🙂 Heute war nicht viel los in der Südsee. Unser Schiff liegt für 24 Stunden auf Anker. Außer vom am Strand von Samoa zu liegen, viel zu schwimmen und gut zu essen gibt es nichts zu berichten.

Um 18:00 geht es wieder los, zum nächsten Ziel. Präzise festgelegt durch den Längen- und Breitengrad. Der Kapitän versucht Regenwolken und schlechtes Wetter zu umfahren. Oberstes Ziel ist, eine Kollision mit einem anderen Schiff oder U-Boot zu vermeiden. Er versucht auch Sprit zu sparen und pünktlich am Ziel zu sein.

Im Leben ist es wie mit dem Schiff. Man sollte auf Kurs liegen und den nächsten Hafen wissen. Und heil dort ankommen. Wenn das gelingt, war die Reise erfolgreich. Wobei im Leben der nächste Hafen nicht so einfach mit zwei Zahlen festgelegt werden kann.

Was aber ist der Erfolg eines menschlichen Lebens. Was ist der Erfolg eines Unternehmers oder eines Unternehmens?

Ich meine, dass es gut ist, wenn man die Dinge treiben kann und nicht von Ihnen getrieben wird. Wenn man aktiv steuern kann und nicht von anonymen oder bekannten Mächten oder von echten oder vermeintlichen Sachzwängen gesteuert wird. Das klingt einfach. Aber ganz so einfach ist es nicht.

Denn da gibt es zwei Probleme:

  1. Es braucht ein Ziel.
    Das ist schwierig. Besteht so ein Ziel doch aus Erfolgskriterien, die vorhanden sein müssen. Die können bewusst sein, und dann einfach oder kompliziert aufgeschrieben werden. Es gibt aber auch unbewusste Erfolgskritierien, die in einer Kultur oder in Werten verankert sind, und die man oft gar nicht so einfach bewusst machen kann. Ich habe den Eindruck, dass wichtige Werte oft unbewusst entstehen und gelebt werden, und erst viel später oder auch nie verbalisieren.
    Wenn die Erfolgskriterien in Relation zur Machbarkeit in der Realität vernünftig erfüllt werden, dann ist das ein Erfolg.
    Aber: Die Erfolgskriterien müssen zum Unternehmen (und/oder zu einem selbst) passen. Normierte und stark reduzierte Erfolgskriterien wie „shareholder value“ helfen einem Unternehmen wie einem Menschen nicht.
  2. Die Strömung darf nicht ignoriert werden.
    Schwimmen gegen den Strom ist kein Erfolgsrezept. So genügt es nicht, am Steuer zu sitzen und zu lenken. Das Steuer muss die Kraft auch aufs Ruder übertragen. Und das Ruder sollte am besten die vorhandene Strömung nutzen. Beim Steuern sollte man auch genau beobachten und erfühlen, was die Umwelt möglich macht. Und was sie unmöglich macht! Am besten ist es, wenn man die Strömung ausnutzen kann und mit dem Steuer nur korrigieren muss. Man darf aber nicht durch falsches Steuern die eigenen und gemeinsamen Kräfte überfordern. Zu leicht kann das Schiff sonst Schaden nehmen.

Also: Wissen, wo man hin will. Aber realistisch bleiben. Die Ziele auch mal ändern und die Gewichte der Ziele verschieben. Im Erfolg bescheiden bleiben. Die Dinge aktiv voran treiben und sich gleichzeitig geschickt treiben lassen. Den eingeschlagenen Kurs zwar auch überwachen aber vor allem permanent und realitätsnah  an das Gelände anpassen. Und ab und zu mal auch den Erfolg genießen, auch wenn er nur klein zu sein erscheint.

Mein Freund Rupert Lay hat mal gesagt, dass das größte Problem in unserem sozialen und wirtschaftlichen „Land“ die zunehmende Mittelmäßigkeit ist. Ich empfinde es als enorm mittelmäßig, wenn man seine Ziele sklavisch nach dem Überich einer „So ist das Gesellschaft“ ausrichtet. Mittelmäßig ist es, wenn ich mein unternehmerisches Denken aussschließlich am „shareholder value“ ausrichte. Oder mein privates Lebensglück mit der Höhe meines Einkommens und der (Schein-)Sicherheit meiner finanziellen Situation verbinde.

Das Mittelmaß kann ich nur verlassen, wenn ich versuch, Verantwortung zuerst mal für mich selbst zu übernehmen und mein Leben in seinen vielen Dimensionen zu erweitern. Und ich habe Glück gehabt und sogar Gleichgesinnte getroffen. Vielleicht geht dann mein Wirken sogar ein wenig über meinen eigenen Horizont hinaus.

Das alles gilt für Unternehmer genauso wie für Projektleiter, in der Partnerschaft wie in der Familie und in vielen Bereiche des Lebens. Nur dann ist Linie, ein „Peil“ und so etwas wie „Strategie“ möglich. Das ist garantiert nicht einfach und kann nie zu 100 % erreicht werden.

So fliehe ich jeden Tag vor der Mittelmäßigkeit und fühle mich da oft wie der Hase aus dem Märchen. Wenn ich am Ziel bin, steht nur zu oft der blöde Igel der Mittelmäßigkeit da und streckt mir schon mal die Zunge raus. Ich aber laufe trotzdem weiter …

🙂 Auf solche Gedanken kommt man wohl auch nur in der Sonne der Südsee …

RMD

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuches findet man in der Drehscheibe!

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7 Kommentare zu “Unternehmertagebuch #50 “Treiben oder getrieben werden“ oder „Erfolg und Mittelmaß“”

  1. Chris Wood (Mittwoch, der 16. März 2011)

    Roland, you bring me to reconsider my own mediocrity, which has tended to worry me slightly. My first reaction is that I much prefer Merkel, who (as we now see) often floats with the stream, to Hitler with his strong drive.
    But more important to me is your quote from Rupert Ley. The little that I know about him, (it all came via you), makes me strongly distrust him. He seems to express ideas that he can sell to managers. Thank goodness for the mediocrity of the German nation, that functions as well as any in the world.
    So, I shall continue to let your blog postings drive my important mediocre comments.

  2. six (Mittwoch, der 16. März 2011)

    Ohne die beschauliche Ruhe unserer Mittelmäßigkeit wäre das Leben nicht auszuhalten. Den Stress des Über-Mittelmaßes bezahlen die wenigen, die sich dazu berufen fühlen, mit menschlichen Deformationen, oft auch mit Drogen und frühem Tod. So predigen wir lieber das Über-Mittelmäßige und leben das Mittelmäßige. So macht das wohl auch Rupert Lay. Seine Bücher (mehr kenne ich nicht von ihm) finde ich höchst mittelmäßig.

  3. rd (Donnerstag, der 17. März 2011)

    Na ja, dann probiere ich es zumindest mal, nicht in der Mittelmäßigkeit zu ersticken 🙂 (obwohl ich eigentlich gar nicht weiß, was mittelmäßig ist 😉

  4. six (Donnerstag, der 17. März 2011)

    Tja, Roland, wenn Du plötzlich nicht mehr weißt, was mittelmäßig ist, dann hat Rupert Lay zu den Zeiten seines markigen Ausspruchs wohl versäumt ein wenig Fahnenbildung darüber zu betreiben.

  5. Hans Bonfigt (Freitag, der 18. März 2011)

    Sixt’s:

    Mittelmäßigkeit muß sich ja nicht primär auf Akteure oder geschaffene Dinge beziehen. Die Mittelmäßigkeit im Denken und Fühlen lähmt uns
    langsam, aber beständig wie ein Schierlingsbecher.

    „Natürlich setzen wir Windows ein, der ganze Wettbewerb tut es auch und wir wollen unsere Mitarbeiter nicht übrerfordern“.
    „Wenn wir keine Kernkraftwerke mehr bauen, verlieren wir unsere Wettbewerbsfähigkeit“.
    „Woher sollen wir denn sonst den Strom nehmen?“
    „Für ein Auto nach meinem Geschmack fehlt mir das Geld, für ein Auto nach meinen Bedürfnissen schäme ich mich bei meinen Nachbarn, also
    wähle ich den Golf, ‚da weiß ich, was ich habe'“.
    „Im Winter fahrradfahren, da hole ich mir ja den Tod“.
    „Mir kann man nichts vorwerfen. Natürlich habe ich schlechte Arbeit geliefert, aber der Meier macht das seit Jahren! Und alle Kriterien im QM-
    Handbuch wurden erfüllt, ich bin also nicht verantwortlich!“
    „Meine Kalenderdaten und Kontakte habe ich bei Facebook hochgeladen und jetzt kriegen alle unverlangt Spam und ich werde gemobbt! Damit
    konnte ich nie nicht rechnen, ich verlange Schutz vom Staat !“
    „Wie ist die Haltung der Kanzlerin zu Aussage xyz ?“ — „Das ist sicher nicht die Diktion der Kanzlerin“.

    Alle sind aalglatt, keiner bekennt sich zu etwas, sei es nun ein Fehler oder eine Absicht. Jegliches Denken und Handeln orientiert sich daran, hypothetisch nachteilige Situationen zu vermeiden — anstatt mit Freude und lustvoll, ein mögliches Potential im Blick, eine Sache einfach einmal durchdenken.

  6. Chris Wood (Samstag, der 19. März 2011)

    Hans, I read that the Schierlingsbecher (hemlock) poisoning is very unpleasant, whereas normal death after a normal (mediocre) life seems not too bad.
    It is not clear to me that Germany should close down all nuclear power stations this year. But I am surprised that the Japanese and the Americans have such power stations in places that can expect big earthquakes and tsunamis. A big tsunami could hit Hamburg too, but is unlikely in the next 1000 years.
    I could buy a Rolls Royce, but do not want too. My Golf is a bit large for my taste, but I share it with my daughter, who needs more room. My neighbour has a smaller car and is not ashamed.
    Three months ago, I broke my knee-cap cycling in winter.
    I could go on, but am too lazy. Hans, you seem to have very strange extreme ideas about us mediocre people.
    The only thing that worries me badly about us is that we are letting the poor of the world gradually get into a desperate situation. It would probably be better to do everything to help them, or instead to wipe them out quickly. But practically everybody rejects such extremes.

  7. Hans Bonfigt (Sonntag, der 20. März 2011)

    Hi Chris, I have indeed very strange and extreme ideas about „you mediocre people“. But – is it your built-in ‚advocatus diaboli‘ who lets you join a category you’re surely not belonging to?
    I never ever knew a mediocre person who felt hinself mediocre, typically caused by lack of honesty. So you will never find an ‚average‘ car driver, they’re all driving perfectly.
    I will go on, though I am very lazy:
    Maybe you remember the times when the exhaust gas catalysts came up in the middle of the 80’s ?
    Volkswagen officially proclaimed, „With deepest conviction we will not drive with a catalyst“ („Wir fahren aus Überzeugung ohne Katalysator“). Then, when they were forced by law, they built in catylysts without a lambda regulation for the fuel injection (which was completely messed up anyway), so the catalysts were literally burned out after 20,000 Km. They did that *though* they built cars for the U.S. Market with a functioning fuel injection.
    Everybody *knew* that but everybody continued buying that cheesy, sleazy successor of the ‚Kraft-durch-Freude-Wagen‘. Even when the newspapers titled, „Volkswagen ist ein Misthaufen, auf dem der [Carl] Hahn sitzt“, the vulgar German kept buying Volkswagen because „Da weiß man, was man hat“. W-t-f ?!?!
    This is a giant triumph of collective, average ignorance, excuse my poor english.

    What happened to companies like CTM ore ICL ?
    ICL and CTM presented both economical and technology leading systems, but the mediocre „CIO“ believed in the urban legend that nobody ever was fired for buying IBM.

    When I went to school in the 70s, everybody discussed the „Ladenschlußgesetz“ and the „Transrapid“.
    While the discussions about opening time regulations are still going on after 40 years — what happend to the transrapid, the most exciting development since Nicola Tesla invented the induction motor?

    What is urgently needed by the information technolgy:
    Sure, an operating system independent, distributed file system that overcomes the disadvantages of NFS.
    Microsoft planned to release it with its new ’server‘ degeneration but expectedly failed. What an innovation would it be, if Roland on his ship could freely work through his file tree at home, the operating systems transparently caching and synchronizing all attached sites.
    Instead, nobody of the ‚mediocre‘ people misses such ‚Distributed Services‘, craving instead for so-called innovations like „twitter“.

    So, I don’t want to wipe out the poor but – ah, let me finally quote the famous Austrian Udo Proksch, a modern reincarantion of Till Eulenspiegel, when he was asked, what to whisch if he had one heart’s desire for free:

    „Allen mittelmäßigen Österreichern die Krätze an den Hals“

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