Roland Dürre
Donnerstag, der 24. März 2011

UTB Südsee #15 Der zweite (und unser letzter) Seetag

Mittwoch, 23. März 2011

Morgen früh wollen wir in Kailua (Hawaii/USA) anlegen. Die Wetterkarte sieht nach wie vor nicht gut aus. Wind und der raue Seegang werden anhalten. Heute Nacht haben wir uns gefühlt wie im Schlafwagen von München nach Rom, sowohl das Geschüttel wie der Lärmpegel waren vergleichbar.

Hat trotzdem etwas gehabt, die stürmische Nacht mit dem Rauschen des Meeres über all den anderen Fahrtgeräuschen durch die offene Balkontür. Heute Morgen beim Frühstück kam der Wind stark von der Seite. Die MS EUROPA legte sich ganz schön schief, bis der entsprechende Ballasttank befüllt war.

Morgen steht uns wieder mal die ermüdende „Immigration“-Prozedur der U.S.-Behörden bevor. Da das Schiff erst freigegeben wird – und erst dann der Landgang möglich ist, wenn alle Menschen an Bord erfasst worden sind, das bedeutet neben Photo machen und Fingerabdruck scannen auch die übliche Frage-Prozedur, geht es wohl ziemlich früh los. Bin mal gespannt, wann wir dran sind.

Die SZ vom Donnerstag habe ich auch schon überflogen (wie immer die frühe Abendausgabe auszugsweise als Print-on-Demand-Produkt). Was ich da so alles lese, gefällt mir gar nicht. In Libyen hat das Eingreifen der Nato-Länder die Lage wohl auch nicht verbessert.

In Japan kommt jetzt die Radioaktivität, der Tanz mit den havarierten Atomreaktoren steht uns wohl erst noch so richtig bevor.

Und das, was da über EURO-Land steht, gefällt mir auch nicht. Glaube nicht, dass die EU-Schwellenländer die Dinge auf die Reihe kriegen. Damit meine ich nicht nur die sogenannten PIGSI-Staaten. Ich weiß auch, wie hart sich der Mittelstand z.B. in Finnland tut. Wenn da Nokia fällt, knallt es auch. Und Ungarn und das Baltikum sind auch keine so richtig Freude machenden Mitglieder. Vom Rest ganz zu schweigen.

Auch wenn man Litauen ja über den grünen Klee lobt. Dabei wird es für etwas eigentlich Selbstverständliches gerühmt. Nur weil  Litauen nicht mehr Geld ausgbt als es einnimmt. Sollte eigentlich kein Kunststück sein.

Ich glaube, dass die EU mit ihrer schonungslosen Wettbewerbsstrategie etwas bewirkt, was sie gar nicht bewirken will: Sie fördert die Konzentrationsprozesse und radiert besonders den unteren Mittelstand aus. Ich persönlich merke das, wenn ich mich mit mir befreudetenen Mittelständlern z.B. aus Griechenland, Finnland oder Ungarn austausche. So richtig viel geht da nicht mehr, überall ist die Neigung groß, zu verkaufen, wie ja auch bei uns in Deutschland.

Da gefallen mir die Strukturen in der Schweiz irgendwie schon besser. Zumindest kenne ich da eine ganze Reihe von starken, selbstbewussten und zu Recht auf das Geschaffene stolzen mittelständischen Unternehmern und Unternehmen.

Aber ich will hier nicht politisieren, obwohl sich natürlich auch auf dieser Reise viele Gedanken und Gespräche darum drehen, wie man die InterFace als kleinen Mittelständler in seiner Lebensfähigkeit weiter ertüchtigen kann. Nicht zuletzt, weil ich ja mit unserem Vorsitzenden des Aufsichtsrats unterwegs bin.

Also zurück zur Reise: Heute Mittag ist „Bayerischer Frühschoppen“ im Lido auf Deck. Da ist dann alles Blauweiss, die hübschen Servicekräfte haben ihr Dirndl an und die Gäste freuen sich schon seit Tagen darauf. Irgendwie hat Bayern auch bei den zahlreichen Nordlichtern an Bord einen besonderen Ruf.

Ja – so geht es dann weiter. Nach dem bayerischen Event werde ich mich auf Deck verkriechen und die Stürme des Pazifiks in frischer Luft genießen. Das ist gut möglich, weil immer wieder die Sonne durchkommt. Heute Abend gibt es italienische Spezialitäten im Venezia – das ich allen MS EUROPA-Reisenden nur wärmsten empfehlen kann.

In der Nacht wird es wieder stürmen und tosen – und morgen früh dann wahrscheinlich ziemlich früh runter zu den amerikanischen Beamten …

RMD

P.S.
Der „Bayerische Frühschoppen“ war wirklich von besonderer Qualität. Kapitän Damaschke gelang es, das Fass mit einem einzigen Schlag anzuzapfen. Und der Autor ist nicht mehr in der Lage, seiner Chronistenpflicht zu folgen.

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