Ein von mir sehr geschätzter Trainer für Persönlichkeits-Entwicklung hat ein Prinzip, das mich fasziniert. Wenn er bei Menschen Schwächen und Stärken entdeckt, beschränkt er sich darauf, die Stärken zu fördern. Die Schwächen spiegelt er auf Wunsch zurück, ansonsten ignoriert er sie.

Dieses Prinzip halte ich nicht nur im Management- oder Führungstraining für klug. Es ist aber auch gut im Management selbst anzuwenden. Im Unternehmen erscheint es mir sinnvoll, ähnlich vorzugehen: Als erstes sollte man die Bereiche stärken, die gut „performen“. Die Menschen, die das Unternehmen voran bringen, stark machen. Die motiviert sind und Spaß an der Arbeit haben. Diese zu fördern, sollte mit Priorität erfolgen.

Im Unternehmen wird es auch immer (hoffentlich nur wenig und kleine) Bereiche geben, die wenig zum Erfolg des Unternehmens beitragen. Bei denen der Schwung völlig fehlt. In denen unmotivierte Leute sitzen, die vielleicht innerlich schon gekündigt haben. In Situationen, die nicht mehr mit vernünftigen Aufwand geheilt werden können.

Um die muss man sich sicherlich auch kümmern. Aber darauf sollte man die Kraft nicht konzentrieren. Über kurz oder lang lösen sich solche Bereiche eh auf. Verschwinden einfach. Im besten Fall werden sie sogar vom Erfolg der Starken mitgenommen und schaffen doch noch die Wende. Hier massiv einzugreifen sollte sich wahrscheinlich auf „ultima ratio“-Situationen beschränken, wenn der Leidensdruck so groß ist, dass es gar nicht mehr anders geht.

Ich sehe bei diesem Vorgehen nur wenig Gefahren: Eine könnte sein, dass man gelegentlich mal ein wenig zu lange zuschaut. Das muss man halt in Kauf nehmen, dafür spart man viel Kraft auf, die wo anders gewinnbringender eingesetzt werden kann.

Vielleicht könnte auch der Eindruck bestehen, dass man Kollegen bevorzugt. Hier hilft nur eine kluge und transparente Kommunikation.

Insgesamt ist das für mich eine ganz neue Theorie, die mir aber irgendwie einleuchtet. Und ich hoffe, dass ich jetzt nicht missverstanden werde.

RMD

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

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5 Kommentare zu “Unternehmertagebuch #56 – „Die Starken fördern, die Schwachen ignorieren“”

  1. Chris Wood (Mittwoch, der 9. November 2011)

    In the headline it says „ignore the weak. But most of what you write is about what to do with the weak!

  2. hans-peter kuhn (Dienstag, der 22. November 2011)

    „Die Starken fördern, die Schwachen ignorieren“

    Roland überträgts auf das Unternehmen, ein soziales Gebilde, demnächst vielleicht auch auf die Gesellschaft. Na dann „gute Nacht“ für alle Randgruppen, Marginalen, Schwachen und Unterprivilegierten.

    Endlich stellt sich der „Ethiker“ so da wie er ist: Ein hemmungslos Neoliberaler.

    Nehmts mir nicht scrum Leute…

  3. rd (Dienstag, der 22. November 2011)

    Und jetzt bin ich doch – wie im Artikel angekündigt – missverstanden worden.

    Ich schlage ja gerade vor, die Kraft eben nicht gegen die schwachen Gruppen im Unternehmen aufzubringen, so wie das die letzten Generationen von „alten Managern“ gemacht haben – nach der Devise „underperformer raus“ oder „wer nichts bringt fliegt“.

    Nein im Gegenteil, ich schlage vor, diese „Randgruppen“ einfach zu ignorieren und mit der gesparten Kraft die zu stärken, die eh schon etwas für die Gemeinschaft tun …

    Und das ist genau das Gegenteil von neoliberal, wie es die Hardliner der alten Managementschule fordern.

    Aber ich gebe zu, dass das alles nicht wo weit auseinander liegt. Das ist ja dann wohl auch das Problem beim Management, das fast das gleiche genau dasselbe sein aber auch Lichtjahre auseinander liegen kann. Und meine Hoffnung ist, dass eben genau mit solchen Dingen die Manager-Generation von „Morgen“ dann doch ein wenig besser umgehen kann als die von „Gestern“. Zumindest versuche ich, daran zu arbeiten.

  4. hans-peter kuhn (Donnerstag, der 24. November 2011)

    Hatte natürlich verstanden was Du im Grunde meinst.

    Du hast eine Strategie, die unter anderem in Zusammenhang mit der Neurolinguistischen Programmierung oft abgehandelt wird, in etwas unglücklicher abgeänderter Form dargestellt. Es geht z.B. in der Persönlichkeitsentwicklung und Performanceförderung darum sich auf die Förderung der Stärken zu konzentrieren und die Verbesserung von Schwächen etwas in den Hintergrund zu stellen.

    Als Beispiel wird oft Björn Borg angeführt. Da er am Netz eher unbegabt war, konzetrierte sich sein Coach auf die Perfektionierung des Passing Shots, der zur Grundausstattung eines Grundlinienkrokodils gehört. So gewann er Wimbledon ohne am Netz zu Punkten. Das war eine echte Revolution damals.

  5. rd (Donnerstag, der 24. November 2011)

    Danke Hans-Peter!

    Tatsächlich habe ich ein ein Konzept aus der Weiterbildung/Persönlichkeitsförderung (würde es aber nicht NLP zu schreiben) auf Unternehmensführung übertragen.

    Nicht zuletzt weil ich Unternehmen für komplexe Systeme halte, die man durchaus mit biologischen Wesen vergleichen kann.

    Bei den Geschäftsfeldern war der klassische Ansatz z.B. des großen Elektrounternehmen, für das ich mal gearbeitet habe, das Augenmerk vor allem auf die wenigen Bereiche zu richten, die nicht so gut da stehen und diese zu sanieren. Die anderen würden eh gut laufen.

    Mein Gedanke ist, dass man diese Gewichte auch verschieben kann und mehr Kraft auf die starken Bereiche legt.

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