Dinge, die wir können: Storage und Virtualisierung beherrschen wir. Wir haben eine Menge Erfahrung bei IT-Prozessen und Projekt Management. Unsere Teams bauen mit JAVA herausragende Lösungen.

Ab und zu müssen wir in kurzer Zeit wahre Wunder vollbringen – das schaffen wir dank extrem agiler Programmierung und der Verwendung von Methoden wie SCRUM. Und großer Begeisterung.

Wir versuchen, so gut wie nur irgendwie möglich zu sein. Wir wissen aber auch, dass es andere gibt, die auch nicht schlecht sind.

So wir haben gelernt, dass unser USP nicht im fachlichen Bereich liegen kann. Das USP der InterFace ist der Mehrwert, den wir unseren Kunden bringen. Und den erbringen unsere Mitarbeiter in der Regel nicht nur im fachlichen Bereich. Denn die technischen Probleme sind oft leichter lösbar als die menschlichen.

Vielleicht ist es das, was die InterFace AG auszeichnet. Und unsere größte Freude ist, wenn uns unsere Kunden rückmelden, das wir in diesem Punkt eine ganz besondere Firma sind. Das ist dann mein schönstes USP.

RMD

P.S.
Weiter geht es mit dem „summary“ zum USP. Dann ein kurzer Ausflug zum „elevator speech.“
Und dann die Themen, die mir besonders am Herzen liegen wie:

– Wer ist denn alles Unternehmer?
– Was ist ein „ethisches“ Unternehmen?
– Strategie und Planbarkeit?!
– Der Frust mit den Strategie-Meetings!

Die Reihenfolge der Themen behalte ich mir noch vor.

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