Roland Dürre
Freitag, der 27. April 2012

Utb Stralsund #1 Anreise und 1. Tag (von Lübeck nach Rerik)

Weil nachgefragt schreibe ich doch wieder mein Urlaubstagebuch (Utb) „Stralsund“ von meiner Radeltour an der Ostseeküste in drei Tagen von Lübeck nach Stralsund.

Die Fahrt in der Nacht zum Mittwoch im Doppelstock-Schlafwagen von München Ostbahnhof nach Hamburg Hbf war ausgezeichnet. Wir hatten ein richtig schönes Abteil für uns, zwei Betten, einen Tisch mit zwei Sesseln, zwei Fenster und zwei Oberlichter.

Sogar der Radioempfang auf meinem Android Smart Phone war gut genug, um das Elfmeter-Drama in Madrid (und auch das Spiel selbst) zu verfolgen.

Vor Hamburg hatten wir viel Zeit zum Frühstück und auch die Umstiegszeit schien ausreichen. Unser Zug sollte um 7:54 am Gleis 8 ankommen und der RE nach Lübeck um 8:06  auf Gleis 7 am selben Bahnsteig gegenüber abfahren. Und Nachtzüge kommen ja eigentlich immer pünktlich an, weil sie viele Pausen machen und so genug Zeit haben, eventuelle Verspätung wieder rein zu holen.

Eigentlich … Unser ICN 1286 hatte aber Verspätung und kam auch auf dem falschen Gleis 23 an. So war der Zug nach Lübeck schon weg und das Umsteigen wurde auch erschwert. Das hieß: Weiterfahrt nach Lübeck mit einem Zug später. Eigentlich alles ganz normal, wie wir das so von der DB AG so gewohnt sind.

Nicht normal dagegen war das Wetter! Denn die Vorhersage für Lübeck war für diesen Donnerstag genauso miserabel wie sie für München fantastisch war. In München war für den 26. April Traumsommer, in Lübeck eine dicke schwarze Wolke mit drei Regentropfen (ein Liter Niederschlag pro Quadratmeter) vorhergesagt.

Wir hatten jedoch richtiges Wetterglück. Die ganzen 110 km von Lübeck zum Ostseebad Rerik hatten wir keinen einzigen Regenschauer! Zwischendurch hatten wir sogar ein wenig Sonne! Und abends bei der Ankunft kurz nach 18:00 empfing uns strahlender Sonnenschein. Und so ging es hinein in den Donnerstag zur ersten Etappe nach Stralsund und dann weiter nach Berlin. Radlerglück!

Aber auch eine andere Annahme erwies sich als falsch. Ging ich doch ganz intuitiv davon aus, dass die Fahrt von Lübeck nach Stralsund  so ein leichtes dahin rollen auf flachem Gelände werden würde. Falsch – auf dem Ostsee-Wanderradweg geht es auf der ersten Etappe ab Lübeck so richtig hoch und runter. Nicht sehr steil und keine großen Höhen, aber es akkumuliert sich halt doch. So sind es dann gefühlte 1.000 Höhenmeter geworden.

Was ist mir noch aufgefallen? Viele Radler waren unterwegs. Die Straßen wenig befahren. Die Radwege wirklich gut. Zumindest in MeckPomm scheint es mehr zu geben als bei uns. Ist vielleicht so, wie bei den Krippenplätzen. Und überall landwirtschaftlich genutzte Flächen. Sehr groß-industriell, erinnert stark an die Zeit der Mega-Kolchosen in der DDR. Und leider ganz viel Raps. Oft bis an den Horizont. Schön anzuschauen. Aber Verschwendung wertvollen Ackerlandes für Bio-Diesel.

Und billig ist es in MeckPomm. Bei der (vorletzten) Radtour von München ist mir schon aufgefallen, dass die Unterkunft am ehemals so teuren Chiemsee billiger war als die in Österreich oder Italien. Und auch vor kurzem in Süditalien und auf Sizilien waren die Hotels teurer als in Oberbayern. Das war ja vor ein paar Jahrzehnten ganz anders.

In MeckPomm ist aber alles noch viel billiger als bei uns in München und Bayern, nicht nur die Hotels. Das fängt bei der Fischsemmel an, die nicht nur billiger sondern auch von weit besserer Qualität als bei uns ist und ist wohl beim restlichen Lebensbedarf genauso.

Ich nehme als Beispiel italienisches (?) Speiseeis. Zuhause sind wir jetzt auch beim Crema Gelato in Ottobrunn bei 1 € die Kugel angekommen. Und ich kenne Eisgeschäfte in der City von München, wo ich für 1 € kein Eis mehr kriege. In Wismar haben wir für die gleich große Kugel 0,70 Cent bezahlt. das ist 30 Eurocent billiger oder von 70 Eurocent aus gerechnet fast 43 % mehr. Bei den Mieten, beim Bäcker oder im öffentlichem Nahverkehr scheint die relative Preisdifferenz noch höher zu sein.

Aber es ist nicht alles billiger! Eine Ausnahme gibt es: Benzin und Diesel. Das kostet genauso viel wie in  Bayern. Auch ein Beleg, dass das wohl so ganz besondere Säfte sind.

Den Radler kann es aber nur freuen, bekommt er doch für die bei 100 km eingesparten 6 Liter Diesel in MeckPomm 12 Kugeln Eis und es bleibt ihm noch ein wenig Wechselgeld, das er z.B. für den (auch so teuren) Toilettenbesuch verwenden kann. In München kriegt er dagegen nur 9 Kugeln und für die Toilette muss er noch einen EURO extra aufwenden.

Aber zurück zum Radeln:

Der Ostseeradwanderweg war im Abschnitt Lübeck bis zum Ostseebad Rerik sehr einsam und idyllisch. So passt der Name des Hotels, in dem wir dann am Abend abgestiegen sind und ausgezeichnet gespeist haben. Wir übernachten in der „Schaffidylle“! Und es war wieder mal so ein richtig guter Radtag.

RMD

P.S.
Warum fahre ich überhaupt nach Stralsund? Ganz einfach: Die Gudrun – eine ganz liebe Freundin von Barbara und mir – lebt in Stralsund. Und feiert dort einen ganz wichtigen Geburtstag. Da muss ich hin.

Jetzt ist es aber eine Reise von München nach Stralsund nur für einen Abend zu aufwändig. Andererseits wollte ich schon immer mal an der Ostsee entlang und durch die berühmte Seenplatte radeln. Das war ganz einfach zu lösen: Wir sind am Mittwoch Abend mit dem Nachtzug nach Hamburg und weiter mit der Bahn nach Lübeck gefahren. Von dort radeln wir in drei Tagen nach Stralsund und feiern am Samstag mit der Gudrun ihren Geburtstag.

Und am Sonntag früh geht es mit dem Fahrrad nach Berlin. Wieder drei Tage für uns, an denen wir neue Wege durch sehr gelobte Landschaften radeln dürfen. In Berlin wartet am Dienstag, den 1. Mai am Nachmittag der Zug nach München auf uns. Übrigens der einzige außer dem Nachtzug, der von Berlin nach München durch fährt und Fahrräder mit nimmt.

Das macht dann 6 Tage Radeln plus eins schönes Fest mit dem Investment von drei Werktagen. Um Mitternacht bin ich dann wieder zu Hause, in Riemerling und am nächsten Morgen in Unterhaching.

🙂 Das ist, wie ich finde, hoch effizientes Slow Travelling!

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