Nichts als Fragen …

Die Begriffe „Projekt“ (P) und „Management“ (M) sind für mich ein Phänomen. Und noch mehr „Projekt Management“ (PM).

Sollten wir nicht an Stelle von P und M von „Planung“ und „Umsetzung“ zu reden? Und dann von PM als Versuch, die Umsetzung zu steuern, also zu minimalen (Transaktions-)Kosten zum Gelingen bringen?

Ist PM ein Beruf? Ein Handwerk? Oder gar ein Prozess?

Benötigt gutes PM vor allem „Erfahrung“ und „Wissen“? Die Erfahrung liefert „best practice, das Wissen „knowhow“? Ist gutes PM dann überwiegend das Nutzen von Erfahrung und Wissen.

Ist für gutes PM „Lebenserfahrung“ für den Umgang mit den Menschen notwendige Voraussetzung? Aber, was ist das – „Lebenserfahrung“ und wie gewinnt man diese?

Wie kann man Erfahrung und Wissen zu PM messen und gar zertifizieren?

Heißt PM nicht vor allem „Arbeiten und die Übersicht behalten“? Und das in einer gewissen Form von Arbeitsteiligkeit? Um sein eigenes oder ein gemeinsames „Ding zu machen“?

Welche Rolle spielen Werkzeuge eigentlich wirklich bei PM? Wie relevant sind Methoden? Welche Methoden helfen wirklich?

Muss gutes PM nicht vor allem die „zu machenden Dinge“ verbalisieren und kommunizieren können? Helfen, die Werte zu stärken? Kulturen zu respektieren und Kultur schaffen? Kommunikation zwischen Instanzen und Menschen verbessern? Helfen Konflikte aufzulösen oder besser zu vermeiden? Von Angst freie Räume zu schaffen und die Entfaltung zu fördern? Und notfalls mutig gegen Asozialität und Intoleranz anzugehen?

Kann man Individuen und Kollektive überhaupt planen? Oder muss man sie sich entwickeln lassen?Kommt jemals das raus, was man geplant hat? Oder ist Aufgabe von PM nur, zu rechtfertigen, warum das Ergebnis differiert? Also den Plan zu schleifen.

Wie rational sind Welt, Mensch und Evolution? Finden die Dinge nicht eher statt als dass sie gemacht werden? Kann PM wirklich mehr als die Evolution ein wenig mit zu beeinflussen? Wird so PM nicht eigentlich zu einer Disziplin der Philosophie?

In welcher Beziehung stehen M und PM zu Unternehmertum und Führung? Zu Entscheidung und Verantwortung?

Ist das P nicht ein selbstverständlicher Teil des menschlichen Handelns? Macht es Sinn, so ein zentrales Moment auf Unternehmen (soziale Systeme mit einem wirtschaftlichen Zweck/Nutzen) einzuschränken?

Ist nicht jeder Versuch einer bewusst gemachten Veränderung ein P?  Braucht ein P immer eine konkrete Absicht und ein definiertes Ziel?

Kann bei P nicht auch der Weg das Ziel sein? Ist die Veränderung der Ziele in einem P nicht auch ein P? Gerate ich dann nicht eine rekursive PP-Situation? Wie soll ich die aushalten?

Ist die von einem Menschen geplante beabsichtigte Veränderung persönlicher Eigenschaften oder seiner Lebenssituation nicht auch schon ein P?

Was ist der Unterschied von Vorhaben und Ziel und von Vision und Utopie? Kann ich mit Zukunft „handeln“?

Ist für PM wirklich die Erreichung des Ziel von herausragender Bedeutung? Oder ist nicht die durch ein P erreichte Verbesserung der gewünschte Erfolg? Und bekommt so PM vor allem die Aufgabe, das Ziel zu korrigieren und an die tatsächlichen Bedürfnisse anzupassen?

Ist PM also nur eine Form, den „Weg zum Ziel“ zu gehen? So dass (wieder mal) der Weg zum Ziel wird? So wie der Tod im Leben des Menschen nicht das Ziel sein kann, sondern das Leben von der Geburt bis zum Tod?

Schützt uns PM vielleicht nur davor, uns unsere menschliche Unzulänglichkeit eingestehen zu müssen? Und lässt PM uns so glauben, dass wir alles im Griff haben? Als eine Art willkommene Selbsttäuschung?

Gibt es das überhaupt – P (Projekt) und M (Management)? Braucht man PM (Projekt Management) überhaupt?

RMD

P.S.
Hier noch ein paar meiner Artikel zum Projekt Management.

#64 – Project Management goes Brecht

#65 – Was ist das eigentlich – Projekt Management? (Definitionsversuch I)

#66 – Was ist das eigentlich – Projekt Management? (Definitionsversuch II)

#67 – Was ist das eigentlich – Projekt Management? (Definitionsversuch III)

#68 – Wie entstehen eigentlich Projekte?

#69 – Projekte sind schädlich für die Gesundheit Ihres Unternehmens!

P.S.1
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

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2 Kommentare zu “Unternehmertagebuch #81 – Projekt, Management und Projekt Management”

  1. Stefan Hagen (Sonntag, der 3. Juni 2012)

    Lieber Roland,

    großartige Fragen, die wir im November beim PM Camp (www.pm-camp.org) aufgreifen sollten 😉

    CU, my friend,

    Stefan

  2. Hans Bonfigt (Dienstag, der 5. Juni 2012)

    Jungs:

    Was das Wesen von „PM“ ausmacht, weiß ich auch nach 35 Jahren nicht.

    Aber richtig erfolgreiches Projektmanagement erkennt und kombiniert die Talente und Vorlieben der Beteiligten zu einem Vektor in Richtung Projektziel.

    PM ist ein Katalysator, der eine Reaktion beschleunigt, ohne selbst in sie einzugehen.

    Und deswegen sind erfolgreiche Projektmanager meistens Frauen …

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