Roland Dürre
Freitag, der 16. Dezember 2011

Unternehmertagebuch #58 – Der Fakten-Manager

Er thront in der Hauptversammlung auf dem Vorstandpodest. Oder er sitzt bei einer Mitgliederversammlung am Präsidententisch. Er ist der Chef und fährt einen harten Kurs. Natürlich alles nur fürs Beste und die Zukunft des Unternehmens oder Vereins. Er ist ein „Fakten-Manager“. Davon gibt es noch viele, er ist nicht der letzte seiner Art.

Es gibt ein Problem. Emotionen kommen auf. Kein Problem. Der „Fakten-Manager“ reißt das Heft des Handelns an sich. Souverän doziert er über Führung. Er kennt die Wahrheit, er weiß, was Sache ist. Managen ist ganz einfach. Man sammelt Informationen. Im nächsten Schritt werden diese bewertet. So lernt man die Lage kennen!

Dann wird entschieden, ruckzuck, streng logisch – ganz nüchtern und ohne Emotionen. Wo gehobelt wird, fallen Späne. Bedenken und Widerstände müssen ignoriert werden. Entscheidungen sind durchzusetzen, Verluste sind in Kauf zu nehmen. Ab und zu muss man halt auch mal über Leichen gehen. Einfach für die Sache. So einfach ist das!

Wumm! Macht es bei mir. So einfach soll alles sein? Wunderbar. Nur nicht zu viel denken, aber um so klarer texten.

„Fakten-Manager“ leben immer noch in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Vereine und Unternehmen sind ihr Spielfeld und müssen funktionieren wie determinierte Maschinen. Man setzt sich an die Hebel der Macht und steuert sie. Dumm, dass man Menschen braucht. Die stören doch eh nur. Deshalb müssen sie sich an die Organisation anpassen, notfalls angepasst werden.

Dass Vereine wie Unternehmen zuerst mal für ihre Mitglieder, Mitarbeiter und Kunden da sind, interessiert einen „Fakten-Manager“ nicht. Auch nicht, dass diese nur eine Existenzberechtigung haben, wenn sie einen Sinn haben. Der Selbsterhalt des Systems wird zum höchsten Gut, der Selbstzweck wird zum Sinn.

Das Geschwätz von „sozialen Systemen“ und der ganze menschliche Quatsch sind dem „Fakten-Manager“ ein Gräuel. Sinngebung und Kultur sind für ihn Fremdwörter, so wie die Menschen Fremdkörper im System sind. Das stört doch alles nur.

Im Verein wie im Unternehmen. Hauptsache, das System kann seine Macht mehren. Für Gefühlsduseleien ist da kein Raum. Rücksichtnahme gibt es nicht.

Denn es geht um Macht und den Erhalt des Systems. Um sonst nichts. Ein gutes System, ob Verein oder Unternehmen, muss „manage-bar“ sein! Die Organisation so ausgerichtet, dass sie rational und mit minimalem Aufwand gesteuert werden kann.

Und nachts schläft der „Fakten-Manager“ den Schlaf des Gerechten und träumt von von einem gesunden Faschismus.

RMD

P.S.
Der Fakten Manager ist natürlich frei erfunden. Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Menschen sind rein zufällig.

P.S.1
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

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6 Kommentare zu “Unternehmertagebuch #58 – Der Fakten-Manager”

  1. Eberhard (Freitag, der 16. Dezember 2011)

    Auch wenn die Ähnlichkeiten zufällig sind ist mir der auch schon ein paar Mal über den Weg gelaufen – oder gibt es vielleicht doch noch ganz viele davon 😉

    Spaß bei Seite – ich befürchte die sind zur Zeit wieder auf dem Vormarsch.

    Dein letzter Satz ist harter Tobak – je länger ich jedoch darüber nachdenke desto mehr stimme ich ihm zu.

  2. rd (Freitag, der 16. Dezember 2011)

    @Eberhard: Danke!

    Mir geht es genauso (… auf dem Vormarsch).

    Zum letzten Satz:

    Ich habe lange überlegt, ob ich ihn schreiben soll. Wie ich auch an diesem Artikel lange herum gekaut habe.

    Letzten Endes war es ein innerer Leidensdruck, der zurzeit eher wächst, die Ursache, dass ich ihn so veröffentlicht habe.

    Ich kann aber auch niemand böse sein, wenn er als „Fakten-Manager“ denkt: Ich glaube, dass ist so ein uns Menschen eigenes Bedürfnis nach Sicherheit, dass uns Zuflucht in vereinfachter Welt suchen und unnötige Irritationen abwehren lässt.

  3. Chris Wood (Sonntag, der 18. Dezember 2011)

    Funny, I have the opposite impression to yours Roland. It seems to me that the people running things, in politics, societies, large and small businesses, bother less and less about facts. They just make up „good“ stories. The modern world is becoming more and more complex, so that few can see the swindle.

  4. rd (Sonntag, der 18. Dezember 2011)

    Lieber Chris, immerhin kenne ich genau einen Menschen, der den ganzen Schwindel kennt und auch sonst immer ganz genau weiß, was richtig und falsch ist 🙂

  5. six (Sonntag, der 18. Dezember 2011)

    Lieber Chris, die exakten Grenzübergänge zwischen Glauben und Wissen kennt nur Richard Dawkins.

  6. rd (Sonntag, der 18. Dezember 2011)

    Oh Detlev, an den Richard hatte ich gar nicht gedacht 🙂

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