Roland Dürre
Freitag, der 4. Juni 2010

UTB #68: Von Loiana nach Ostiglia

Ein wenig skeptisch waren wir schon heute morgen im Hotel Pineta in Loiane. Der tolle Blick aus unserem Zimmer hat uns begeistert, immerhin hatten wir gestern unser Hotel ja erst im Dunklen betreten. Aber so richtig nach Sonne sah es noch nicht aus.

Aber – um es kurz zu machen – es wurde ein Supertag. Es sollten diesmal 128 km werden, und es hat alles gepasst. Vom Frühstück bis zum Nachtmahl.

Aber ich berichte der Reihe nach.

Dass es 128 km wurden, lag auch am Start von einer Höhe von 700 Metern. Bis Bologna ist das eine Abfahrt, die man – bis auf ein paar Zwischenaufstiege – so richtig genießen kann.

Und Bologna ist natürlich für einen Augsburger Fußball-Fan eine ganz besondere Stadt. Noch 1960 hatte ich im Rosenaustadion dem „Helle“ (auch das Hemd genannt, weil er so dünn war) zu gejubelt. Besonders an ein großes Spiel BCA – Eintracht Frankfurt kann ich mich besonders erinnern.

Er (Helmut Haller) war der Stolz der Stadt und die Hoffnung des BCA’s (Ballspielclub Augsburg), einem Verein mit Fußball-Geschichte. Heute gibt es den BCA nur noch als BCA Oberhausen, und der Helmut Haller wird in diesem Juli 71 Jahre alt.

Damals wechselte er als einer der ersten deutschen Legionäre nach Bologna. Das hat dem BCA zwar viel Geld gebracht, aber letztendlich auch ruiniert, so dass er  Ende der 60iger mit den auch geliebt-gehassten Schwaben des TSV zum Retortenverein FCA fusionierten. Der hat ja gerade eine Zwischenhoch erlebt, aber die Betonung liegt auf „zwischen“ (ich bitte die nächste Saison in Liga 2 genau zu verfolgen).

Und jetzt sitze ich am Piazza Galvini vor dem ZARANINI, genieße den „Capucc“ und esse so nebenher die teuerste Rosinenschnecke meines Lebens zu 3,- EURO.

Halb so groß wie in München, aber doppelt so gut. Dabei bin ich sogar noch preiswert. Barbaras Bingne Crema kostet 3,50. Weil es so gut war, essen wir jeder noch ein zweites Teil. Und da der Cappuccino nur 3,- EURO kostet (da habe ich in München schon mehr gezahlt) stehen auf  der Rechnung (inklusive zweier Gedecks) 21 EURO. Immerhin viel günstiger als an einem der „heiligen Plätze“ in Rom.

Die Pause durfte aber nicht zu lange werden. Denn als Ziel wurde Ostiglia am Po immer konkreter. Und das schien aufgrund der schnellen Abfahrt nach Bologna doch gut erreichbar. Da hatten wir übrigens Glück, denn die Passabfahrt wäre den an nächsten beiden Tage wegen einem Oldtimer-Rennen gesperrt gewesen. Wir wussten das nicht, und haben uns gefragt, ob die vielen Strohballen an den kritischen Stellen für uns tollkühne Radler aufgebaut worden wären?

Also hurtig weiter nach Cento. Dort gitb es ein Bier, eine Pizza – und ein wunderschönes Stadtschloss zu besichtigen.

In Finale Emilia leisten wir uns noch ein köstliches Eis. Es ist heiß, hilft aber nichts, es geht auf die lange Strecke Richtung Po nach Sérmide.

Bis Sérmide war es dann doch ein wenig schwierig. Es war heiß und zumindest meine Beine merkten jetzt doch die 2.000 Höhenmeter des letzten Tage.

So wurde das Fahrrad langsamer und der Fahrer war nicht auf der ganzen Strecke glücklich, wie dies wunderschön friedliche und weite Landschaft verdient hätte.

Von Sérmide geht es weiter in Richtung Carbonare zum Po-Damm-Radweg. Auf diesem noch 9 km, dann kommt die  kein Vertrauen erweckende aber ziemlich lange Brücke über den Po nach Ostiglia.

Auf einem dünnen Fußweg (getrennt von der auch nicht gerade bereiten Straße) trauen wir uns hinüber. Nur noch wenige Meter, und wir sind am Ziel: Ostiglia ist erreicht. 128 Kilometer sind geschafft, der Tourenzähler steht am 4. Tag bei 399 km.

In Ostiglia spricht uns ein freundlicher Passant an. Natürlich fragen wir ihn gleich nach einem Hotel. So landen wir im CIOÉ. Hat zwar nur 2 Sterne, aber es passt alles.

Trotz des langen Tages sind wir vor 19:00 im Hotel. Duschen und raus zum Stadtbummel. Barbara ist sogar beim „Shoppen“ findig, das ist eine große Ausnahme. Sie kauft sich Schuhe mit Herzchen, die ich ganz besonders süß finde.

Und dann folgt wieder eines der unvergesslichen köstlichen und lautstarken italienischen Abendessen.

Was für ein Tag!

RMD

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