Roland Dürre
Sonntag, der 15. Dezember 2013

Unternehmertagebuch #93 – Effizienz versus Resilienz

Wandel und Transformation

Die technologischen und sozialen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte haben nach meinem Verständnis zu einem heftigem Wandel in unserer Welt geführt. So erleben wir eine Zeitenwende, die wohl ähnlich relevant sein wird wie der Beginn der Industrialisierung oder der Zeitpunkt der Erkenntnis, dass die Erde eben keine Scheibe ist sondern sich um die Sonne drehen muss.

Diese Zeitenwende bringt ein hohes Maß von abrupter Veränderung mit sich. Es ist eine Veränderung, die unser persönliches Leben genauso trifft wie unser soziales und wirtschaftliches Miteinander. Und gerade die für uns Menschen so wichtigen sozialen Systeme mit einem ökonomischen Zweck, auch Unternehmen genannt, sind besonders von der Veränderung betroffen.

So lese ich Aussagen, das mehr als die Hälfte der Top Tausend Unternehmen dieser Welt ernsthaft gefährdet ist und vielleicht schon in den nächsten Jahren verschwinden wird. Und dem was ich erlebe folgend nehme ich das sehr ernst.

Was hat sich eigentlich geändert?

In der Vergangenheit war die „Effizienz“ das wesentliche Kriterium für Erfolg. Dabei wurde die Effizienz überwiegend erst durch den massiven Einsatz von bewusst billig gehaltener fossiler Energie ermöglicht. Dies hat die Natur, die ganze Welt und natürlich auch die Menschen massiv betroffen und verändert.

Die so stattfindende Veränderung wurde in der ersten Annahme ausschließlich positiv wahr genommen und euphorisch begrüßt. Nicht nur die so stattgefundene „Ökonomisierung“ aller unserer wirtschaftlichen und sozialen Abläufe hat aber viele negativen Folgen gebracht, denen wir uns jetzt zwar langsam aber um so sicherer immer mehr bewusst werden.

Das Zeitalter der Effizienz geht zu Ende. Und eigentlich sollten wir froh darüber sein. Vieles wird sicher unkomfortabler werden. Mobilität wird wieder aktiver erfolgen.

Die fortwährende Steigerung der Effizienz hat für viele Menschen zu einer absurden „Hamsterrad“-Situation geführt. Die Menschen sind vom Marketing förmlich formatiert worden (ich zitiere Michel Serres). So folgen wir Menschen in Masse der uns (scheinbar?) aufgezwungenen Zielvorgabe, unser Glück durch Massenkonsum zu generieren und setzten möglichst großen Wohlstand als unser priores Lebensziel.

Wer das nicht will, der muss sich selber ändern und allgemein verändern. Wer Veränderung bestehen will, muss – freiwillig oder unfreiwillig – in eine Phase der Transformation eintreten. Und die wird sicher mehr Spaß machen und besser gelingen, wenn sie nicht unfreiwillig sondern auch gewollt und proaktiv erfolgt.

So müssen Firmen, die überleben wollen, Resilienz als zentrale Stärke entwickeln. In Wikipedia finden wir die Begriffe der allgemeinen “Resilienz” und der “Resilienz im Management“. Besonders schön finde ich als Metapher für Resilienz das “Stehaufmännchen”, das sich immer wieder von selbst aufrichtet, kaum dass es schief liegt. Damit meine ich aber ganz gewiss nicht die amerikanische Parole “vom Hinfallen und immer wieder Aufstehen”.

Wir brauchen Resilienz, weil weitere Effizienz alleine nicht mehr genügen sondern eher schaden wird.

Die Effizienz hat bewirkt, dass Wettbewerbsfähigkeit auf Seite der Anbieter vor allem durch „billiger werden“ sicher gestellt wurde. „Billiger werden“ ist kein Hilfe für nachhaltiges Überleben. Im Gegenteil, immer billiger produzieren und liefern zu müssen ist ein schlechter Kreislauf, der nicht nur keinen Spaß sondern uns auch austauschbar macht. Ein anderer wird es immer noch billiger schaffen, man wird austauschbarer und letztendlich dann ausgetauscht. Denn, wer austauschbar ist wird auch ausgetauscht.

Resilienz erreichen wir, wenn wir uns gegen Austauschbarkeit wehren. Das geht nur über „anders sein“. Und die Transformation zum „anders sein“ ist notwendig um nicht immer billiger werden zu müssen. Das wird auch unser Leistungsangebot betreffen.

Woher wollen wir aber wissen, wie „anders“ wir werden müssen, um erfolgreich zu bleiben? Das lässt sich garantiert nicht planen oder gar berechnen! Also müssen wir die Veränderung ausprobieren. Und Ausprobieren bedeutet, dass vieles nicht klappern wird. So wird „Ausprobieren“ zu einer wichtigen Investition in die Zukunft.

Und die wird nur gelingen mit Kreativität, Phantasie und Leidenschaft.

RMD

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

2 Kommentare zu “Unternehmertagebuch #93 – Effizienz versus Resilienz”

  1. Chris Wood (Montag, der 16. Dezember 2013)

    In the first paragraph, note that the Earth being flat is hardly relevant to heliocentricity.
    The ideas of Roland’s posting are covered in detail by Taleb’s „The Black Swan“. (This concept originated apparently from Juvenal in ancient Rome).
    I have my doubts about the views of Taleb and Duerre. I think we are in a relatively brief transition stage, where creative capitalism competes with efficient capitalism. Both will fail. We need a huge change in energy use and supply. But this will fail to happen. The resulting disaster, (from a human viewpoint), may take many forms.

  2. karl kraft (Montag, der 16. Dezember 2013)

    Weitgehende Zustimmung – eine Symbiose aus Effizienz und Resilienz bietet den größtmöglichen Nutzen.
    Gerne würde ich den Begriff Resilienz anders, bzw. breiter einsetzen. Es gibt hilfreiche Literatur dazu (Autorin Wellensiek – Beltz Verlag), die gut herausarbeitet, dass Resilienz nicht nur im Management etabliert sein sollte.
    Das Ziel muss sein, ganze Teams mittels Mitarbeiterführung resilient zu gestalten. Insbesondere im Zusammenspiel mit einem Neukundengeschäft.
    Eine resiliente Mannschaft ist ein USP, welches kaum kopiert werden kann.
    blog.karl-kraft.de

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