Gestern (19. November 2009) habe ich erstmals meinen neuen Vortrag „unternehmertum“ gehalten. Es war der 7. Vortrag im Herbsttrimester 2009 des EAA-Kolloquium „Aktuelle Entwicklungen in Technik und Wirtschaft“ an der Universität der Bundeswehr München.

Die Zuhörerschaft war sehr sympathisch und folgte dem Vortrag mit überdurchschnittlicher Aufmerksamkeit. Und es ergab sich wieder eine spannende Diskussion mit wichtigen Rückmeldungen für den Vortragenden. Vielen Dank dafür an das Auditorium.

Hier die Gliederung und eine knappe Notation der Inhalte meines Vortrages zum Nachlesen (auch an Stelle von Folien, die es nicht gibt, weil ich meine Vorträge grundsätzlich frei halte).

Gliederung

  • Einführung
  • Warum brauchen wir Unternehmer?
  • Wie werden Unternehmen gegründet?
  • Braucht man die „geniale Geschäftsidee“?
  • Was ist ein Unternehmen eigentlich?
  • Was sollte das Ziel eines Unternehmens sein?
  • These: Unternehmer sind freie Menschen?

Inhalt

  • Einführung
    Zum Unternehmen: InterFace ist ein Dienstleister für Informationstechnologie (IT). Für den Erfolg es Unternehmens sind die richtigen Menschen und das passende Wissen notwendig. So drehen sich meine Vorträge immer um Menschen im sozialen Verbund und die Möglichkeit, Wissen zu bewahren, weiter zu entwickeln und anzuwenden.
  • Warum brauchen wir Unternehmer?
    Unternehmen realisieren die Wertschöpfung und schaffen Arbeitsplätze. Im diesem Jahr sind in Deutschland schon 800.000 hochwertige Industriearbeitsplätze verschwunden. Der Trend wird weiter gehen. Die Ursache sind Sourcing und der technologische Wandel.
    „Sourcing“ bedeutet, dass Unternehmen ihre neuen Produkte nicht mehr selber herstellen, sondern die Produktion ausschreiben. Hier sind Unternehmen, die in Deutschland produzieren, in der Regel nicht mehr wettbewerbsfähig.
    Der technologiesche Wandel bewirkt, dass einfache technische Lösungen komplizierte ersetzen. Die Herstellung wird dann in der Regel auch einfacher. Als Beispiel für solche Entwicklungen habe ich Glühbirne und LED gebracht. Licht wird in Zukunft immer mehr durch LEDs und immer weniger durch Glühbirnen erzeugt werden. Die Produktion von Glühbirnen war eine technologische Herausforderung, die nur von wenigen (american-european) Unternehmen beherrscht wurde. LEDs sind Halbleiter, die Herstellung von Halbleitern ist vergleichsweise trivial, Halbleiter-Fabriken kann man quasi von der Stange bestellen und in kurzer Zeit aufbauen. Dies wird aber nicht mehr in Europa passieren.
    Wir brauchen dringend neue Unternehmen, die eine qualifizierte neue Wertschöpfung bewirken. Nur so können wir den drastischen Verlust an Unternehmen und Arbeitsplätzen durch Insolvenz und Fusionen ausgleichen. Dies wird in der Regel nur durch mittelständische Unternehmen gelingen.
  • Wie werden Unternehmen gegründet?
    Unternehmensgründungen sind meistens ganz schlichte Prozesse. In der Regel findet eine ganz „normaler“ Schritt in die Selbstständigkeit statt. Hier ein paar Beispiele:

    • Maler baut einen Malerbetrieb auf.
    • Zahnarzt gründet Zahnpraxis
    • Ingenieur ein Ingenieurbüro
    • Finanzbeamter ein Steuerbüro
    • Pfarrer gründet eine Sekte (gibt es auch bei Management Training)
    • Marine-Offizier wird Pirat
      Mit diesem scherzhaften Beispiel habe ich darauf hingewiesen, dass es auch kriminelle Unternehmen gibt, die Polizei spricht hier von OK – organisierter Kriminalität. Über die Zeit ändert sich auch die Bewertung. So waren in der Kolonialzeit Unternehmen angesehen, die heute schlichtweg als kriminell gelten würden.
    • Professor gründet eine Privatuniversität.
  • Braucht man die „geniale Geschäftsidee?
    Bei einer Studentenbefragung von UnternehmerTUM der TUM München wurde Studenten unter anderem folgende Frage gestellt: Welche Bedingung müsste erfüllt sein, so dass Sie ein Unternehmen gründen würden? Die mit Abstand häufigste Antwort war: Ich würde ein Unternehmen gründen, wenn ich eine „geniale Geschäftsidee“ finden würde.
    Leider gibt es in der Realität die geniale Geschäftsidee nicht. Und wenn, dann modifiziert sich diese schon in den ersten Monaten der Firmenexistenz meistens so wesentlich, dass fast nichts mehr von ihr übrig bleibt.
    Die Annahme, dass Unternehmertum heißt, eine geniale Geschäftsidee mit einem Businessplan und zu besorgendem Kapital zu implentieren ist weit verbreitet, aber schlichtweg falsch. Das zeigen alle mir bekannten Beispiele von mittelständischen Unternehmen genauso wie von den großen wie Google oder Microsoft.
  • Was ist ein Unternehmen eigentlich?
    Nach meiner Definition ist ein Unternehmen ein ökonomisch-soziales System. Es wird von Menschen gebildet, die gemeinsam daran arbeiten, wirtschaftliche Werte zu generieren. Unternehmen als öko-soziale Ssteme brauchen einen Sinn, eine Ordnung und eine Kultur. Alle „Stakeholder“ und in besonderem Masse das Management tragen Mitverantwortung bei der Entwicklung von Sinn, Ordnung und Kultur.
  • Was sollte das Ziel eines Unternehmens sein?
    Unternehmen sind die wichtigen Säulen unseres Wirtschaftssystem. Sie versorgen die Menschen mit den benötigten Produkten und Dienstleistungen. Und schaffen auch die Arbeitsplätze, die Voraussetzung für das Funktionieren unserer Wirtschaftsordnung sind. Die priore Leistung des Unternehmens ist so ihr Beitrag an Wertschöpfung zum wirtschaftlichen Kreislauf. Die Mehrung des Shareholder Value darf nicht zum dominanten Unternehmensziel werden. Profite sollten in der Höhe „moralisch“ sein, ihre Höhe abhängig vom unternehmerischen Risiko.
  • These: Unternehmer sind freie Menschen!
    Das Wort Freiheit taucht in vielen Reden auf. Freiheit wird als die wertvolle Errungenschaft unseres Zeitalters und der jüngeren deutschen Geschichte gefeiert. Am 9. November dieses Jahres habe ich das Wort Freiheit besonders oft gehört. Aber keiner der Redner, die Freiheit fordern oder feiern, war bereit, auch zu sagen, was er unter Freiheit meint.So habe ich eine Reihe von „Freiheiten“ zusammengetragen:

    Freiheit kann bedeuten:

    • willens und fähig sein, sein Leben eigenverantwortlich zu führen.
    • nicht alles tun und lassen dürfen, aber nicht gezwungen werden, Dinge zu tun, die man nicht tun will.
    • seine bewussten Interessen und unbewussten Interessen in Einklang bringen.
    • eigenes und fremdes personales Leben eher zu mehren als zu mindern
      oder auch
    • Vor nichts und niemanden Angst haben (Konstantin Wecker, „Willy“).
    • Im Einklang mit dem großen Geheimnis leben (Willy Michel, Isarindianer).
    • Freedom is just another word for nothing left to lose! (Janis Joplin, Me and Bobby McGee)

Ich denke, dass Menschen, die bereit sind, über Freiheit nachzudenken, mit jeder dieser Definitionen etwas anfangen können. Und dass alle Menschen, die in Freiheit denken, in ihrem innersten Unternehmer sind.

Also meine These:

„Freie Menschen sind Unternehmer“

oder

„Unternehmer sind freie Menschen“

Über diese These und weitere Gedanken wurde dann noch intensiv diskutiert!

RMD

P.S.
🙂 Und ein paar spannende Rückmeldungen per E-Mail habe ich auch schon bekommen!

3 Kommentare zu “„Unternehmertum?“ oder „Freiheit!“ (Vortrag an der Hochschule der Bundeswehr am 19. 11.)”

  1. Chris Wood (Samstag, der 21. November 2009)

    The word is „outsourcing“, not „sourcing“.

    Surely Google qualifies as resulting from clever ideas? Google helps searches in internet to find pages whose owners will pay Google. Perhaps this idea was not so very clever, but the algorithms that coupled this with really good search results were surely not obvious.

    Roland forgot about my definition of freedom: „an illusion resulting from contentment“. This shows that freedom is personal. The other definitions give the illusion that one can judge who else is free. Thus a woman in a burka may be free.

  2. rd (Samstag, der 21. November 2009)

    Sorry Chris,
    das Wort heißt zumindest bei Deutschen Konzernen „Sourcing“ und man spricht von einer „Sourcing-Strategie“.
    Outsourcing war einmal. Das war die Zeit, als es noch etwas zum „Outsourcen“ gab. Damit hat man gemeint, dass man Aufgaben, die man durch interne Ressourcen erledigt, nach außen vergibt. Mit „Sourcing“ ist gemeint, dass Themen, die neu kommen, erst gar nicht mehr intern angegangen werden, sondern gleich an den besten/billigsten Lieferanten nach außen vergeben werden.
    RMD

  3. rd (Samstag, der 21. November 2009)

    Noch zur Freiheit und Chris Definition von Freiheit: “an illusion resulting from contentment” (eine Illusion resultierend aus Zufriedenheit). Dazu kann ich nur sagen, dass mir dann doch die Definition von Janis Joplin (Wenn Du nichts mehr zu verlieren hast) besser gefällt. RMD

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