Roland Dürre
Samstag, der 20. April 2013

Verbotenes Tun ist ganz normal?

In den „sozialen“ und „nicht sozialen“ Medien nehme ich heute einen „Hoeneß-Hype“ wahr. Das verstehe ich zwar, aber es entsetzt mich. Jetzt wird der Uli Hoeneß an den Pranger gestellt – und das ist unfair.

Ich gehe mal davon aus, dass die große Mehrheit der Menschen mit aussergewöhnlichen Vermögenswerten einen Teil ihres Geldes „schwarz“ angelegt hat, obwohl es verboten war und ist. Aber viele, wahrscheinlich alle Menschen machen laufend Dinge, die verboten sind. Der, auf den dies nicht zutrifft, möge sich bei mir melden. Denn er  ist ein Heiliger. Wer es aber leugnet, ist ein Lüger oder Heuchler.

Gerade mit Geld wird es schwierig. Menschen prostituieren sich dafür – oft im wahrsten Sinne des Wortes. Und finden ihre Käufer. Und zwar viele. Dies alles findet täglich und ganz normal statt, auch wenn es verboten ist.

Wie viele Menschen haben in der Jugend einen Diebstahl begangen, obwohl das verboten ist. Und all das ist normal und menschlich. Genauso wie dass Frauen abtreiben, auch wenn es verboten oder moralisch verurteilt wird.

Die Gesellschaft wie jeder von uns hat aber nicht das Recht, immer gleich die moralische Keule schwingen. Weil es alles so normal und menschlich ist. Derjenige werfe den ersten Stein, der frei von Schuld ist.

Reiche Menschen versuchen halt, den komplizierten Steuergesetzen zu entgehen. Und die Grenze zwischen legal und illegal verschwimmt leicht in subjektiver Bewertung. Und verschiebt sich laufend, oft unmerklich und scheibchenweise. Plötzlich sind Dinge  „kriminell“, die früher vielleicht „Kavaliersdelikte“ waren. Zum Beispiel zu Zeiten unseres seligen Ministerpräsidenten Franz-Josef waren Dinge ganz normal, bei denem einem heute die Haare zu Berge stehen.

Und jetzt haben wir plötzlich eine „neue Steuermoral“. Wahrscheinlich auf nicht so ehrenwerten Motiven begründet. Und das was früher normal war, ist plötzlich Pfui. Obwohl wir es immer gewusst haben, dass es so ist, und die Leute, die es gemacht haben, eher in auf bayrisch als „Des is a Hund“ geachtet wurden.

Das ist doch genau die bürgerliche Scheinheiligkeit und Verlogenheit, die immer noch auf unserer Gesellschaft lastet (und wahrscheinlich immer lasten wird). Ich hoffe, dass wir nicht zu viele solche „neue Moralismen“ bekommen.

Warum die Dinge nicht sachlich und nüchtern korrigieren, ohne die Betroffenen zu verurteilen und gar noch nach Rache zu schreien!? Also nicht Menschen moralisch runtermachen, sondern einfach die Missstände reparieren. Nicht bestrafen sondern kassieren. Und daran denken, dass es keine Gerechtigkeit gibt.

Eine konsequente öffentliche Transparenz aller Vorgänge würde vieles von dem, was heute passiert nicht zu lassen. Diese sollten wir fordern und durchsetzen, wenn wir solche Dinge „verbessern“ wollen.

Zurück zum „Fall“ Hoeneß. Da hätte ich noch einen Wunsch. Schön wäre es, wenn unser Gemeinwesen das viele Geld, das es jetzt wohl vom Uli im nach hinein kassiert, für etwas Sinnvolles ausgeben würde. Und da habe ich wieder meine Zweifel.

RMD

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3 Kommentare zu “Verbotenes Tun ist ganz normal?”

  1. Chris Wood (Sonntag, der 21. April 2013)

    My agreement is limited. I have read that the per head tax evasion in Germany is estimated to be about €1500 per year. So I think it hardly right to prosecute anybody who stays well below this level. He or she could claim unfair treatment. It is more problematic to support special treatment for somebody like Uli Hoeneß, who has done a great deal for Munich and Bavaria. The trouble is that the politicians would all claim to be extremely worthy cases. The bottom line is that if Uli has really evaded tax on hundreds of millions, this is really too much. Nobody needs so much, and I would not trust him to use the money much more wisely than the finance minister.
    The next comment concerns another topic, but if I put it where it belongs, nobody would read it. I have heard more now about the statistics where an „average“ household in Greece or Italy has more wealth than in Germany. As I suspected this was about the median, not the mean. So it should not be referred to as „average“ („durchschnitt“). This must refer to the situation of a relatively well off working class family. This depends on the per head wealth of Germany, but also on the spread of wealth, (where „wealth“ means possessions and is not directly affected by income). This is not a sensible basis for considering whether „poor“ Germany should help „richer“ nations.
    In a properly working capitalist economy, it is normal for wealth to be in relatively few hands. The idea is that these people will organise sensible investment, rather than just spending on immediate wishes. One hopes that the „poor“ working classes will earn well, since the desire to invest wisely will drive up wages, (provided labour has enough power). Of course communists are against this, (at least in theory), and other parties believe in this more or less according to their positions in the political spectrum. Looking round the world, it seems to me that Germany has got this about right.
    Another case where Germany has got it about right, is that Schäuble plans for somewhat poorer nations to manage more percent growth than Germany. Surely such international solidarity is ethical and sensible in view of the world’s limited resources. The alternative is to promote Germany at the expense of all others.

  2. Chris Wood (Dienstag, der 23. April 2013)

    After watching a chat show, I see the Bundesrat’s negation of Schäble’s Switzerland agreement as a disgrace. It would have secured the German state a high tax rate on criminal deposits in Swiss banks. Instead, we shall have hit and miss justice, with a nice sideline in earnings for data thieves.

  3. Chris Wood (Dienstag, der 23. April 2013)

    Sorry about my spelling.

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