Roland Dürre
Montag, der 7. April 2014

Unternehmertagebuch #96 – Noch mal Strategie!

Zu Strategie habe ich ja schon öfters hier in meinem Unternehmertagebuch geschrieben. Denn Strategie war in meinem Unternehmerleben lange Jahre ein schmerzliches Thema. Immer wieder habe ich versucht, die Zukunft zu planen, Annahmen über Markt und Konkurrenten zu entwickeln, Technologien abzuschätzen, Marktentwicklungen im Voraus zu erahnen und daraus Schlussfolgerungen zu tätigen um dann Pläne zu gestalten und diese umzusetzen.

Und habe mich dabei überfordert gefühlt. Mein „unternehmerisches Überich“ jedoch hat mich immer wieder gezwungen, „eine Strategie“ zu machen. Und mich vergewaltigt, diese dann auch noch anderen zu erzählen. Und so kam es, dass ich meinte, Dinge machen und berichten zu müssen, an die ich selbst nicht glauben konnte.

Im Rückblick stelle ich fest: Das mit der Strategie hat nie geklappt!

Erfolgreich wurden genau die Dinge, die nicht geplant waren. Die rational-logisch erdachten Pläne sind regelmäßig gescheitert, obwohl sie zumindest ein paar Mal so richtig gut validiert, recherchiert und in alle Richtungen abgesichert waren.

Heute meine ich, dass Strategie das ist, was die Organisation eines Unternehmens nach vorne bringt. Der Zauber, der ein Unternehmen als vergängliches Gebilde im Fluss der Zeit überleben lässt. Unternehmen sind soziale Systeme, die von einem gewerblich-wirtschaftlichen und kaufmännischen Zweck geleitet werden. Solche sozialen Systemen ähneln eher Menschen denn Maschinen. So wie Menschen ihre Konstrukte entwickeln, entwickeln Unternehmen kollektive Konstrukte. Diese sind nicht zu steuern. So ist die Organisation eines sozialen Systems Unternehmen etwas ganz besonderes.

Folgender Vergleich gefällt mir:

Stellen wir uns ein Unternehmen als einen menschlichen Körper vor, dann besteht die Organisation aus allem, das den Körper steuert, bewegt und funktionieren lässt. Das könnte das Nervensystem, der Kreislauf des Blutes, die Muskeln, die Lymphgefäße und vieles mehr sein.

Damit das alles gut funktioniert, braucht man einen gesunden Körper. Ich muss also den Körper, in diesem Vergleich das Unternehmen und seine Organisation gesund halten. Die Aufgabe der Strategie ist also, das Unternehmen gesund zu erhalten.

Natürlich hinkt auch dieser Vergleich. Aber er lässt erahnen, wie komplex und schwierig man sich die Organisation eines Unternehmens vorstellen kann. Denn ein Unternehmen ist etwas Lebendiges.

Die Aufgabe der Strategie:

Sie ist die normative Kraft, die hilft, das Unternehmen von anderen zu differenzieren. Sie gibt die Geisteshaltung, die Entscheidungsfindung und die handlungsleitenden Werte vor. Sie sorgt dafür, dass immer mehr Entscheidungen im Unternehmen die „richtigen“ und nicht die „falschen“ sind. Sie hilft den Handelnden zu erkennen, was gut oder schlecht fürs Unternehmen ist.

Das ist ein Begriff von Strategie, der mir gefällt und mir hilft. Denn jetzt weiß jeder, der strategisch wirken will, was zu tun ist: Festlegen was gut und schlecht ist und öfters das Richtige denn das Falsche machen.

Und das geht im Unternehmen – wie in jedem sozialen System nur über Verbündete. Und das sind die Menschen im Unternehmens und nicht eine oft einsame Management-Kaste, die meint, sie müsse Visionen entwickeln und die Menschen in Richtung Umsetzung zu steuern. Realitätsdichte und -nähe sind die Stärken einer guten Strategie, nicht logisch begründete Kopfgeburten.

Die beste Art von Strategie ist, wenn alle Stakeholder und Mitstreiter des Unternehmens gemeinsam fühlen, wo das Unternehmen hin soll und will. So wie alle Zellen des Körpers „an einem Strick ziehen müssen“, wenn der Körper leben soll.

RMD

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet man in der Drehscheibe!

Be Sociable, Share!

1 Kommentar zu “Unternehmertagebuch #96 – Noch mal Strategie!”

  1. Wood (Montag, der 7. April 2014)

    There is a big difference between a person and a firm. A person, with luck, lives 70 or 80 years, (with more or less success, whatever that may mean), then dies.
    The lifetime of a firm may be much more or much less.
    The main similarity is that both, together with plants, other animals, etc. are governed by evolution. Variations are fairly random whether they derive from mutations, or thought, or whatever.

Kommentar verfassen

*