Roland Dürre
Freitag, der 7. Dezember 2012

Verbände und Vereinigungen

Wenn ich mit Verbänden zu tun habe, bekomme ich immer so komische Gefühle. Die sich dann auch meistens bestätigen. Nur – das Unbehagen im Bauch hilft mir nicht weiter. So versuche ich mein Unbehagen zu formulieren

Ich meine, dass sich die meisten der vielen Verbände und Vereinigungen, die wir in Deutschland so haben, überholt haben. Sie dienen in der Regel nicht mehr ihrem ursprünglichen Zweck, für den man sie erfunden hat. Die Nähe zu ihren Mitgliedern ist im Laufe der Jahre verloren gegangen. Die verbliebenen Mitglieder sind noch da, weil sie sie sich persönliche Vorteile versprechen oder Angst haben, eine Nichtmitgliedschaft könnte ihnen Nachteile bringen bzw. Risiken eröffnen.

Ein komisches Überich hindert die verbliebenen „Mitglieder“ am Austritt. Oder sie sind ganz einfach zu träge, um auszutreten. Man hat sich daran gewöhnt. Der Beitrag erscheint nur gering, und so ein paar kleine Annehmlichkeiten scheint die Mitgliedschaft doch zu bringen.

Sind aber die ganzen Verbände und Vereinigungen heute noch zielführend? Neue Kreise entstehen und entwickeln sich. Zugehörigkeit muss nicht mehr organisiert werden, sie findet statt. Politischer Druck kann auch anders als durch Verbände ausgeübt werden. Und noch einen Vorteil haben freie „communities“: Wenn man den Kreis nicht mehr braucht, dann löst er sich von selber auf. Was für ein Segen.

Aber was ist mein Problem mit den Verbänden und Vereinigungen? Ich meine, dass Verbände zwangsläufig zu Systemen werden. Und die sich dann zu leicht und zu zügig verselbstständigen.

Am Anfang arbeitet so ein System meistens noch für die „edlen Ziele“, die den Gründern zu eigen waren. Aber nur zu schnell ändert sich das. Dem System wird dann der eigene Erhalt immer wichtiger. Und kaum gehen ein paar Jahre ins Land, wird der Erhalt zum prioren Ziele des System. Und früher ober später und zwangsläufig bleibt der eigene Erhalt der ausschließliche Zweck  des Systems. Und wenn es ganz schlimm wird, entpersonalisiert sich das System und fängt an, seine Umwelt beherrschen oder zumindest massiv fürs eigene Wohl beeinflussen zu wollen.

Neben den von Menschenhand geschaffenen Systeme gibt es auch noch „Über-Systeme“, die sich irgendwie ganz von selbst entwickelt haben und plötzlich die Welt beherrschen (Finanzwirtschaft, der internationale Terrorismus …). Aber die gehören hier nicht her, denn das sind nicht die Vereinigungen, über die ich hier schreibe.

Wenn die Verbände, die ich meine, ein gewisses Maß an systemischer Macht erreichen, entsteht häufig und ziemlich zwangsläufig eine Art von „Funktionärsfeudalismus“. Das ist auch ganz logisch. Denn das „System im Verband“ will ja überleben. So belohnt es seine Systemagenten, die Funktionäre, mit Wohltaten wie angenehme Arbeitsbedingungen, ein gutes Einkommen, vorteilhafte Regelungen, viele Freizeiteinrichtungen, wohlwollende Nachsicht bei Inkompetenz oder mangelndem Einsatzwillen, einem hohen sozialen Status, schöne Reisen, großzügige Pensionszusagen und manches mehr.

Den Funktionären gefällt das natürlich. Und ganz selbstverständlich wird der Erhalt des Systems zum Hauptziel auch ihrer Handlungen. Steht für sie doch viel zu viel auf dem Spiel, wenn das System verschwinden würde. Und schon dreht sich die Spirale – vielleicht ganz unbewusst oder auch bewusst – und führt zu einer neuen Art von Feudalismus.

Also bitte – keine Vereine, Verbände, Interessensgruppen etc. mehr gründen. Aus den schon vorhandenen austreten. Dafür freie Gemeinschaften (communities) schaffen, die sich bilden und wachsen aber auch gerne wieder verschwinden dürfen, wenn die Zeit dafür reif ist!

RMD

P.S.
Ich zähle mal ein paar auf:

ADAC, ADFC, BDI, BdU, BdV, Arbeitgeber, Arbeitnehmer, IHK, RK, VdA, VDI, VDE, VDK ….

Es gibt sicher viele Dutzend wenn nicht gar hunderte mehr.

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