Roland Dürre
Samstag, der 18. April 2015

Veränderung aller Orten – heute Musik.

136px-Parts_of_a_musical_note.svgVon Musik und Musikinstrumenten habe ich nicht so viel Ahnung – bin da nicht einmal Halbexperte sondern der totale Laie.
🙂 Das soll mich aber nicht daran hindern, auch dazu mal zu schreiben.

Zuerst mal meine ich, dass das Erleben von Musik vor dem Zeitalter der Technik und der „industriellen Revolution“ für die meisten Menschen etwas ganz seltenes und besonderes gewesen sein muss. Und auf ganz wenige Ereignisse im Leben beschränkt war.

Was für Möglichkeiten gab es zum Beispiel vor 150 Jahren Musik zu hören? Wahrscheinlich musste man selber Singen oder ein einfaches Instrument spielen. Oder anderen dabei zu hören. Ein Klavier war sicher nur für ganz wenige, privilegierte Menschen erreichbar.

Natürlich gab es kein Radio und keine Beschallung im Supermarkt. Das Grammophon wurde erst 1887 erfunden. So dürfte das Hören von Musik ein seltenes Erlebnis gewesen sein, das man zum Beispiel in der Kirche hatte, Da konnte man der Orgel und ab und zu dem Kirchenchor lauschen. Wahrscheinlich war dann das Musikerlebnis wegen seiner Seltenheit ganz besonders intensiv und hat so das religiöses Erleben ermöglicht, vielleicht sogar überhöht.

Außerhalb der Kirche konnte man dann vielleicht noch ab und zu Blasmusik hören. Oder wenn die Soldaten vorbei marschierten, sich über die Klänge der Militärkapelle erfreuen – oder davor zusammen schrecken. Der Besuch von musikalischen Veranstaltungen dürfte ziemlich teuer gewesen sein. Wer konnte sich schon ein Konzert oder eine Oper leisten? Da musste man wahrscheinlich schon ein sehr wohlhabender Mensch sein.

So stelle ich mir die Welt der Musik vor gar nicht so langer Zeit vor. Wahrscheinlich waren die Menschen damals noch richtig ergriffen von den ungewohnten Klängen.

Heute hat sich das geändert. Die Dauerberieselung allerorts hat uns immunisiert. Überall wird Musik eingesetzt. Sogar im modern sein wollenden Theater findet häufig eine musikalische Untermalung der Monologe und Dialoge statt, ganz zu schweigen von der permanenten Hintergrundmusik in den Filmen wie im Fernsehen.

Das alles bringt mich zum Nachdenken. Weil da etwas sehr Besonderes und Schönes durch Kommerzialisierung verloren gegangen sein könnte.

Es gibt aber noch einen anderen Aspekt, den ich beim Thema Musik spannend finde. Die (professionelle) Musik aus dem Mittelalter kommend war wohl eine sehr formale Sache. Es gab es klare Regeln, die vorgegeben haben, wie Musik gemacht werden muss. Eine Oper war eine Oper und ein Orchester hatte einen Dirigenten. Es gab viele Formate und Standards, die von den musizierenden Gruppen eingehalten werden mussten. Jede Art von Musik hatte ihre Bezeichnung und konnte einer Oberart zugeordnet werden. Die Musikwissenschaft – so scheint mir – hat die Musik vereinnahmt und klar festgelegt, was Musik ist und was nicht.

Eines Tages kam der Jazz und Ähnliches. Eine neue Art zu musizieren wurde legitim. Sie hat Freiheit gebracht. Der Begriff der „Jam session“ wurde geboren. Es durfte wieder improvisiert werden. Musikalische Elemente aus alten Zeiten wurden wieder salonfähig. Und ich kannte eine Reihe von Erwachsenen in Deutschland, die diese Musik als abfällig als „Negermusik“ bezeichneten.

Vokale Musiker wie die „Comedian Harmonists“ als Solisten kamen zusammen, experimentierten mit ihren Stimmen und imitierten vokal Instrumente. Die Beat-Gruppen kamen und setzten manche Regel außer Kraft. Heute gibt es sogar große Orchester, die ohne Dirigenten auskommen und trotzdem ganz gut musizieren.

Eine mir gut bekannte Sängerin hat mir ein besonderes, für sie innovatives Erlebnis  berichtet:

Wir hatten übrigens ein ganz tolles Konzerterlebnis. Beim Requiem standen wir vollkommen durcheinander (also immer irgendein Tenor oder Bass neben irgendeinem Sopran oder Alt), weil der Chorleiter in einer der letzten Proben feststellte, dass das klanglich viel homogener klingt.

Wenn keiner jemanden in der Nähe hat, der seine eigene Stimme singt, dann kommt keiner in die Versuchung, diesen anderen übertönen zu wollen. Der potentielle Nachteil ist natürlich, dass man keinen in der Nähe hat, der das gleiche singt, wie man selbst und so muss man schon das Zeug richtig beherrschen, um alles richtig zu singen..

Ich stelle mir das so vor: Jahrhunderte lange standen im Chor die verschiedenen Stimmen in Blöcken zusammen. Und doch wird immer wieder Neues ausprobiert. Und siehe da, es funktioniert. Die Zeiten ändern sich – wohl auch in der „Welt der Musik“. Auch dort könnte es einen Trend geben, nicht nur „hierarchisch“ sondern innovativ und selbst organisiert „Musik zu machen“. Wie vielleicht auch in unserem sonstigen gesellschaftliches Leben.

Und ich hoffe, dass ich als musikalischer Laie in diesem Artikel nicht zu sehr daneben gelegen bin. Und gehe mal davon aus, dass ich nie mehr über Musik schreiben werde.

RMD

P.S.
Die „Note“ ist aus Wikipedia von F l a n k e r – drawn by F l a n k e r.

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