Roland Dürre
Donnerstag, der 17. März 2011

UTB Südsee #10 Nukunonu – ein Platz zum Reflektieren

Es ist Mittwoch, 16. März 2011, 17:00 Uhr local time.

Wir liegen am Nachmittag vor NUKUNONU (TOKELAU/NEUSEELAND). In 30 Minuten machen wir „sail out“ und sind dann drei Tage auf See.

In Deutschland ist schon der Donnerstag, der 17. März – wie sind der Zeit noch hinterher. Bei uns fällt morgen der Donnerstag aus, wir wechseln gleich auf den Freitag, den 18. März. Dann sind wir der Zeit wieder voraus.

Nukunonu ist ein Atoll, einsam liegt hier zwischen Äquator und Samoa die Insel Tokelau und ein paar weitere rund um das Atoll. Das ist zu Fuß ganz leicht möglich.

Es ist die letzte Kolonie Neuseelands und ist von dort wohl schwerer zu erreichen als die Antarktis. Früh verlassen wir unser Schiff und erkunden die Insel. Die Insel ist an keiner Stelle sonderlich breit zu sein, 100 Meter erscheinen viel. Sie ist auch nicht sehr lang. Der einfach gemalte Inselplan auf einer DIN A4 Seite ist mehr als übersichtlich.

Im Zentrum gibt es die Kirche und ein gar nicht so kleines Geschäft. Sogar ein paar Straßenlaternen gibt es hier. Die Waren im Geschäft scheinen überwiegend aus Neuseeland zu kommen. Uns fallen die vielen Konserven auf – mit Fertiggerichten wie zum Beispiel mit Spagetti in Tomatensauce. Der Andenkenshop ist geschlossen, die Händler haben ihre Stände in einer Art Marktplatz am Anlegeplatz der Zodiacs der MS EUROPA aufgebaut.

Auch der höchste Punkt kann nur wenige Meter hoch liegen. Wir streifen die ganze Insel entlang.  In wenigen Reihen sind Häuser gebaut. Nur noch wenige in traditioneller Bauweise. Die modernen Häuser stehen auf Säulen oder einem Sockel aus Beton. Die Wohnräume sind über dem ersten Meter.

Wir entdecken ganz wenig Autos und zwei kleine Bau-LKW, ein paar Quads und eine Reihe von Anhängern zum Transport von Waren oder Abfall. In einer Ecke steht ein Generator, der den Strom erzeugt. Internet gibt es sehr wohl, wir sehen ein paar Laptops und in einem öffentlichen Gebäude ein paar Internetkabel. Fernseher sehen wir keine.

Ich finde im Sand ein 10-Cent-Stück. Es ist eine Münze von Neuseeland. Tokelau verfügt zwar über eigene Briefmarken, aber kein eigenes Geld. Das 10-Cent-Stück nehme ich mit. Vielleicht bringt es mir ja Glück auf der Reise – oder später beim Schafkopfen als Klopfer.

Wir treffen eine junge Frau und einen jungen Mann. Beide sind hier geboren. Die Ankunft unseres Schiffs ist etwas ganz besonderes und seltenes. Dafür haben sich sehr adrett angezogen. Neben ihrer polynesischen Muttersprache sprechen sie ausgezeichnet englisch.

Der junge Mann ist 19 und studiert Informatik an einer Fernuniversität. Seinen Abschluss muss er an der Uni auf den Fidschi-Inseln ablegen. Die junge Frau fällt auf, weil sie besonders hübsch ist.

Sie hat sich für den Besuch des Schiffes ein buntes Kleid angezogen. Die Frauen scheinen sich hier alle für uns in Festkleidung geworfen zu haben. Ihre Kleider der Frauen bedecken aber immer die Knie. Auf dieser Insel ist es unschicklich, wenn man als Frau zu viel Bein zeigt.

Für mich ist unsere neue Bekanntschaft die „Dorfschönheit“. Sie ist offen und erzählt uns viel von sich. Sie ist Beamtin und erledigt die Administration der Polizei von Tokelau. Unterstützt wird sie von 2 Polizisten. Einen davon haben wir an Bord getroffen.

Sie erzählt uns aus ihrem Leben: Geboren ist sie in Tokelau, als Tochter eines Eingeborenen und einer Neuseeländerin. Die Mutter hat die Familie kurz nach ihrer Geburt verlassen und ist nach Neuseeland zurück gegangen, aufgezogen haben sie ihre Großeltern.

Sie ist gerne auf der Insel mit ihren 600 Einwohnern. Die Menschen hier sind alle katholisch. Man bräuchte hier kein Geld um zu leben. Fisch und Kokosnüsse und sogar Wasser wären immer genug da. Das Regenwasser wird in großen Tanks aufgefangen und es regnet genug. Ein wenig langweilig wäre es allerdings schon ab und zu mal hier.

Gekocht wird traditionell. Die Kokusnuss-Palme gäbe einem alles, was man zum Leben bräuchte. Und so alle 2 Wochen kommt ein Schiff mit anderen Waren und Benzin und Diesel für die wenigen Autos und den Stromgenerator an einem Ende der Insel.

Verbrechen gäbe es auf der Insel nicht. Ab und zu würden Menschen unter 21 Jahren Alkohol trinken. Die würden dann ein Bußgeld von 20 Dollar zahlen müssen. Für so etwas wäre sie auch zuständig.

Alle paar Jahre soll ein tropischer Sturm die Insel verheerend verwüsten, dann wird wieder aufgebaut. Von den Menschen, die hier geboren wurden, arbeiten viele in Neuseeland und Australien. Aber Menschen von hier gäbe es auf der ganzen ganze Welt, sogar im entfernten Europa und Deutschland.

Beim Streifzug durch die Insel finden wir einen ganz schlichten Friedhof, der nicht so malerisch aussieht wie auf den Fidschis. Wir finden alles was man sonst so braucht: die Schule und den Kindergarten, Versammlungsräume, einen kleinen Hafen, eine große solarbetriebene Antennenanlage, ein paar Stege ins Wasser.

Wir entdecken eine kleine Gärtnerei und Hähne, Hühner und Katzen. Auch ein paar kleine Schweine sehen wir herum flitzen. Und immer begegnen uns freundliche Menschen.

Bei einem kleinen Hafen treffen wir ein paar Boote mit Fischern, die uns zu anderen Inseln des Atolls bringen wollen. Gleich daneben ist ein Badebucht. Wir verzichten auf die Bootsfahrt und gehen schwimmen. Das Wasser tut so richtig gut.

Wir gehen weiter und kommen beim lokalen Hospital vorbei. Dort werden wir wie überall freundlich begrüßt. Die Krankenschwester erzählt uns, dass der Arzt des lokalen Hospitals auch aus Deutschland kommt. Er wäre aber auf dem Schiff und nimmt es gerade ab. So könne er uns leider nicht begrüssen.

Am Nachmittag verlassen wir die Insel wieder im Zodiac. Es geht zurück zum Schiff. Drei Seetage werden vor uns liegen.

Auf der kleinen Insel wird jetzt wieder Ruhe einkehren. Und jeden Morgen wird die Sonne der Südsee über den Menschen hier aufgehen, die wir so sympathisch und zufrieden erlebt haben. Allerdings sind sie in Sorge über den Klimawandel und haben Angst vor einer Überflutung, die ihren Lebensraum vernichten könnte.

RMD

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