Roland Dürre
Dienstag, der 21. Juni 2011

UTB 2 Finnland – Savo – Savolinna, Kuopia, Varkaus

Nach einer großartigen Woche in Finnland auf dem Seen-Labyrinth der Region Savo sitze ich am Flughafen von Helsinki-Vantaalla. Meine Familie nutzt die Zeit für einen Stadtbummel in Helsinki.

Da ich während des Urlaubs nur wenig ins Internet kam, habe ich viel Nachholbedarf und habe mir am Flughafen mein „Home Office“ mit freiem WLAN eingerichtet.

Jetzt habe ich die ersten gefühlt hundert E-Mails versandt und erhole mich beim Schreiben meines Urlaubstagebuchs. Das wird diesmal eine thematisch geordnete Zusammenfassung unserer Erlebnisse in Finnland, da ich keinen täglichen Reisebericht erstellen konnte, wie ich das sonst gerne mache.


Kurz nach 8:15 sind wir hier pünktlich von Savonlinna kommend gelandet, um 15:45 soll es nach München weitergehen. Alles lokale Zeit, d.h. in München ist es jeweils eine Stunde früher.

Die ATR hat knapp 24 Reihen mit jeweils 2 Sitzen auf jeder Seite. Sie war ziemlich leer, höchstens ein Drittel der Plätze waren besetzt .ganz im Gegensatz zum Hinflug am Montag vor einer Woche. Da war kein Platz frei.

Unser Hausboot – die Aurora

Wir hatten ein sehr geräumiges Boot. Drei Schlafräume, eine Dusche mit Toilette, eine weitere Toilette beim Schlafzimmer im Vorderschiff – und eine Sauna!

Der große Wohnraum mit den vielen Fenstern war dabei einer der Schlafräume und musste jeden Abend umgebaut werden.

In der Sauna steht ein typisch finnischer Sauna-Ofen. Ein ganz einfacher quaderförmiger Metallofen, das Ofenrohr sieht man am Ende des Schiffes. Ganz wenige Scheit Holz genügen, und auf die 80 Grad und mehr in der Sauna zu kommen.

Und wenn man die Sauna besucht, kann man direkt aus der Sauna ins Wasser springen und an der Leiter hinten wieder an Bord kommen. Die Wassertemperatur war wechselnd zwischen 16 bis 18 Grad Celsius – also nichts für Schwimmer aber gut für „Sauner“. Bis auf einen Tag haben wir sie dann auch jede Nacht genutzt.

So ein Boot muss jeden Morgen vor der Abfahrt durchgecheckt werden. Kühlwasserstand und Motorölstand müssen geprüft werden. Sind alle beweglichen Teile gesichert? Ist die Badeleiter hochgeklappt, die Taue richtig vorbereitet? Wir hatten ein kleines Problem mit der Hydraulik, die zuviel Öl geschluckt hat.
🙂 Aber das hat die Besetzung ja auch gemacht (Öl, Olut).

Das Wetter

Mit dem Wetter waren wir sehr zufrieden. An mindestens vier der acht Tage hatten wir schönstes skandinavisches Sommerwetter, 2 Tage waren gemischt – und am Abfahrtstag wie am Ankunftstag im Hafen hat es geregnet.

Aber meistens gab es das zugegeben späte Frühstück im Freien auf dem hinteren Deck. Spät, weil die finnische Mittsommernacht doch den Lebensrhythmus gewaltig verändert.

An den beiden kühlen Tagen konnten wir es im geheizten Boot auch dank der Sauna gut aushalten. Und bei den Ausflügen war der finnische Wettergott (fast) immer auf unserer Seite. Nur am ersten Tag in Savonlinna regnete es.

Unser Bootsverleiher meinte bei der Rückgabe, dass dies typisches Juniwetter in Finnland gewesen wäre.

Die Landschaft

Die wunderbare Natur ist (natürlich) das absolut Besondere auf dieser Reise. Stundenlang kann man auf dem Boot sitzen und das Panorama um sich herum bewundern. Es sieht alles aus wie in der Südsee – nur mit einer zwar auch fremden aber irgendwie vertrauteren Vegetation.

Und überall die vielen Grüns und Blaus von Wald, Himmel und Wolken. Eine fast unwirklich wirkende Welt, besonders wenn sich die Bäume vom Ufer und die Wolken des Himmels im oft ganz glatten Wasser spiegeln.

Die Städte

Die Idylle wird nur getrübt, wenn wir auf eine Stadt zu fahren. Dann sind schon von weiten Schlote und Kühltürme zu sehen. Wie drohende Fanale, die ankündigen, dass wir das  Paradies verlassen.

Drei größere Städte haben wir besucht – Savolinna, Kuopia und Varkaus. Dabei ist Kuopia die größte Stadt mit um die 100.000 Einwohner. Savolinna und Varkaus merkt man an, dass sie eben jeweils nur auf knapp 30.000 Einwohner kommen.

Die Anlage der Städte erinnert ein wenig an sozialistische Muster. Ansonsten gibt es viele Autos auf den Straßen – und man sieht nur wenig Menschen.

Auffallend die jungen Finnen im „gothic style“ (den Begriff haben mir meine Kinder erklärt). Dunkle Kleidung, eigenartige Frisuren und Tattoos, und Piercings ohne Ende. Auch Finnland scheint ein Problem mit seiner heranwachsenden Generation zu haben. Aber welches Land in Europa hat das nicht?

In jeder Stadt – auch in den kleineren Gemeinden – finden wir große Kirchen in Holzbaubauweise – mit einer schlichten aber sehr beeindruckenden Architektur.

Land und Leute

Anders als mit dem Fahrrad hatten wir auf der Hausboot-Fahrt nicht so intensiven Kontakt mit den Menschen des Landes. Aber wir haben uns sehr über die Freundlichkeit und Sprachkenntnisse der meisten Finnen gefreut.

Die Beschreibungen auch von relevanten Dingen sind sämtlich nur auf Finnisch. Unsere Streckenpläne – die für die Orientierung in einer weit verzweigten Seelandschaft mit Tausenden von Inseln sehr wichtig ist – waren nur auf Finnisch. Ganz selten findet man Schilder, die neben Finnisch auch in Schwedisch, Russisch und Englisch gehalten sind. Die dienen aber dann meistens nur der Werbung.

Es scheint auch viel „Finnisches“ im Verschwinden zu sein. Die großen Konzerne sind auf dem Vormarsch und scheinen den Mittelstand zu zerstören oder zumindest zu verändern. Wahrscheinlich trägt da auch der EURO viel dazu bei, so meinen es zumindest viele Finnen. Wäre schade, wenn die besondere Finnische Identität verschwinden sollte.

Und viel Industrie sieht man auch nicht. Die großen Werke scheinen Papierfirmen zu sein. Vieles hängt vom Holz ab.

Das Vorurteil, dass jeder Finne täglich in die Sauna geht, hat sich für mich aber bestätigt.

Die Mücken

Wir hatten Angst vor Ihnen – jeder hat uns ja vor den Mücken vor Antritt der Reise nach Finnland gewarnt. Und richtig: Je schöner die Natur, desto mehr gibt es davon.

Aber jetzt lasse ich es mit meinem Bericht gut sein. Und nehme mir vor, im Juni 2012 mit dem Rad ganz im Norden von Finnland zu starten und dann das Baltikum zu durchfahren. Und mit dem Ziel einer Stadt wie Minsk oder Warschau (oder Berlin), von der mich dann der Zug wieder nach Hause bringt. Und da werde ich mich auch von den Mücken nicht abbringen lassen!

RMD

P.S.
Jetzt füge ich noch ein paar Bilder in meinem ersten Bericht von unserer Finnlandreise ein – und dann ist Finnland mal fürs erste wieder vorbei!

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