Roland Dürre
Sonntag, der 28. August 2011

Unternehmertagebuch #53 “Von Ego- und Alterozentrierten”

Ich bin über 60 Jahre alt und war eigentlich immer recht aktiv. So kenne ich eine ganze Reihe von pensionierten Managern. Da gibt es solche und solche. Ich nenne sie mal die Ego- und die Altero-Zentrierten und erfinde modellhaft jeweils einen Mustermann für die beiden Arten.

Mr. Ego Zentriert verfügt über ausgezeichnete „Skills“ und hat exzellente Fähigkeiten. Er eckt allerdings in der Umwelt öfters an. Und vertraut nur ganz wenigen Freunden. Ich nehme ihn häufig als einsam und ein wenig verbittert wahr.

In der Regel hatte er sein Leben lang immer attraktive Frauen an seiner Seite. Mit diesen hat es mal einen längeren und mal einen kürzeren Abschnitt funktioniert. Kinder hat er keine, wie auch die meisten seiner Lebensabschnittsgefährtinnen. Dafür war er immer ein Mann von Welt, kennt alle Kontinente und jede Megacity dieser Welt.

In seiner Karriere hat er es nie ganz an die Spitze gebracht. Im großen Konzern war er aber in der zweiten Ebene von großer Wichtigkeit. Das ganze (Berufs-)Leben lang hatte er eine persönliche Assistentin. Sein Spesen- und Reisebudget bewegte sich in Schwindel machende Höhe und natürlich wurde ihm ein Geschäftsauto der Oberklasse zur Verfügung gestellt.

Seinen intellektuellen Zynismus pflegt er auffällig. Emotionen sind ihm hinderlich, rationales Handeln ist sein Ding. Geschäftlich und auch sonst ist bei ihm immer alles klar. Er denkt gerade aus und weiß genau, was Sache ist.  Und wie die Menschen zu funktionieren haben.

Mr. Altero Zentriert ist ein ganz anderer Typ. Auch er ist eine besondere Person mit exzellenten Fähigkeiten.Er scheint aber mit seinem Schicksal versöhnt zu sein. Hört mir gerne zu, gibt auf Nachfrage weisen Rat. Er hat viele Freunde, die ihre Zeit mit ihm gerne verbringen. Auch im Alter ist er bereit, Neues zu erfahren und zu lernen. Ich habe den Eindruck, dass er mit seinem Leben auch im Ruhestand besonders zufrieden ist.

In seinem Leben spielt eine Frau eine wesentliche Rolle. Gemeinsam haben sie Kinder. Seine Enkel haben ihn noch mal so richtig auf Trab gebracht. Mit ihnen hat er all das nachgeholt, was er bei seinen eigenen Kindern aufgrund von hoher beruflicher Belastung versäumt hat.

Denn er stand im Konzern ganz oben. Kam viel in der Welt herum. Hatte auch eine große Limousine, die aber von seinem Fahrer gefahren wurde. Der ihn genauso respektiert und verehrt hat, wie die anderen Mitarbeiter im Konzern.

Nicht vergessen:
Die Geschichte beschreibt scherenschnittartig, wie ich Menschen ab und zu erlebe. Ich weiß aber auch, dass es keine Schwarz oder Weiß gibt. So sind die Charaktere frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind nicht beabsichtigt. Ich
kenne, schätze und mag Menschen beider Kategorien. Nehme von beiden gerne Rat an. Glaube, dass beide glücklich sein können. Vermute aber, dass die „Alterozentrierten“ vielleicht ein wenig zufriedener sind.

RMD

P.S.
🙂 Beim Schreibens des Artikels ist mir aufgefallen, dass ich persönlich keine einzige (!) pensionierte Top-Managerin kenne! Die wenigen, die ich kenne, sind alle noch aktiv. Aber eher vom Muster Mrs. Altera Zentriert.

P.S. 1
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

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